25 Jahre, 25 Köpfe : Zimmer mit Aussicht

Oberbürgermeisterin AngelikaGramkow.
Oberbürgermeisterin AngelikaGramkow.

Oberbürgermeisterin Gramkow will die Buga noch mal nach Schwerin holen

svz.de von
08. September 2015, 12:00 Uhr

Von wegen „Freitag nach eins macht jeder seins“. Schwerins Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow lädt auch um drei zum Gespräch ein, sogar um fünf hat sie noch einen Termin in ihrer zusätzlichen Funktion als Kulturdezernentin. Und sie zeigt dem Gast in ihrem Arbeitszimmer einigermaßen stolz den phänomenalen Ausblick auf das malerische Panorama der Landeshauptstadt samt Schloss, Dom, Schelfkirche und den Seen.

„Vor der Wende habe ich als Lehrerin an der Fachschule für Finanzen Studenten unterrichtet. Die wollten von mir wissen, wie es nun weitergeht. Darauf Antworten zu geben, war schwer. Aber mir war schnell klar, dass ich mich wegen meiner Sozialisierung in der DDR und als politischer Mensch nicht aus der Verantwortung stehlen durfte, sondern zu meiner Überzeugung stehen musste“, erzählt die diplomierte Ökonomin. Sie blieb in der SED, später PDS, heute Die Linke. „Es war gut, dass wir mit allem Für und Wider weitergemacht haben“, resümiert Gramkow. Sie hätte seinerzeit allerdings den sogenannten dritten Weg einer demokratischen DDR und einer kooperativen Konföderation mit der BRD favorisiert.

Gramkow wechselte 1991 in den Schweriner Landtag und avancierte dort zur Haushalts- und Finanzexpertin. Persönliches Markenzeichen der Abgeordneten und späteren Fraktionsvorsitzenden war ihre ausgeprägte Emotionalität. Etwas kokett-verlegen, aber auch amüsiert erinnert sie sich daran, wie eine Boulevardzeitung sie wegen ihrer zahlreichen Zwischenrufe im Parlament als „Krakelika“ bezeichnet hatte. Gramkow: „Ich bin inzwischen etwas ruhiger geworden. Aber ich stehe nach wie vor dazu, dass man Emotionen und damit Wahrheit und Moral zeigen muss.“

Im Landtag hatte Gramkow Politik sowohl aus Oppositions- als auch aus Koalitionssicht erlebt und gestaltet. „Das prägt das Verständnis für tragfähige Kompromisse ungemein“, betont sie. Schwerins Verwaltungschefin gesteht, dass sie sehr gern Finanzministerin geworden wäre. Das hätten aber die politischen Konstellationen nicht ermöglicht. Man habe aber in der rot-roten Koalition Weichen gestellt und eine Menge bewegt, wovon das Land heute noch profitiere, ist Gramkow überzeugt. Es sei ökologischer geworden, die Landwirtschaft habe einen hohen Stellenwert und auch in der Arbeitsmarktpolitik seien wichtige Akzente gesetzt worden. Als sozusagen unerledigt sieht sie Dinge wie die Sportgymnasien, die aus ihrer Sicht in Landesträgerschaft gehören, und das längere gemeinsame Lernen in den Schulen an.

2008 gewann Gramkow für viele unerwartet das Oberbürgermeisteramt. Nun sitzt sie im siebten Jahr in ihrem „Zimmer mit Aussicht“. Als OB hat man übrigens ähnliche Gestaltungsmöglichkeiten wie ein Finanzminister, erklärt Gramkow. Für Schwerin sei angesichts der schwierigen Finanzlage mit dem Innenministerium ein vertretbarer Rahmen abgesteckt worden, die Umsetzung in kommunaler Selbstverwaltung sei aber bewahrt worden. „Das nenne ich friedliche Koexistenz zwischen Stadt und Land“, sagt Gramkow.

Trotz vieler Schwierigkeiten bei der Umsetzung kommunalpolitischer Ziele bescheinigt die Oberbürgermeisterin der Kommune eine gute Entwicklung. Es hat sich nach ihrer Ansicht einiges in Sachen des Zuzugs neuer Einwohner, der Sanierung, Schulen und Kitas sowie bei wirtschaftlichen Investitionen und in der touristischen Ausstrahlung getan. Sie führt das auch auf die sachorientierte, pragmatische Arbeit der Schweriner Verwaltung abseits parteipolitischen Kalküls zurück. Ein guter Grund für sie, zur OB-Wahl 2016 wieder anzutreten.

Nach ihren Wünschen gefragt, wie sich die Landeshauptstadt in zehn Jahren präsentieren sollte, braucht Angelika Gramkow nicht lange nachzudenken: „Bis dahin wird zum zweiten Mal eine Buga stattfinden, die wir zusammen mit dem Umland organisieren. Und vor allem sind wir dann mit über 100 000 Einwohnern wieder Großstadt und halten auch Bildungsangebote universitärer Ausrichtung vor.“ Bevor das realisiert ist, gibt es noch viel zu tun, betont die lese-, sport- und kulturbegeisterte Politikerin.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen