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Ehemalige Fan-Arena auf Usedom liegt brach : ZDF-Bühne bleibt im Dornröschenschlaf

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Die ZDF-Bühne auf Usedom stand vor einem Jahr im Rampenlicht. Jetzt schlummert sie still vor sich hin. Laut dem Tourismusdirektor der Kaiserbäder fehlt das Geld für den Wiederaufbau der Plattform.

svz.de von
erstellt am 11.Jun.2013 | 07:32 Uhr

Usedom | Sie stand vor exakt einem Jahr drei Wochen lang im Rampenlicht. Jetzt schlummert sie still vor sich hin, unbeachtet auf dem Bauhof der Heringsdorfer Stahl- und Metallbau GmbH. Durch den dichten Buchenwald nebenan ist nur für den Kenner die in ihre Einzelteile zerlegte einstige ZDF-Bühne erkennbar. Dort wird sie auch ein gutes weiteres Jahr liegenbleiben. Denn laut dem Tourismusdirektor der Kaiserbäder, Dietmar Gutsche, fehlt es 2013 am nötigen Geld für den Wiederaufbau der Plattform.

Rückblende: Am 8. Juni 2012 begann die Fußball-Europameisterschaft in Polen und in der Ukraine. Dazu hatte das ZDF für seine Übertragungen den Ostseestrand in Heringsdorf als Moderatoren-Standort ausgewählt. Das Zweite wollte die hohen Kosten in einem der EM-Stadien sparen und zog wie schon vier Jahre zuvor mit der Seebühne in Bregenz die günstigere Variante vor.

Um vor der Kulisse der markanten Heringsdorfer Seebrücke drehen zu können, erhielt der Mainzer Sender quasi als Gastgeschenk von der Gemeinde eine große Videowand und eine Bühne mit drei Plattformen zur Verfügung gestellt. Dort moderierte Katrin Müller-Hohenstein gemeinsam mit "Torwart-Titan" Oliver Kahn als Experten die übertragenen Spiele. Darüber hinaus produzierte der öffentlich-rechtliche Sender mehrere Unterhaltungsformate vom "Morgenmagazin" bis zur beliebten Unterhaltungssendung "Fernsehgarten". Während der drei Wochen Fußball-EM gaben sich Stars wie Tajo Cruz, Kim Wilde, Oceana, Santiano, Roger Cicero, Culcha Candela, Of Monsters And Men und viele andere ein Stelldichein. Ganz Fußball-Deutschland schaute in jenen Tagen auf die Insel Usedom und auf die 1000 Besucher fassende Fußballarena am Heringsdorfer Strand.

Nun, exakt ein Jahr später, ist der Strandabschnitt, an der die Bühne stand, verwaist. Einzig vier Stahlrohre ragen dort rund einen Meter aus dem Wasser, wo damals die Ostseewellen um die Plattform klatschten. Vor gut zwei Monaten war Gutsche noch optimistisch, die Bühne in diesem Jahr zurückholen zu können: "Mit den Vätern der Bühne, dem Bremer Bühnenhaus, haben wir Visionen entwickelt". Doch die bleiben vorerst in der Schublade, da der Haushalt nichts hergibt.

Der Aufbau des Stahlgerüstes würde die Gemeinde im ersten Jahr 27 000 Euro kosten, in den Folgejahren dann 16 000 Euro. Dazu kommen einmalig 48 000 Euro für die Herstellung der wiederverwendbaren Plattform. "Wir müssen erst mal Finanzierungsquellen suchen", so der Tourismusdirektor. Im Juli werde deshalb ein Treffen mit den Bühnenbauern stattfinden, wo über umsetzbare Konzepte gesprochen werden soll.Immerhin, von den Genehmigungsbehörden hat die Gemeinde grünes Licht, die Bühne temporär zwischen Mai und September zu betreiben. Sollte das gute Stück wieder aufgebaut werden, stellt sich der Tourismuschef eine wöchentliche Bespielung vor. Es soll dann eine Freilichtbühne entstehen, die unter Umständen auch mit einem Wetterschutz ausgestattet werden kann, um Konzerte oder Theateraufführungen sicher durchzuführen.

Scheitert das Ganze letztendlich doch am nötigen Kleingeld? Gutsche jedenfalls glaubt nicht, "dass es ganz im Sand verläuft". Doch mehr als ein Jahr sollte das Bühnengerüst nicht nutzlos am Heringsdorfer Waldrand vor sich hinschlummern, schätzt der Touristiker ein. Noch sind die TV-Bilder bei vielen Usedom-Urlaubern präsent, die sich häufig am Strand darüber unterhalten, dass hier "die Müller-Hohenstein und der Kahn" waren.

Wie sehr die EM-Zeit des Zweiten auf Deutschlands zweitgrößter Insel nachhallt, kann man dieser Tage sehen. Viele bleiben vor den angerosteten Stahlfundamenten der Seebühne stehen und schauen zur Videowand rüber, die seit einigen Wochen ein Transparent ziert. Darauf ist die Kulisse des ZDF-Fußballstrandes dargestellt. Ein Erinnerungsfoto ist für die meisten Strandspaziergänger dann ein Muss.Für die Insel war das Event im Juni 2012 ein riesiger Marketingerfolg. Rund 230 Millionen Fernsehzuschauer hatten die Übertragungen vom Usedomer Fußballstrand verfolgt.

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