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Mecklenburg-Vorpommern

22. November 2017 | 21:42 Uhr

Zivilfahnder fassen den Reifenschlitzer

vom

svz.de von
erstellt am 21.Feb.2013 | 07:16 Uhr

Rostock | Damit hatte der Reifenstecher nicht gerechnet: In der Nacht zu gestern schlitzte er am Wiener Platz ausgerechnet den Reifen eines zivilen Polizeiautos auf - während die Beamten drinnen nach ihm Ausschau hielten. Zuvor hatte er über Wochen Rostocks Autofahrer terrorisiert. "Der Täter ist in gebückter Haltung durch die Straßen gezogen und hat deshalb nicht bemerkt, dass jemand im Auto saß", sagt Polizeisprecherin Yvonne Hanske. Auch die Beamten hätten ihn erst wahrgenommen, als es plötzlich zischte und ihr Wagen auf einmal tiefer lag.

Als sie aus dem Fahrzeug sprangen, entdeckten sie den Mann noch am Heck hockend. Es folgte eine kurze Verfolgungsjagd durch Reutershagen. Weit kam der Reifenschlitzer nicht - er schaffte es gerade mal durch einen Verbindungsweg in die Linzer Straße, wo ihn die beiden Zivilbeamten einholten und vorläufig festnahmen. Bei der nachfolgenden Durchsuchung des 41-Jährigen fanden sie ein Küchenmesser in seinen Taschen, ein zweites Messer hatte er schon während seiner Flucht fallen gelassen. Allein in dieser einen Nacht soll er insgesamt fast 40 parkende Autos in Reutershagen beschädigt haben, obwohl in einer der Straßen sogar ein Zeitungsausträger unterwegs war und ihn beobachten konnte.

Der Rumäne ist der Polizei schon durch andere Delikte bekannt, spricht allerdings kaum Deutsch. Daher musste er nach seiner Verhaftung gegen 1 Uhr nachts bis zum Nachmittag auf seine Vernehmung mit Hilfe eines Dolmetschers warten. Klarheit über das Motiv brachte diese allerdings auch keine: "Der Mann äußerte sich bisher nicht zu den Vorwürfen", sagt Hanske. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft soll heute die Haftvorführung erfolgen. "Bis dahin verbleibt der 41-Jährige in polizeilichem Gewahrsam."

Die Ermittler gehen davon aus, dass der Mann auch für die zahlreichen Vorfälle in den vergangenen Nächten verantwortlich ist. Insgesamt würden damit rund 130 kaputte Fahrzeuge in Reutershagen und der Kröpeliner-Tor-Vorstadt auf das Konto des Rumänen gehen. Zwar hatten ihn mehrere Zeugen bei seinen Aktionen im Schutz der Dunkelheit beobachtet, er war der Polizei aber immer wieder entwischt. Selbst ein Fährtenhund hatte seine Spur verloren, obwohl er schon wenige Minuten nach dem eingegangenen Alarm an einem Tatort eingesetzt worden war. Nach den ersten Misserfolgen änderte die Polizei ihre Taktik und schickte Zivilstreifen aus, die den Täter auf frischer Tat ertappen sollten. "In der Nacht zu gestern waren mehrere in dem betreffenden Bereich unterwegs", sagt Hanske.

Diese Strategie brachte nun den Erfolg, sodass Rostocks Autofahrer aufatmen können. "Das war eine schlimme Zeit, voller Angst", sagt Klaus-Valentin Fröhlich. Auch er musste gestern Morgen sein Fahrzeug zur Reparatur in die Werkstatt schleppen lassen und ist froh, endlich wieder ohne Sorgen in seinem Viertel parken zu können. Das ist auch Jens Hoffmann. "Endlich haben sie ihn. Ich kann nicht verstehen, warum Menschen so etwas mutwillig machen - und dann auch noch in dieser großen Zahl", sagt er. Er zählte gestern Morgen ebenfalls zu den Opfern des Reifenschlitzers und musste selbst zum Wagenheber greifen.

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