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Geocaching : Zeitungs-Ente Paula reist um die Welt

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Wie eine Idee in unserer Redaktion eine Schnitzeljagd auslöste

von
erstellt am 14.Aug.2014 | 12:00 Uhr

6652 – so viele Kilometer hat Paula zurückgelegt, seit sie Anfang dieses Jahres die Prignitz verlassen hat, um die Welt zu erkunden. In vier Ländern war sie bereits. Doch Paulas Reise ist keine gewöhnliche. Ständig ist sie auf die Hilfe anderer angewiesen, um von einem Ort zum nächsten zu gelangen. Paula ist eine Plüschente unserer Zeitung.

Es war im vergangenen Jahr, als die Redaktion des „Prignitzer“, der Schwester-Zeitung der SVZ aus dem medienhaus:nord im Land Brandenburg, ihr 120-jähriges Bestehen beging. Die Feier war gefeiert, das Knallen der Sektkorken verhallt, aber eine Aktion zum Abschluss des Jubiläums fehlte noch.

Und dann hatte die Redaktion in Wittenberge eine Idee. Die kleine Zeitungs-Ente, die seit Jahren traurig auf einem Rechner in der Redaktion saß und nach draußen blickte. Das sollte sich nun ändern. Die Redaktion beschloss, dass ihr Maskottchen lange genug sein Dasein im Büro gefristet hatte. Die Ente sollte nun per Geocaching auf eine Weltreise gehen.

Geocaching, dass ist die moderne Art der Schatzsuche beziehungsweise der Schnitzeljagd. Die Grundregeln sind ganz einfach: Weltweit verstecken Menschen irgendwo Kästchen voll mit kleineren und größeren Schätzen, deren Koordinaten sie im Internet, zum Beispiel auf www.geocaching.de veröffentlichen. Mit einem GPS-Gerät, ähnlich dem Navigationsgerät beim Auto, begeben sich andere wiederum auf die Suche nach diesen „Kostbarkeiten“. Wer etwas aus einem Cache entnimmt, muss etwas im gleichen Wert hineintun – so sieht es die Geocaching-Etikette vor. So weit, so gut.

Doch Paula ist kein gewöhnlicher Schatz. Sie ist ein sogenannter „Trackable“ also ein „Reisender Gast“. Wer sie findet, kann sie mitnehmen und irgendwo in einem anderen Cache verstecken. Das kann ganz in der Nähe sein oder auch auf fernen Kontinenten. Wo die Reise hinführt, ist jedoch immer ungewiss.

Am 31. Dezember vergangenen Jahres versteckten die Redakteure die Zeitungsente in einem Torbogen ihrer Redaktions-Einfahrt und veröffentlichten die Koordinaten im „Prignitzer“. „Vorher befestigten wir noch eine Metallplakette an Paulas Fuß. Darauf ist eine Identifikationsnummer eingestanzt, die der Finder im Internet zusammen mit ihrem neuen Aufenthaltsort einloggen kann“, erklärt Redakteur Lars Reinhold.

Es ging alles ganz schnell. Bereits am zweiten Tag fand eine Geocacher-Gruppe aus Perleberg die Ente, nahm sie mit und versteckte sie in der Nähe der Kreisstadt. Doch dann geriet die Reise bereits ins Stocken. Am 27. Januar hatte Paula erst 20 Kilometer zurückgelegt und den Kreis noch nicht einmal verlassen. „Wir dachten schon, die Idee von Paulas Reise würde nicht aufgehen“, so Reinhold.

Im Februar fand „Adlerauge 4+1“, seinen richtigen Namen wollte der Cacher nicht verraten, Paula in ihrem Versteck und nahm sie mit nach Walchsee in Österreich. Die 2000-Seelen-Gemeinde liegt an einem See in der Nähe der deutschen Grenze. Paula besuchte Schloss Neuschwanstein, reiste dann nach Brno in Tschechien und 1700 Kilometer nach Norwegen, ihre längste Strecke. 23 Bilder schickten die Reisebegleiter bislang.

Die Nachricht einer Dortmunder Familie, die uns jüngst erreichte, gab Auskunft über den derzeitigen Aufenthalt der Zeitungsente: „Paula hat uns bei einem Geocachertreffen gebeten, sie mitzunehmen. Ganz einsam lag sie dort auf einem Tisch und wartete auf uns.“ – Aufatmen. „Paula hat uns auf vielen tollen Unternehmungen begleitet, und wir haben ihr Dortmund gezeigt“, schreiben Stephanie, Tim und Harald Schubert weiter. Und was hat Paula in letzter Zeit so erlebt? „Sicher denkt Ihr, hier in Dortmund, mitten im Ruhrgebiet, gibt es viel Industrie und wenig Grün. Stimmt aber gar nicht. Paula fühlt sich bei uns richtig wohl.“ Wohin die Reise dann geht? Wer weiß? Im Moment soll Paula auf dem Weg nach Holland sein.

Was ist Geocaching?

Beim Geocaching geht es um das Verstecken und Suchen kleiner Schätze. Diese werden Geocaches genannt und  mit GPS-Geräten durch Satellitennavigation anhand ihrer geografischen Koordinaten gefunden. Manche Caches beinhalten nur ein Logbuch, in das sich der Finder eintragen kann, andere enthalten kleine Gegenstände zum Tauschen, manche Caches sind leicht zu finden, für andere benötigt man eine Kletter- oder eine Tauchausrüstung.

Eine Besonderheit sind sogenannte Trackables, zu denen auch unsere Zeitungsente Paula gehört. Diese sollen  von den Geocachern mitgenommen und an einem anderen Standort deponiert werden. So legen sie mitunter beachtliche Entfernungen zurück.  Die Reiseroute von Paula lässt sich auf der Internetseite www.geocaching.com verfolgen. Dazu einfach die Seite aufrufen, im Menüpunkt „Spielen“ den Unterpunkt „Trackables verwalten“ anklicken und  in der ersten Suchzeile  den Code TB5HKFE eingeben. Auf der sich dann öffnenden Seite erscheinen die Kommentare der Finder von Paula sowie Fotos zu ihrem aktuellen Aufenthaltsort.

Der erste Geocache

Geocaching gibt es offiziell seit dem 3. Mai 2000. Damals vergrub ein US-Amerikaner aus Spaß einen schwarzen Plastikeimer in einem Wald bei Portland im Bundesstaat Oregon. Darin versteckte er ein Büchlein, einen Stift und Videos. Im Internet veröffentlichte er nach Angaben des Geocache-Verzeichnisses geocaching.com die Koordination des Verstecks: „N 45° 17.460 W 122° 24.800“. Innerhalb von drei Tagen lasen demnach zwei Menschen von dem Experiment, machten sich auf die Suche und schrieben online über ihre Erfahrungen.

So begann ein weltweites Phänomen. Der erste Cache in Deutschland soll im Oktober 2000 bei Königs Wusterhausen südlich von Berlin versteckt worden sein.

 

 

 

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