Mordprozess um Leonie : Zeugen erlebten Stiefvater als „aggressiv“

Eine Sechsjährige stirbt in der Wohnung von Mutter und Stiefvater. Die vielen Verletzungen führen zu einer Mordanklage gegen den Stiefvater.

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01. November 2019, 15:26 Uhr

Im Mordprozess um den Tod der sechsjährigen Leonie aus Torgelow (Vorpommern-Greifswald) haben Zeugen den Angeklagten als „gewaltbereit“ und „aggressiv“ beschrieben. Diese Meinung vertraten am Freitag am Landgericht Neubrandenburg der 26-jährige Verlobte der Schwester des Angeklagten sowie Richter Gerald Fleckenstein aus Pasewalk, der im Januar den ersten Haftbefehl gegen den Stiefvater nach dessen Vernehmung vollziehen ließ. „Ich habe ihn als überaus latent aggressiv eingeschätzt“, sagte der Richter. Die Aussagen des Mannes seien damals nicht schlüssig gewesen. „Ein Kind, dass die Treppen herunterfällt, muss man einem Arzt vorstellen.“

Der 26-jährige Verlobte berichtete, dass er aus nichtigem Anlass heraus bedroht worden sei. „Wir hatten zusammen grillen wollen, aber die Andere sind schon laut streitend auf den Hof gefahren“, sagte der Zeuge in Bezug auf den Angeklagten und dessen Familie.

Vermutlich sei es um Eifersucht gegangen, wie öfter. Als er Leonies Stiefvater damals Mitte 2018 aufforderte, ruhig zu sein, habe dieser ihn bedroht. Daraufhin habe er sich in die Werkstatt zurückgezogen. Der Stiefvater, Leonie, ihr Bruder und die Mutter seien sofort wieder abgefahren. Alle Kinder hätten geheult.

Der Prozess wird am Montag fortgesetzt

Leonie war am 12. Januar tot und mit einer Vielzahl Verletzungen, die von schweren Misshandlungen herrühren sollen, in der Wohnung der Familie in Torgelow gefunden worden. Dem 28-Jährigen wird Mord durch Unterlassen und Misshandlung von Schutzbefohlenen vorgeworfen. Er soll das Mädchen laut Anklage so misshandelt haben, dass es infolge der Verletzungen starb, und absichtlich zu spät Hilfe geholt haben. Der Stiefvater, der auch den Bruder schwer misshandelt haben soll, schweigt bisher vor Gericht.

Bisher hatte er angegeben, dass Leonie eine Treppe im Hausflur hinabgestürzt sein soll. Das bezweifeln Ermittler und Mediziner. Der Prozess wird an diesem Montag fortgesetzt, dann sollen weitere Bekannte und Angehörige des Angeklagten gehört werden. Für den 7. November sind erste Anhörungen von rechtsmedizinischen Gutachtern geplant.

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