Zeit der sinkenden Arbeitslosenzahlen ist vorbei

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03. Januar 2013, 06:43 Uhr

Greifswald/Schwerin | Die Zeiten stetig sinkender Erwerbslosenzahlen sind in MV vorerst vorbei. "Für 2013 geht unser Forschungsinstitut davon aus, dass sich in Mecklenburg-Vorpommern die Zahl der Arbeitslosen leicht erhöhen wird, im Jahresdurchschnitt um zwei Prozent auf 104 000", sagte die Chefin der Landesarbeitsagentur Margit Haupt-Koopmann, gestern in Greifswald. Der Prognose liege ein angenommenes Wirtschaftswachstum von 0,8 Prozent zugrunde.

Im Dezember kletterte die Zahl der Arbeitslosen im Land wieder über die Marke von 100 000. Am Jahresende waren 101 300 Menschen auf der Suche nach einem Job, 6300 mehr als im November. Die Erwerbslosenquote stieg von 11,2 auf 12 Prozent - das ist der letzte Platz im Vergleich der Bundesländer. Der deutliche Anstieg im Vergleich zum Vormonat sei im Wintermonat Dezember saisonal typisch, hieß es. Er fiel stärker aus als 2011.

Insgesamt zeige sich der Arbeitsmarkt in MV aber nach wie vor robust. Im Vergleich zum Dezember 2011 seien jetzt 3300 Menschen weniger arbeitslos. Die niedrigste Quote hatte im Dezember der Landkreis Ludwigslust-Parchim mit 8,7 Prozent, die höchste Vorpommern-Rügen mit 15,1 Prozent. Im vergangenen Jahr waren in MV im Schnitt 101 900 Frauen und Männer erwerbslos - ein Quote von 12 Prozent. Seit Einführung der Hartz-IV-Reform 2005 sind die Erwerbslosenzahlen in MV immer weiter gesunken. 2005 waren im Jahresdurchschnitt 180 400 Menschen (22,1 Prozent) betroffen.

Die Landesvorsitzende der Linken in MV, Heindrun Bluhm, kritisiert indes die offizielle Zählweise und wirft der Landesregierung Schönrechnerei vor. "Arbeitslose, die krank sind, einen Ein-Euro-Job haben oder an Weiterbildungen teilnehmen, werden bereits seit längerem nicht mehr arbeitslos gezählt", so Bluhm. Tatsächlich sei deshalb von einer Arbeitslosenzahl von 135 000 in Mecklenburg-Vorpommern auszugehen.

Für die Chefin der Regionaldirektion Nord, Haupt-Koopmann, ist der vorhergesagte Anstieg kein Grund zur Beunruhigung. So könne es bereits besser laufen, wenn es 2013 gelinge, die Abbrecherquoten von Auszubildenden und Studierenden zu senken, Qualifizierungsangebote gezielter einzusetzen und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie weiter zu verbessern, sagte sie. Die Arbeitsagenturen können im Nordosten 2013 wieder mehr als 200 Millionen Euro für die Förderung der Arbeitslosen ausgeben. Im vergangenen Jahr hatten die Agenturen 18 Millionen Euro des zur Verfügung stehenden Geldes nicht genutzt.

Mehr als andere seien derzeit Ältere im Land von Arbeitslosigkeit betroffen, sagte Haupt-Koopmann. Die Zahl Erwerbsloser über 55 Jahre sei im Vergleich zum Dezember 2011 um 1000 gestiegen, während die Zahl aller Arbeitslosen um 3300 sank. Sie könne angesichts des sich abzeichnenden Fachkräftemangels nicht nachvollziehen, warum die Unternehmen das Potenzial der Älteren nicht erkennen, sagte Haupt-Koopmann. Sie seien im Schnitt sehr gut qualifiziert.

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