Zitrone des Nordens und Hubertusglück - Ernährungsbranche legt zu

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10. Mai 2012, 09:45 Uhr

Göhren-Lebbin | Dass Sanddorn die Zitrone des Nordens ist, weiß in Mecklenburg-Vorpommern jedes Kind. Aber ist diese Bezeichnung den Verbrauchern in Nordrhein-Westfalen genauso geläufig? Und wie viele Bayern kennen bereits das "Mecklenburger Hubertusglück"? Steigende Umsätze, aber noch Luft nach oben beim Export: Das ist das Fazit der Ernährungswirtschaft in MV, deren Vertreter gestern zum Branchentag in Göhren-Lebbin (Mecklenburgische Seenplatte) zusammenkamen. Das gemeinsame Ziel der rund 150 teilnehmenden Experten, Hersteller und Händler wurde klar formuliert: Der Nordosten muss seine Lebensmittel überregional stärker vermarkten, wenn der Aufwärtstrend der Branche anhalten soll.

Knapp vier Milliarden Euro Umsatz

So konnte der Umsatz des Wirtschaftszweiges im Land von 3,7 Milliarden Euro im Jahr 2010 auf 3,82 Milliarden Euro im Jahr 2011 gesteigert werden, wie Günther Neumann vom Verein Agrarmarketing Mecklenburg-Vorpommern (AMV) sagte. Der Verein hatte gemeinsam mit der Landeswirtschaftsfördergesellschaft Invest in MV zu der Tagung eingeladen. Nach Angaben von AMV-Geschäftsführerin Jarste Weuffen beschäftigt die Ernährungswirtschaft in MV fast 14 500 Menschen. Das sind etwa ein Drittel der Beschäftigten im verarbeitenden Gewerbe. Am Gesamtumsatz des verarbeitenden Gewerbes hatte die Branche 2011 einen Anteil von 38 Prozent und war damit Spitzenreiter. Die Exportquote in MV lag allerdings nur bei zehn Prozent. Zum Vergleich: bundesweit war dieser Wert mehr als doppelt so hoch.

"Wir müssen intensiver mit der Gesundheits- und Tourismuswirtschaft zusammenarbeiten", meinte Neumann. Branchengrößen des Fleischwerkes Edeka Nord GmbH aus Valluhn (Kreis Ludwigslust-Parchim), der Rewe-Group Region Ost und der "Deutsche See" GmbH stellten auf der Tagung ihre Vermarktungskonzepte vor.

Präsentiert wurde auch eine Studie der "Lebensmittelzeitung" (LZ) über Verbrauchervertrauen. Das Ergebnis: Von Lebensmittelskandalen profitieren in Deutschland die bekannten Marken. Von den Herstellern erwartet der Verbraucher demnach vor allem Qualität. Hier sieht Neumann eine Chance für den Nordosten. Die Branche im Land habe zwar ein Export-, aber kein Qualitätsproblem.

Bio-Produkte auf dem Vormarsch

Große Unbekannte sind Produkte aus MV allerdings auch nicht: So gilt die Sanddorn Storchennest GmbH in Ludwigslust beispielsweise als größter Anbieter für die Beeren in Deutschland. Auch die Mecklenburger Fleischwaren GmbH aus Wismar offeriert unter der Marke "Mecklenburger Hubertusglück" ihre Wilderzeugnisse nicht nur im Nordosten. Als Landesmarke hat sich ebenfalls die "Gläserne Molkerei" in Dechow (Nordwestmecklenburg) etabliert. Das Unternehmen stellt Bio-Milchprodukte her und beschäftigt mittlerweile mehr als 80 Mitarbeiter.

Weitere Beispiele für Produkte aus MV: Die Aquakultur der Schwaaner Fischwaren, der Bio-Erzeugerzusammenschluss Fürstenhof (Landkreis Rostock), die Torney Landfleischerei Pripsleben (Mecklenburgische Seenplatte) oder die Ölmühlen GmbH Nord-Ost in Semlow (Vorpommern-Rügen), die kaltgepresstes Rapsöl anbietet. Die Bio Geflügel Mecklenburg GmbH hat sich zusammen mit der Mecklenburger Landpute das Ziel der gläsernen Produktion gesetzt. Enten und Gänse aus bäuerlicher Freilandhaltung vermarktet wiederum der Geflügelhof Oehlert in Zarnewanz bei Rostock. Zu den jüngsten Ansiedlungen gehört die SprayCom GmbH in Wittenburg. Ihr Produkt: sprühgetrocknetes Gummi arabicum für Süßigkeiten, Getränke, Aromen und Arzneimittel.

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