Camping in MV : Zelt und Dosenravioli waren gestern

Mindestens einmal im Jahr residieren Doris und Friedhelm Goldmeier in dem Feriencamp Börgerende.
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Mindestens einmal im Jahr residieren Doris und Friedhelm Goldmeier in dem Feriencamp Börgerende.

Die Camper von heute mögen es luxuriös. Auf dem beliebtesten Campingplatz Mecklenburg-Vorpommerns in Börgerende bekommen sie Fünf-Sterne-Urlaub.

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27. Mai 2017, 07:00 Uhr

Friedhelm Goldmeier ist zufrieden: Das Vorzelt seines Wohnmobils sitzt perfekt. Dazu gibt es blauen Himmel und strahlenden Sonnenschein. „Meine Frau habe ich auch dabei. Besser kann ein Tag nicht anfangen.“ Friedhelm Goldmeier und Gattin Doris sind eingefleischte Camper. 2013 entdeckten sie in Mecklenburg-Vorpommern ein „schickes Plätzchen“. Dass Fünf-Sterne-Urlaub und Campen zusammenpassen, zeigt der Campingplatz Börgerende bei Rostock, in dem Service und Sauberkeit groß geschrieben werden. Nicht zuletzt deshalb landete das Ostsee-Ferien-Camp laut dem Online-Portal camping.info zuletzt im Deutschland-Ranking auf Platz fünf und im Europa-Vergleich auf Platz zehn. „Die deutschen Standards sind generell sehr gut, aber die Top-Campingplätze haben von allem etwas mehr“, weiß Sophie Dufke vom Verband für Camping- und Wohnmobiltourismus in Mecklenburg-Vorpommern (VCWMV). Zelt und Dosenravioli gehörten schon lange der Vergangenheit an. „Camper schätzen zum einen die Naturnähe und zum anderen, dass sie nicht auf Luxus verzichten müssen“, sagt Dufke.

In MV gibt es derzeit rund 190 Campingplätze, vornehmlich an der Ostseeküste und der Mecklenburgischen Seenplatte. Die meisten Gäste kämen nach Angaben des VCWMV aus Deutschland, Skandinavien, den Niederlanden und der Schweiz. „Wir hoffen, von der neuen Flugverbindung zwischen Rostock–Laage und Zürich profitieren zu können. Das Potenzial haben wir erkannt“, so Dufke. Schließlich habe MV einiges zu bieten: Von kleinen einfachen Stellplätzen mit Sanitärbereich und Stromanschluss bis hin zu exquisiten Anlagen mit Einkaufsmöglichkeiten und Freizeitangeboten.

 
„Campingurlaube liegen absolut im Trend“

Beim Camping in der Natur die Seele baumeln lassen – noch nie war diese Urlaubsform in Deutschland so gefragt wie heute. Vor allem mit Beginn der warmen Jahreszeit zieht es die Menschen für ein paar Tage auf einen der 3000 Campingplätze in Deutschland. Aber auch von kühlem Regenwetter lassen sich Camper kaum noch abschrecken, schließlich besitzen immer mehr ein komfortables Wohnmobil oder residieren im Luxus-Wohnwagen – und sind damit für alle Wetterkapriolen gerüstet.

Auch deshalb bleibt die Branche nach mehreren Rekordjahren in Folge für 2017 optimistisch, wie der Präsident des Bundesverbandes der Campingwirtschaft in Deutschland, Gunter Riechey, sagt. Die zahlungskräftige Kundschaft mit Caravans und Reisemobilen macht rund 80 Prozent der Gäste aus – und das, obwohl diese Urlaubsform inklusive Anschaffungskosten und Platzmiete nicht gerade als günstig gilt.

30,4 Millionen Übernachtungen und neun Millionen Gästeankünfte registrierte der Bundesverband 2016. Beliebtestes Ziel ist Bayern mit 5,2 Millionen Übernachtungen auf Campingplätzen, gefolgt von Mecklenburg-Vorpommern mit knapp fünf Millionen Übernachtungen. Brandenburg landet mit 1,1 Millionen Übernachtungen auf Rang acht. Getragen wird der Boom vor allem von inländischen Gästen, sagt Erwin Oberascher, Geschäftsführer des Internetportals camping.info: „Campingurlaube liegen absolut im Trend.“ Die Zugriffe auf das Portal hätten in den ersten vier Monaten im Jahresvergleich um 15 Prozent zugelegt. Immer häufiger komme es vor, dass Campingplätze auch außerhalb der Saison ausgebucht seien. „In manchen Regionen gilt Pfingsten bereits als Hauptsaison, davon hätte vor zehn Jahren niemand zu träumen gewagt“, sagt Oberascher. Vielleicht auch, weil die deutschen Campingplätze europaweit noch immer zu den preiswertesten zählen. Der Durchschnittspreis liegt bei 23,09 Euro, maximal zahlen die Camper 45,47 Euro. Am günstigsten ist eine Campingübernachtung in Albanien mit 13,41 Euro, am teuersten in der Schweiz mit 36,16 Euro.

 

Die „Extras“ sorgen auch in Börgerende für die Sterne. Im Jahr 2000 hat der Bundesverband der Campingwirtschaft in Deutschland in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Tourismusverband einen Kriterienkatalog entwickelt, nach dem Campingplätze klassifiziert werden können. Die Standards werden je nach Gästeanforderungen regelmäßig angepasst. Eine Vergabe von bis zu fünf Sternen, also dem Siegel „exklusiv“, ist möglich. Wer seine Sterne behalten möchte, muss sich im Drei-Jahres-Rhythmus Kontrollen unterziehen. Bewertet werden drei Kategorien: Rezeption und Service, der Sanitärbereich sowie die Standplätze. Gibt es vor Ort beispielsweise einen großzügigen Empfang mit Sitzgelegenheiten, am Campingplatzeingang eine Schrankenanlage und auf dem Gelände eine Nachtwache, die mindestens zwei Kontrollgänge durchführt, bekommt ein Ferien-Camp dafür fünf Punkte.

Seit 24 Jahren ist Christa Sürken die Chefin der Ostsee-Anlage. Besonderen Wert legt sie auf die Sauberkeit.
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Seit 24 Jahren ist Christa Sürken die Chefin der Ostsee-Anlage. Besonderen Wert legt sie auf die Sauberkeit.
 

Für Christa Sürken steht die Sauberkeit an erster Stelle. Das Herzstück ihrer Anlage sei der Sanitärbereich. „Jeder Gast, der kommt, schaut zuerst dahin“, erklärt sie. Großraumduschen sind passé, stattdessen setzt Sürken auf Einzelkabinen, auf Wandbilder über den Toiletten und auf Spiegel – im ganzen Raum, dazu Föhne. „Auch beim Campen möchte man schön sein“, weiß Sürken. „Im Sanitärbereich gibt es zusätzlich ein Babybad, ein Behinderten-WC und die Möglichkeit, sein Geschirr abzuwaschen“, zählt die Geschäftsfrau auf. Ergänzt wird das Angebot durch einen Waschmaschinen- und Trocknerraum, eine Bügelstation und eine Hundedusche. „Viele Camper sind Hundebesitzer. Sie sollen die Möglichkeit haben, ihre Lieblinge mitzunehmen. Allerdings gibt es auf dem Campingplatz eine Anleinpflicht“, erklärt die Chefin, während sie über den frisch gemähten Rasen schreitet und hier und da die Gäste begrüßt. „Am Wochenende sind wir ausgebucht.“ Sie zeigt auf die noch leeren Flächen. „Dann ist hier alles voll.“ Rund 110 Quadratmeter hat jeder Camper zur Verfügung. Insgesamt gibt es 250 Stellplätze. „Die meisten wollen dort stehen, wo sie schon einmal gestanden haben. Der Mensch ist eben ein Gewohnheitstier.“ Sie zuckt mit den Schultern.

Das Gros der Gäste reise mit Wohnmobil an, die wenigsten kommen mit Fahrrad und Zelt. „Beim Wohnmobil hat man einfach alles dabei. Man kommt von zu Hause weg und ist trotzdem irgendwie zu Hause“, sagt Sürken. In der Hauptsaison tummeln sich vor allem Familien auf der Anlage, in der Nebensaison sind es Rentner, Paare oder Alleinreisende. „Wir öffnen immer an Ostern, spätestens am 1. April, und schließen zum 1. November.“ Während das Camp unbewohnt ist, werden alle Bereiche renoviert und gegebenenfalls durch weitere Attraktionen ergänzt. So bietet das Camp inzwischen einen Shop, ein Restaurant, einen Indoor- und einen Outdoor-Spielplatz, einen Sportplatz sowie einen Sauna- und Wellness-Bereich. Auch Wlan ist auf dem gesamten Platz verfügbar – obwohl die Anlage mit dem Slogan „Ruhe und Erholung“ beworben wird. „Die Gäste wollen Wlan, also bekommen sie Wlan. Wir müssen da mit der Zeit gehen. Verfügbares Internet ist zum Buchungskriterium geworden“, weiß Sürken, die seit 24 Jahren in Börgerende den Hut aufhat. Für Ruhe sorgt sie, indem sie Partys verbietet. Nur mittwochs in der Hauptsaison wird zum Tanzabend geladen. „22 Uhr ist Sperrstunde.“ Darauf besteht sie. Die Gäste kommen trotzdem. „Wegen des schönen Ambientes und der Nähe zum Meer“, begründet Friedhelm Goldmeier. „Und der Sauberkeit des Platzes“, ergänzt seine Frau Doris. Die beiden sind immer gern mit dem Camper gereist, auch damals, als die Kinder noch klein waren. „Als unsere Mädchen ihre Freunde mitbrachten und meine Frau zur zentralen Küche wurde, haben wir das Wohnmobil verkauft.“ Mit Eintritt ins Rentenalter hat das Paar – „getrieben von der großen Freiheit“ – die Urlaubsform wiederentdeckt. „Wir haben bei einer Rundtour an der Küste den Platz in Börgerende entdeckt und sofort Urlaub gebucht“, erinnert sich Friedhelm Goldmeier. „Wir können drei Wochen bleiben, ohne uns zu ärgern. Der Menschenschlag, diese natürliche Liebenswürdigkeit sind wunderbar.“ Seit vier Jahren kommen die Westfalen mindestens einmal in das Ostsee-Camp. „Wir waren schon mal am 1. April da und die einzigen“ – eine Anekdote, die das Paar gern erzählt, bevor es nachschaut, „ob das Meer noch da ist“.

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