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Mecklenburg-Vorpommern

22. November 2017 | 04:28 Uhr

Bildung : Zehnte Klasse für Förderschüler

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Land will Schüler mit Lernschwächen mit freiwilligem Schuljahr zur Berufsreife führen

Ein freiwilliges zehntes Schuljahr soll Jungen und Mädchen an den Förderschulen zu einem anerkannten Schulabschluss verhelfen. Damit könnte der Anteil der Schulabgänger „ohne Berufsreife“ in Mecklenburg-Vorpommern deutlich gesenkt werden, hofft Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD). Die Opposition bleibt skeptisch.

Bislang verlassen die meisten Jugendlichen die Förderschulen ohne einen Abschluss, mit dem sie sofort eine Berufsausbildung beginnen können. Schuld daran ist laut Brodkorb, dass nur wenige jener Schulen, die Kinder mit Lern-Schwierigkeiten fördern, überhaupt einen entsprechenden Abschluss anbieten können. Kleinen Förderschulen war es untersagt, einen solchen Abschluss durch zusätzlichen Unterricht zu ermöglichen. „Sie haben Misserfolge produziert, weil wir sie keine Erfolge haben produzieren lassen“, sagte Brodkorb.

Der Bildungsminister will vom kommenden Schuljahr an dafür sorgen, dass an 27 von 41 Förderschulen ein zehntes Schuljahr absolviert werden kann. Die übrigen Förderschulen sollen mit diesen Schulen kooperieren. Die Schüler, die für ein zehntes Schuljahr infrage kommen, sollen ab der siebten Klasse darauf vorbereitet werden. Entweder werden sie alle in einer Klasse unterrichtet, oder sie werden individuell gefördert. Derzeit lernen 725 Kinder in den neunten Klassen der Förderschulen für lernschwache Schüler. Der Bildungsminister glaubt, dass gut 400 von ihnen im nächsten Schuljahr für die freiwillige zehnte Klasse infrage kommen. Gut 2,2 Millionen Euro zusätzlich wird das Land für diesen zusätzlichen Unterricht bezahlen müssen.

Die Bildungs-Expertin der Linksfraktion im Landtag, Simone Oldenburg, blieb indes skeptisch, ob das neue System auch in der Praxis funktioniert „und nicht auf dem Rücken der Lehrkräfte ausgetragen wird“. Die Kinder müssten früh und nicht erst in der zehnten Klasse auf den möglichen Schulabschluss auf Regionalschulniveau vorbereitet werden. Das sei in den bisherigen so genannten „Vorlaufklassen“ gewährleistet gewesen. Die Kinder benötigten insgesamt andere Lernbedingungen, eine bessere Lernkultur und wesentlich mehr Möglichkeiten der individuellen Unterstützung.

Im vergangenen Jahr haben 10,3 Prozent der Schüler die Schulen „ohne Berufsreife“ verlassen. Fünf Jahre zuvor lag dieser Anteil noch bei 15,8 Prozent und damit weit über dem Bundesdurchschnitt. Das von Ministerpräsident Sellering ausgegebene Ziel, die damalige Quote zu halbieren, sei damit schneller als geplant erreichbar, so Brodkorb.

Allerdings holen bereits jetzt zahlreiche Jugendliche ihren Schulabschluss an den Berufsschulen und an den Volkshochschulen nach. Nur vier Prozent der Jugendlichen bleiben ohne „Berufsreife“. Es sei aber Aufgabe der allgemein bildenden Schulen, dies zu ermöglichen, so Brodkorb. In diesem Sinne seien diese bislang nicht effizient genug.

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