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Mecklenburg-Vorpommern

18. August 2017 | 09:07 Uhr

Zitterpartie auf der Skipiste

vom

Wittenburg | Schlagabtausch auf der Skipiste: Die Van-der-Valk-Gruppe, Betreiber der wegen akuter Statikproblemen geschlossenen Skihalle Wittenburg, hält trotz Tagesverlusten im fünfstelligen Bereich, derzeit noch unkalkulierbaren Sanierungskosten und einer Betreiberangaben zufolge von der österreichischen Baufirma gestarteten "Rufmordkampagne" an dem umstrittenen Schneeparadies fest. "Wir stehen zu dem Standort", sagte Hallen-Manager Bob van den Nieuwenhuijzen gestern in Wittenburg. Die Halle war 2006 eröffnet und 2008 in die Insolvenz gerutscht. Im selben Jahr war Van der Valk eingestiegen. Anfang Oktober seien die "finalen Kaufverhandlungen" für die Halle. Die war im August 2010 von den Behörden gesperrt worden, nachdem sich Teile des Konstruktion durch Bodenfrost um bis zu 37 Zentimeter gehoben hatten.

Täglich tausende Euro Verlust

In dem Kaufpreis, in dem die Schäden und ein Risikoabschlag eingerechnet seien, sei man sich weitgehend einig, so Van den Nieuwenhuijzen. Nach dem Übergang der Eigentumsrechte solle mit der Sanierung begonnen werden. Noch sei aber keine Entscheidung gefallen: Die Pläne reichten vom Austausch der beiden schadhaften Stahlträger bis zum Neubau des betroffenen unteren Hallenteils. Kosten: zwischen 1,5 und 15 Millionen Euro. Allerdings könnte sich die ursprünglich für Anfang November angekündigte Wiedereröffnung der Halle Monate hinziehen. Noch könne kein Termin genannt werden. Sofern der Statik nachweis erbracht werde, könne die Schließungsverfügung aufgehoben werden, kündigte Ludwigslusts Landrat Rolf Christiansen (SPD) an.

Die Zeit drängt: "Der Leidensdruck ist hoch", meinte Chef-Sanierer Christoph Adrian. Jeden Tag, an dem die Halle geschlossen sei, gingen Einnahmen verloren und fielen Kosten im fünfstelligen Bereich an. Van der Valk sieht im eigenen Engagement die letzte Chance für Wittenburg: "Wenn wir die Halle nicht betreiben, wird es keiner mehr machen", so Adrian. Van den Nieuwenhuijzen: "Wir sind überzeugt, dass die Halle erfolgreich betrieben werden kann." Van der Valk rechnet mit jährlich 200 000 Pisten-Besuchern. Seit der Übernahme der Halle sind eigenen Angaben zufolge Zuwachsraten von 30 Prozent erreicht worden. "Wir haben Geld verdient", sagte Adrian.

Indes gehen die Holländer gegen die Baufirma Haslinger vor, wehrt sich gegen Vorwürfe, selbst für die Bauschäden verantwortlich gewesen zu sein (wir berichteten) und prüft rechtliche Schritte. Einzig die fehlende Isolierung und die falsche Gründung seien für die Schäden verantwortlich, erklärte Adrian. Haslinger hatte hingegen in einem internen Schreiben behauptet: "Die Ursache der Fundamenthebungen sind ... alleine aus dem Betrieb der Halle herzuleiten." Die Stahlbauer hatten erklärt, auslaufende Kühlflüssigkeit aus dem angebohrten Kühlsystem hätten zu den Frostschäden unter der Halle geführt. Das hätten Gutachten der IGB Ingenieurgesellschaft Hamburg bestätigt.

Trinkwasser nicht in Gefahr

Van der Valk und die Hamburger Ingenieure halten jetzt gegen. "Wir sehen uns einer Rufmordkampagne gegenüber", sagte Van-der-Valk-Sprecher Wünsche. Die IGB bestätigte gestern gegenüber unserer Zeitung, dass "ein Zusammenhang zwischen angeblich ausgetretener Kühlflüssigkeit sowie dem Bewässern der Pisten und den aufgetretenen Fundamenthebungen ... nicht Gegenstand unserer Untersuchungen" war und "nicht Inhalt unserer Gutachten" war. Vielmehr seien die Behauptungen der Baufirma "rufschädigend, da sie uns physikalisch unhaltbare gutachterliche Schlussfolgerungen unterstellen". Auch der Kühlmittellieferant Tyforop Chemie Hamburg wehrt. 2010 sei "keine Wärmeträgerflüssigkeit an das Alpincenter" ausgeliefert worden, erklärte Marco Bergemann gegenüber unserer Zeitung. Und auch Landrat Christiansen gab Entwarnung: Er wies Befürchtungen zurück, ausgelaufene Kühlflüssigkeit könnte das Grundwasser belastet haben. "Wir gehen von keiner Gefährdung aus", sagte er. Jetzt sollen im Boden und in Beobachtungsbrunnen Proben genommen werden. "Eine Gefährdung des Trinkwassers ist auszuschließen." s

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erstellt am 30.Sep.2010 | 08:42 Uhr

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