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Mecklenburg-Vorpommern

12. Dezember 2017 | 22:39 Uhr

Valentinstag : Zelebrieren oder ignorieren?

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Heute ist Valentinstag, in zwei Wochen „Tag der Krokette“. An fast jedem Tag des Jahres kann man irgendetwas feiern.

Gerade haben wir gekuschelt und unsere Jogginghose gefeiert, da steht für den Sonntag der Tag des Verliebtseins auf dem Plan. Der Valentinstag gilt weltweit als Tag der Liebenden. Um seine Ursprünge ranken sich mehrere Legenden. Heute überraschen sich Verliebte mit Aufmerksamkeiten. So werden in Deutschland an keinem anderen Tag mehr Blumen verschenkt. Aber nicht nur. Längst haben sich auch andere Geschenke hervorgetan. Ein gutes Essen, Parfüm, eine CD, Süßes, ein Buch oder eine Reise.

Kein Wunder, dass immer mehr Unternehmen und vor allem auch Verbände das PR-Instrument des „Welt-Tages“ bei ihren Marketingstrategien einsetzen. Er soll medienwirksam Akzente setzen, um das Interesse an einer Branche oder dem eigenen Produkt anzukurbeln.

Die Liste solcher Gedenk- und Feiertage wird immer länger und meist ist die Faktenlage zu den Ursprüngen dieser Tage eher dünn. Gedenktage kann eigentlich jeder ausrufen – ob sie dann entsprechend gewürdigt werden, ist eine Frage der Werbung.

So rief etwa der Europäische Windenergie-Verband EWEA schon vor Jahren den „Weltwindtag“ aus. Der in den USA auf den 14. Januar fallende „Zieh-Dein-Haustier-an-Tag“ – bei dem Tiere in lustige Kleidung gesteckt werden – gilt ebenfalls als Branchen-Erfindung. Vom „Vanilleeis-Tag“ bis hin zum „Tu-nichts-Tag“ reicht die Liste der mitunter skurrilen Aktionstage.

„Das ist ein dankbares Thema für die sozialen Medien“, sagt Sandra Schwarz von der Hamburger Werbeagentur Scholz & Friends. Sie verweist auf den „Welt-Jogginghosen-Tag“, bei dem sich am 21. Januar viele Unternehmen ins Gespräch bringen. „Der wirtschaftliche Nutzen dürfte dabei allerdings fraglich sein“, meint Schwarz. Sie verweist zudem auf das Problem, dass es an jedem Tag des Jahres mittlerweile etwas zu feiern, würdigen oder gedenken gibt.

„Das ist nichts anderes als eine Verkaufsförderungs-Aktion“, meint auch der Trendforscher Thomas Kirschmeier vom Rheingold-Institut in Köln. Solche PR-Aktionen habe es schon früher gegeben, wenn auch nicht in der Dichte.

Der Blumenversandhändler Fleurop bestätigt den verkaufsfördernden Einfluss solcher Daten. „Wir haben diese Tage aber nicht selbst gesetzt, sondern nur besetzt“, sagt Sprecherin Melanie Schindler. „Unserer Erfahrung nach ist es sehr schwer, selbst ernannte Anlasstage durchzusetzen, da der heutige Kunde sehr traditionsbewusst und aufgeklärt ist“, sagt sie. „Initiierte Anlässe ohne eine historisch verwurzelte oder emotionalisierbare Geschichte werden daher schnell als verkaufsfördernd identifiziert und eher kritisch aufgenommen.“

Für die einen ist es der Tag der Liebenden der Höhepunkt im romantischen Jahreskalender, für die anderen ein nerviges Marketingevent der Blumen- und Schokoladenindustrie. Süßes gibt es schon am 19. Februar mit dem „Tag der Minzschokolade“ wieder zu feiern, am 28. 2. wird es mit „Welttag der Krokette“ etwas deftiger, und Blumen kann man schließlich am 8. März schon wieder verschenken.

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