Umfrage : Zeitumstellung aus Zeit gefallen

 Karikatur: Harm bengen
Karikatur: Harm bengen

Am Sonntag werden wieder die Uhren vorgestellt: Was Politiker, Umweltexperten und Mediziner dazu sagen

svz.de von
27. März 2014, 20:55 Uhr

In der Nacht zum Sonntag ist es wieder soweit: Die Sommerzeit beginnt. Die Uhren werden um zwei Uhr in der Früh eine Stunde auf drei Uhr vorgestellt. Ist das eigentlich noch zeitgemäß? Wer profitiert überhaupt von der Zeitumstellung?

Bürger haben inzwischen 50 000 Unterschriften für die „Beibehaltung der Normalzeit“ gesammelt und wollen diese im April an den Petitionsausschuss des Bundestages übergeben.

Die Sommerzeit abschaffen?

Ja: Die Zeitumstellung ist nicht mehr zeitgemäß.
389 Stimmen
88,8%
Nein: Alles soll so bleiben wie bisher.
49 Stimmen
11,2%
 

Ein Vorstoß, der in der Politik durchaus auf Wohlwollen trifft: Es nerve sie, jedes halbe Jahr die Uhr vor- oder nachzustellen. Viele Menschen litten dann schließlich unter einem „Mini-Jetlag“, fordert Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) die Abschaffung des Wechsels zwischen Sommer- und Winterzeit. Die Unternehmen würden durch die Umstellung keine Kosten sparen.

„Die Zeitumstellung ist im wahrsten Sinne des Wortes aus der Zeit gefallen“, erklärte FDP-Generalsekretärin Nicola Beer gestern im Gespräch mit unserer Berliner Redaktion. „Einen Nutzen für die Umwelt gibt es nicht mehr. Dafür haben Menschen Schwierigkeiten bei der Umstellung, und Unternehmen entsteht ein unnötiger Aufwand.“ Die Zeitumstellung könne daher getrost abgeschafft werden, „was jedoch auf europäischer Ebene abgestimmt werden muss“.

Das Umstellen der Uhren – unnötiger Aufwand für die Unternehmen, schlecht für die Gesundheit und ohne erkennbaren Nutzen für die Umwelt? Das Umweltbundesamt (UBA) sieht keine Gründe für ein Festhalten am Wechsel zwischen Winter- und Sommerzeit. „Die Zeitumstellung spart im Saldo keine Energie“, erklärte UBA-Vizepräsident Thomas Holzmann gestern im Gespräch mit unserer Berliner Redaktion. „Durch das Vor- und Zurückstellen der Uhren knipsen wir im Sommer abends weniger häufig das Licht an. Allerdings heizen wir im Frühjahr und im Herbst in den Morgenstunden auch mehr. Das hebt sich gegenseitig auf.“ Ob die Zeitumstellung abgeschafft werde, müssten jedoch die Abgeordneten in Bundestag und Bundesrat entscheiden. „Das Umweltbundesamt gibt nur seinen fachlichen Rat“, so Holzmann. Der Umweltexperte verwies jedoch darauf, dass bei einem Verzicht auf die Umstellung der menschliche „Schlaf-Wach-Rhythmus“ entlastet werde: „Bei vielen Menschen macht sich die verlorene Stunde ja durchaus durch Müdigkeit bemerkbar.“

Weg mit dem Vor- und Zurückstellen der Uhren in Frühjahr und Herbst? „Wir beobachten bereits seit Jahren, dass einige Menschen gesundheitliche Probleme nach der Zeitumstellung haben. Vor allem Frauen scheinen betroffen zu sein“, erläutert Peter Rowohlt, Krankenhaus-Experte der Krankenkasse DAK, gestern. In den drei Tagen nach der Zeitumstellung sei seit 2006 eine auffällige Häufung der „Herzinfarkteinweisungen“ in Krankenhäuser zu beobachten.

„Natürlich liegen bei den Betroffenen meist schon andere Risikofaktoren vor, wie Rauchen, Übergewicht oder Bewegungsmangel“, so Rowohlt weiter. Umfragen würden deutlich zeigen, „dass einige Menschen gesundheitliche Probleme mit der Zeitumstellung vor allem zur Sommerzeit haben.“

Wie geht es in Zukunft weiter mit dem Umstellen der Uhren? Die Debatte ist eröffnet.

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