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Verbrechen in MV : Zehn Frauenmorde, die nie aufgeklärt wurden

vom
Aus der Onlineredaktion

Diese ungelösten Fälle geben der Polizei in Mecklenburg-Vorpommern seit Jahren Rätsel auf. Keine Akte wird ohne Täter endgültig geschlossen

von
erstellt am 27.Jan.2017 | 05:00 Uhr

Vor 25 Jahren wurde die 17-jährige Schwesternschülerin Simone Kohrs aus Katzenow bei Stralsund mit Äther betäubt, vergewaltigt und ermordet. Seit 25 Jahren sucht die Polizei ihren Mörder. Das Verbrechen blieb bis heute ungesühnt.

Auch dank DNA-Tests liegt die Mordaufklärungsrate bei 95 Prozent. Dennoch konnten etwa 30 Tötungsverbrechen von der Polizei in Mecklenburg-Vorpommern bisher nicht aufgeklärt werden. Die meisten Opfer sind Frauen und Mädchen. Einige wenige Fälle stammen noch aus DDR-Zeiten.

In Sicherheit wiegen können sich die Verbrecher allerdings nicht. Denn Mord verjährt nicht. „Keine Akte wird ungelöst endgültig geschlossen“, sagte Nicole Buchfink vom Polizeipräsidium Neubrandenburg. Schon bei kleinsten Hinweisen werden Ermittlungen wieder aufgenommen. Außerdem eröffnet die Entwicklung der Kriminaltechnik für die Ermittler neue Möglichkeiten. „DNA-Spuren, die 1990 noch nicht auswertbar waren, helfen uns heute weiter“, berichtete Michael Schuldt, Sprecher des Landeskriminalamtes. So konnten die Mörder der Rostocker Schülerin Antje Struck 12 Jahre nach ihrem Verbrechen zur Rechenschaft gezogen werden, weil eine neue DNA-Analysemethode sie überführt hatte. Die 15-Jährige war am 6. Juli 1996 in der Nähe einer Fußgängerbrücke über die Stadtautobahn zwischen den Stadtteilen Schmarl und Evershagen bestialisch ermordet worden. Im Januar 2008 verurteilte das Landgericht Rostock zwei Russen als Mörder des Mädchens zu lebenslangen Haftstrafen.

Die Fälle:

 


Simone Kohrs

Simone Kohrs aus Katzenow bei Stralsund wurde am 9. Januar 1992 Opfer eines brutalen Tötungsverbrechens. Die 17-Jährige  wartete an der Haltestelle in Katzenow auf den Bus nach Stralsund. Der fährt an diesem Tag aber nicht wie sonst 19.00 Uhr, sondern 20.52 Uhr. Zeugen sahen die Schwesternschülerin in einen PKW einsteigen. Sie wird mit Äther betäubt, missbraucht und ermordet. Ins Visier der Fahnder gerät der Fahrer eines hellen Ford, der zuvor mehrfach Frauen an Bushaltestellen angesprochen hatte. Die Suche blieb erfolglos.

Anja Lutter

Am 24. November 1992 gegen 20.15 Uhr verließ Anja Lutter das Rostocker Abendgymnasium. Die 20-Jährige wollte die 15 Kilometer von Rostock zu den Eltern nach Dummerstorf trampen. Lebend wurde die  junge Frau das letzte Mal an der B 103 gesehen, als sie bei einem hellen Trabant 601 stand und sich mit dem Fahrer unterhielt. Vier Monate später, am 23. März 1993, fanden Arbeiter in einem Wassergraben in der Conventer Niederung bei Börgerende den Körper der Frau, die von hinten mit einem Messer erstochen worden war.

 
Sandra Reissig

Die alleinerziehende Mutter Sandra Reissig jobbte regelmäßig  in einer Tankstelle nahe des Greifswalder Einkaufscenters Elisenpark. Am 27. April 2006 verschwand die 33-Jährige gegen 20.30 Uhr plötzlich aus dem Verkaufsraum. Am Tag darauf wurde die Frau erstochen im Ryck gefunden. Rechtsmediziner stellten in ihrem Magen KO-Tropfen fest.

Sie chattete oft im Internet. Ihr Nickname war „mama_94_01“. Hinweise führten die Polizei zu einem Paar auf der Insel Rügen. Die Beweise reichten allerdings nicht.

 
Claudia Lade

Claudia Lade ging am Sonnabend, den 29. Juni 1991 in die Disco „Offline“ auf dem Großen Dreesch in Schwerin. Die 17-Jährige verließ die Party gegen 1.30 Uhr und ging in Richtung Straßenbahnhaltestelle. Am nächsten Morgen wurde ihre Leiche am Schweriner See entdeckt. Die Studentin an der Pädagogischen Fachschule Schwerin war erwürgt worden. Discobesucher sagten aus, dass in der Tatnacht ein  blauer Trabant 601 auffällig um das „Offline“ gefahren sei. Der Fahrer habe Mädchen angesprochen.

Susann Jahrsetz

Susann Jahrsetz spielte am 12. August 1994 auf einem Hof im Malchiner Neubauviertel „Am Zachow“ mit zwei gleichaltrigen Jungen Tischtennis. Als es regnet, liefen die Kinder durch den Keller ins Haus. Dabei verschwand das 10-jährige Mädchen plötzlich. Zwei Jahre später wurde ihre Leiche in einem Meliorationsschacht auf einem Acker gefunden. Im selben Haus wie Susann wohnte ein verurteilter Sexualtäter, der vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen worden war. In der Anklageschrift vom 13. September 1999 (AZ 731 Js 12538/94) warf die Staatsanwaltschaft dem Mann Mord und Vergewaltigung vor. Das Landgericht Neubrandenburg lehnte einen Prozess wegen Mangels an Beweisen ab.

Christin Malchow

Christin Malchow holte am 18. Juli 2007 ihren damals fünfjährigen Sohn vom Kindergarten ab. Die beiden fuhren auf dem Heimweg mit dem Fahrrad zwischen Biendorf und Körchow (Landkreis Rostock) am Rande eines Waldstücks entlang. Auf dem Weg schlug ein bis heute unbekannter Mann mit einem Ast auf die Frau und ihren Sohn ein.

Die Frau wurde durch die Schläge so schwer verletzt, dass sie am folgenden Tag starb. Mit viel Aufwand ermittelte die Polizei, bildete die Sonderkommission „Christin“. 6500 Männer, die in der Region leben, mussten ihre Speichelprobe abgeben. Insgesamt wurden 725 Hinweise aus der Bevölkerung von der Polizei bearbeitet. Ohne Erfolg.

Gundula Jana Klein

Am 15. August 2000 verschwand die Sport-Studentin Gundula Jana Klein in Greifswald spurlos. Die Eltern in Heidelberg stellen eine Vermisstenanzeige. 90 Polizeibeamte suchten mit Spürhunden und Hubschrauber tagelang Greifswald und Umgebung ab. Dann die grausige Entdeckung. Am 10. September fanden zwei Radfahrer im Wald von Groß Petershagen bei Greifswald eine unbekleidete Frauenleiche. Gerichtsmediziner bestätigten: Es ist Jana Klein. Die Polizei ging mehr als 700 Spuren nach. Mit privaten Spenden wurde eine Belohnung von 25.000 Euro für Hinweise ausgesetzt. Ohne Erfolg.

Antje Mundstock

Die Schweriner Verkäuferin Antje Mundstock, 19 Jahre alt, wollte am 12. Juli 1991 in Crivitz von der Wohnung einer Freundin aus zum Kulturhaus zur Disco gehen. Kurz nach 22 Uhr wird sie auf dem Weg dorthin zum letzten Mal lebend gesehen. Spaziergänger fanden ihre Leiche am Schweriner See. Ein verurteilter Mörder, der auf Hafturlaub in Crivitz war, geriet ins Visier der Ermittler. Er hatte ein Alibi. Beweise gab es nicht.

Anne Stefan

Anne Stefan aus Dresden war mit dem Fahrrad in mehreren Etappen von Oranienburg  in Brandenburg in Richtung Ostseeküste unterwegs. Allein, denn die 21-Jährige  wollte über ihre Beziehung zu ihrem Freund nachdenken. Am 20. Juli 1993 – dem Tag ihres Verschwindens – fuhr die Krankenschwester vom Campingplatz Bikowsee bei Rheinsberg über Wesenberg und Neustrelitz in Richtung Burg-Stargard. Dort kam sie allerdings nie an, in Blankensee verliert sich ihre Spur. Entdeckt wurden die skelettierten Überreste von Anne Stefan erst am 19. März 1994 in einem Waldgebiet zwischen Blankensee und Godenswege. Die Tat blieb bis heute im Dunkeln.

 
Kathrin Jarosch

Einer der ältesten ungelösten Mordfälle: Die 13-jährige Schülerin Kathrin Jarosch wollte am 21. Januar 1989 mit dem Fahrrad vom Hof der Oma in Sandkrug bei Lübz (Landkreis Ludwigslust-Parchim) nach Karbow zur Schule fahren. Dort kommt sie nie an. Fahrrad, Schultasche und Sportbeutel werden gefunden,  die Leiche nicht. Polizei und Staatsanwaltschaft ermittelten auch nach dem Fall der Mauer weiter.

 
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