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Zehn Tote durch Keime in Kliniken des Landes

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erstellt am 03.Apr.2012 | 07:58 Uhr

Schwerin | In MV sind im vergangenen Jahr zehn Todesfälle bekannt geworden, für die der Krankenhauskeim MRSA (multiresistenter Staphylococcus aureus) verantwortlich war. "Das ist aber nur die Spitze des Eisbergs", sagte gestern Martina Littmann vom Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lagus) anlässlich der Vorstellung der neuen Krankenhaushygieneverordnung des Landes in Schwerin.

Bundesweit gehen Experten von hochgerechnet 15 000 Sterbefällen im Jahr durch den MRSA-Keim aus. Die Zahl hat in den vergangenen Jahren zugenommen. "Das ist ein dramatisches Problem", so Wolfgang Blank von der "Hicare"-Initiative im Land, die nach den Ursachen für die Ausbreitung forscht. Ländliche Regionen seien nicht so stark betroffen wie Ballungszentren. Die im Labor nachgewiesenen Fälle im Nordosten belegen allerdings ebenfalls eine steigende Tendenz. Demnach gab es 2011 insgesamt 132 MRSA-Erkrankungen in MV. Im Vorjahr waren es noch 97, davon fünf Sterbefälle. 2009 kamen neun von 47 nachweislich Infizierten ums Leben.

Mit der neuen Verordnung, die durch das Bundesinfektionsschutzgesetz notwenig wurde, will das Land nun Verbesserungen erreichen. "Ziel der neuen Krankenhaushygieneverordnung ist es, den Schutz vor Infektionen zu erhöhen", sagte gestern Landesgesundheitsministerin Manuela Schwesig (SPD). Der Standard auf diesem Gebiet sei im Land bereits sehr hoch und solle nun weiter verbessert werden, so die Ministerin.

Die Verordnung legt verbindlich fest, welches Hygienepersonal Kliniken vorhalten müssen und welche baulichen Bestimmungen notwendig sind. Vorschrift ist nun auch, dass Kliniken Altenheime, Reha-Einrichtungen und niedergelassene Ärzte informieren müssen, wenn Patienten, die Träger von multiresistenten Erregern oder infiziert sind, überwiesen werden. Schon jetzt ist MV laut Schwesig das einzige Bundesland, in dem eine zentrale Behörde - das Lagus - die Hygienestandards in Krankenhäusern überwacht.

Die Linksfraktion im Landtag kritisiert bei der Verordnung jedoch Versäumnisse, die sich als gefährlich erweisen könnten, so der gesundheitspolitische Sprecher der Partei, Torsten Koplin. So dürften noch bis 2016 auch Schwestern und Pfleger als Hygienebeauftragte eingesetzt werden, die nicht über die erforderliche Qualifikation verfügten. "Hier werden Rollerfahrer zu Jetpiloten gemacht", meint auch der Generalsekretär der Landes-FDP, Thomas Heldberg. Martina Littmann wies die Kritik zurück. Die Ausbildung sei auf hohem Niveau geregelt.

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