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Archäologie : Zieht Land Geld aus Denkmalschutz?

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Minus bei der öffentlichen Finanzierung der Archäologie: MV ist das einzige Bundesland, in dem die Ausgaben von Bund, Land und Gemeinden für Denkmalschutz und Denkmalpflege geringer sind als die Einnahmen.

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erstellt am 05.Mär.2012 | 08:41 Uhr

Schwerin | Minus bei der öffentlichen Finanzierung der Archäologie: Mecklenburg-Vorpommern ist das einzige Bundesland, in dem die Ausgaben von Bund, Land und Gemeinden für Denkmalschutz und Denkmalpflege geringer sind als die Einnahmen. Während bundesweit 5,80 Euro an öffentlichen Ausgaben für Denkmalschutz und Denkmalpflege fließen, in Sachsen sogar 22 Euro, weist der Kulturfinanzbericht 2010 in MV ein Minus von 28 Cent aus. Das heißt, das Land gibt weniger aus, als es einnimmt.

Dabei gäbe es in dem Bereich viel zu tun. Der ehemalige Kultusminister Henry Tesch (CDU) hatte bei der Eröffnung der Ausstellung "Pipeline - Archäologie. Ausgrabungen auf den großen Erdgas trassen in Mecklenburg-Vorpommern" im vergangenen Sommer im Güstrower Schloss einschneidende positive Veränderungen für die Landesarchäologie angekündigt. "Wenn man 2006 ins Amt kommt, wundert man sich schon, was vorher alles nicht passiert ist", sagte der Minister damals. Inzwischen ist die Ausstellung in Güstrow geschlossen. Der Wachdienst konnte nicht mehr bezahlt werden.

Schon in den Jahren zuvor war die unzureichende Finanzierung der Bodendenkmalpflege in den politischen Fokus geraten. 2009 sorgte der Zerfall zweier 7000 Jahre alter Einbäume bundesweit für Aufsehen und Schlagzeilen. Angesichts der 2002 bis 2004 in Schwerin verrotteten Steinzeit-Boote warf der Vorsitzende des Verbandes der Landesarchäologen in der Bundesrepublik, Jürgen Kunow, dem Schweriner Finanzministerium eine Schuld an der Zerstörung vor. Das Ministerium habe zugesagt, Räume für die Konservierung bereitzustellen, so Kunow. Daraufhin hätten sich die zuständigen Archäologen entschieden, die Einbäume in Schwerin zu konservieren. Die Räume seien aber nie bereitgestellt worden.

"Dieser Bereich ist straflässig unterfinanziert", kritisiert Johannes Saalfeld von den Bündnisgrünen im Landtag. In der Lesart seiner Fraktion hat das Land bei gleichbleibenden Einnahmen sogar Geld aus dem Denkmalschutz gezogen. Das bestätigt das Ministerium grundsätzlich sogar selbst: "Das für 2010 im Kulturfinanzbericht 2010 errechnete Minus bedeutet: Die aus allgemeinen Haushaltsmitteln zu finanzierenden Ausgaben für Denkmalpflege waren geringer als die Einnahmen", so eine Sprecherin.

Saalfeld: "Kultusminister Mathias Brodkorb (SPD) vergleicht das Land bei Kultur- und Theaterausgaben doch so gerne mit anderen Flächenländern. Das sollte er beim Denkmalschutz auch tun. Da gibt es manches zu erklären." Außer MV wendet nur noch Bremen (0,62 Euro), Hessen (1,82), Niedersachsen (1,83) und das Saarland (1,98 Euro) weniger als zwei Euro je Einwohner auf. Das Kultusministerium gibt jedoch zu bedenken: "Welche Daten im einzelnen Grundlage des Kulturfinanzberichtes und in welcher Weise die Daten miteinander verknüpft worden sind, geht aus dem Kulturfinanzbericht nicht hervor. Dies gilt auch für die im Kulturfinanzbericht verwendeten Ausgaben für Denkmalpflege seit 2005 jährlich." Im Haushalt des Bildungsministeriums stehen jährlich 4,6 Millionen Euro für die Denkmalpflege zur Verfügung. Hinzu kämen noch die Städtebauförderung.

Konzeptlosigkeit werfen die Bündnisgrünen dem Kultusministerium auch in der Personalplanung vor. So es sei laut Johannes Saalfeld nur noch eine Frage der Zeit, dass das Landesamt für Bodendenkmalpflege auch personell völlig ausgeblutet sei. Deshalb fordern die Bündnisgrünen auf der nächsten Landtagssitzung per Antrag, das Landesamt finanziell und personell so auszustatten, dass es seinen "Aufgaben bei der Erhaltung, Lagerung und Restaurierung von Fundstücken vollumfänglich nachgehen kann".

Das Landesamt für Bodendenkmalpflege zählt derzeit mit 24 Mitarbeiter. Ein 2009 ausgeschiedener Wissenschaftler wurde nicht ersetzt. Drei Stellen laufen in den nächsten drei Jahren aus - ein Aderlass von einem Sechstel. Hier zeichne sich eine prekäre Situation ab, so Saalfeld. Der Abgeordnete fordert: "Die archäologischen Schätze des Landes, wie etwa das bronzezeitliche Schlachtfeld im Tollensetal, haben ebenso große überregionale Beachtung verdient wie Funde aus anderen Bundesländern." Dafür müsse man jedoch auch das Geld wie in anderen Bundesländern zur Verfügung stellen.

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