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Nach Kritik von Jägern : Zoff auf der Schweinepirsch

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Landesverband weist Kritik aus eigenen Reihen zurück und forderte verstärkte Wildschweinjagd

svz.de von
erstellt am 15.Nov.2017 | 05:00 Uhr

Streit auf der Jagd: Der verstärkte Abschussplan auf Wildschweine zur Eindämmung der sich in Europa ausbreitenden Afrikanischen Schweinepest (ASP) bringt die Jägerschaft in MV gegeneinander auf. Während sich Waidleute im Landkreis Ludwigslust-Parchim von Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) nicht drängen lassen wollen, noch mehr Wildschweine zu schießen, pocht der Landesverband auf eine größere Jagdstrecke. Backhaus hatte vergangene Woche ein Zwei-Millionen-Förderprogramm aufgelegt, um den Abschuss der sich stark vermehrten Wildschweine um 20 Prozent auf 80 000 Tiere im Jahr zu erhöhen. So sollen Jäger u. a. eine Abschussprämie von je 25 Euro für einen erlegten Frischling und eine nicht führende Bachen erhalten. Mit dem Programm will das Land einem Pestausbruch vorbeugen. Allein in diesem Jahr seien in Europa 2643 Pestfälle registriert worden. Noch konzentriere sich die Krankheit in den baltischen Staaten, Polen, Tschechien und der Ukraine. Ein Ausbruch würde alles, was MV nach der Vogelgrippe oder der Europäischen Schweinepest erfahren musste „in den Schatten stellen“, hatte Backhaus gewarnt. Experten schätzen die Schäden nach einem Pestausbruch in MV auf knapp eine Milliarde Euro.

Jäger in Westmecklenburg fühlen sich derweil genötigt: Die Waidleute seien „doch keine Schädlingsbekämpfer. Es gibt immer noch eine Jagdethik und ein Jagdrecht“, hatte der Chef des Kreisjagdverbandes Ludwigslust, Sven Drewke, die Abschusspläne des Landes kritisiert, während sein Stellvertreter Mario Handorf vor allem den Landwirten die Schuld an der massenhaften Ausbreitung der Schwarzkittel in MV zuschob.

Landesverbands-Präsident Volker Böhning sieht dagegen in den eigenen Reihen Defizite. „Wer jetzt die verstärkte Jagd kritisiert, hat den Schuss nicht gehört“, hält der Verbandschef dagegen. Ein Ausbruch der Pest würde nicht nur die Hausschweinehaltung sondern auch die Jagd in MV stark einschränken: „Dann können wir die nächsten sechs oder sieben Jahre gar nichts mehr schießen“, meinte Böhning. Die Gefahr, dass die Tierseuche auch in Deutschland ausbrechen könnte sei „sehr hoch“. Es könne bereits viel erreicht werden, wenn die Jäger die geltende Bewirtschaftungssrichtlinie in MV einhalten und beispielsweise den Anteil der nicht führenden Sauen wie vereinbart auf zehn Prozent steigern würden. Bislang seien aber nur etwa fünf Prozent erreicht worden, meinte Böhnung und forderte die Landwirte auf, bei der Jagd auf das Schwarzwild stärken mit den Waidleuten zu kooperieren. Oft werde Mais oder Raps noch bis an die Waldkanten ins Feld gestellt. Das biete den Tiere beste Nahrungsbedingungen. Die Jäger hätten allerdings kaum eine Chance, die Tiere zur Strecke zu bringen: „Dann sind die Schweine bis zur Ernte im Schlag verschwunden.“ Böhning rechnet indes aufgrund der wachsenden Schweinestrecke mit großen Absatzproblemen auf dem Wildfleischmarkt. Er forderte die Verbraucher auf, gerade auch zu den Festtagen mehr Wildfleisch auf den Tisch zu bringen: Nichts wäre schlechter, als wenn die erlegten Wildschweine aus Absatzmangel in die Tierkörperbeseitigungsanlage nach Malchin gebracht werden müssten, sagte er.

Indes drängen auch Naturschützer wegen der drohenden Pestgefahr, aber auch wegen der größer werdenden Schäden auf dem Grünland, auf eine Ausweitung der Schwarzwildjagd. Die Tiere würden mancherorts ganze Flächen „umflügen“, meinte Corinna Cwielag, Landeschefin des Bundes für Umwelt und Natur (BUND), lehnte aber die Jagd in den Ruhezonen der Schutzgebiete im Land ab. Der Pirschgang in den Wildnisgebieten würde zu großen Schäden führen. Cwielag: „Die Auswirkungen in den wenigen naturbelassenen Flächen der Nationalparke sind nicht hinnehmbar.“

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