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Mecklenburg-Vorpommern

22. November 2017 | 23:31 Uhr

Zelle mit eigener Terrasse

vom

svz.de von
erstellt am 29.Apr.2013 | 07:41 Uhr

Bützow | Die schwarzen schweren Gitter vor dem Fenster sind das Einzige, was auf den ersten Blick stört. Sonst erinnert die etwa 25 Quadratmeter große Unterkunft mit Bad und schmaler Küchenzeile an ein einfaches Ferienappartement irgendwo in Südeuropa. An der Wand sind Anschlüsse für Fernseher und Telefon.

Wer eine Unterkunft in der unteren Etage des dunkelroten Gebäudes besitzt, hat eine eigene Terrasse und eine Terrassentür aus Sicherheitsglas, das sich nicht einschlagen lässt. "Denn nachts ist natürlich Einschluss", erklärt Jens Kötz, Sprecher der Justizvollzugsanstalt Bützow.

Fünf der zwanzig Wohnungen sind behindertengerecht. "Alles andere ist hier barrierefrei", sagt Kötz weiter. Man ist darauf eingerichtet, dass die Gäste möglicherweise bis ins hohe Alter bleiben werden.

Gebaut wurde der neue Komplex in unmittelbarer Nachbarschaft zur Justizvollzugsanstalt Bützow für Vergewaltiger und andere gefährliche Gewaltverbrecher, die ihre langjährigen Haftstrafen bereits abgesessen haben. Um die Bevölkerung vor den meist schwer gestörten Verbrechern zu schützen, gibt es die Möglichkeit der anschließenden Sicherungsverwahrung. Acht dieser Sicherungsverwahrten gibt es derzeit in Mecklenburg-Vorpommern. Bis zu ihrem Umzug in die neuen Bützower Unterkünfte sind sie noch in der Vollzugsanstalt Waldeck bei Rostock untergebracht.

Da dies aber keine Strafe im eigentlichen Sinne mehr ist, sieht ein Gesetz, das in der vergangenen Woche im Landtag beschlossen wurde, eine räumliche, organisatorische und konzeptionelle Trennung von der normalen Haft vor. Ähnliche gesetzliche Regelungen hatte das Bundesverfassungsgericht von allen Bundesländern verlangt, als es vor zwei Jahren eine bessere Behandlung für die Sicherungsverwahrten in Deutschland forderte.

Für Mecklenburg-Vorpommern bedeutete dies zunächst eine neue Anstalt für elf Millionen Euro. "Wir rechnen mit 20 Sicherungsverwahrten ab 2020", schätzt Tilo Stolpe, Sprecher im Schweriner Justizministerium. Für ihre therapeutische Betreuung werden drei Psychologen eingestellt. Außerdem kümmern sich zwei Sozialpädagogen und 17 Vollzugsbedienstete um die künftigen Bewohner.

Viele der Sicherungsverwahrten haben nicht nur mehrere Haftstrafen abgesessen, sondern sich auch Therapien hartnäckig verweigert. Darum rechnet Jens Kötz trotz des erhöhten therapeutischen Aufwands nicht mit schnellen Erfolgen.

Viel hänge auch von der Atmosphäre ab. So befindet sich eine Sportanlage auf dem Gelände mit einem Fußballplatz und Tischtennisplatten im Aufbau. Jeder Insasse bekommt zudem die Möglichkeit, sich einen kleinen Garten anzulegen. "Größtmögliche Freiheit nach innen - größtmögliche Sicherheit nach außen", beschreibt Kötz das Konzept.

Für Frauen ist diese Anlage nicht gedacht. Bislang wurde in Mecklenburg-Vorpommern nur bei Männern Sicherungsverwahrung angeordnet. Sollte sich dies ändern müssten andere Länder um Amtshilfe gebeten werden.

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