Filmkunstfest MV : Zauberhafter kleiner Prinz

Christel Bodenstein (Prinz) und Eberhard Esche (Pilot) in „Der kleine Prinz“
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Christel Bodenstein (Prinz) und Eberhard Esche (Pilot) in „Der kleine Prinz“

Warm-up für das 28. Filmkunstfest MV mit der Schauspielerin Christel Bodenstein und ihrem Film „Der kleine Prinz“ im SVZ-Verlagshaus

svz.de von
23. April 2018, 20:45 Uhr

Über 50 Jahre war „Der kleine Prinz“ verbannt, versteckt im Rundfunkarchiv. Am Montag feierte er endlich auch in Schwerin seine Wiederauferstehung. Und war nicht nur als zauberhafter Film gekommen, sondern in Begleitung von Christel Bodenstein, jener Schauspielerin, die 1966 die Titelrolle in der Defa-Produktion spielte.

Christel Bodenstein war im ausverkauften Verlagshaus unserer Zeitung Stargast beim Warm-up zum 28. Filmkunstfest MV. Vor etwa 200 Lesern erzählte die 79-Jährige, die mit ihrem Mann, dem Schauspieler Hasso von Lenski, gekommen war, wie der Film damals in den Babelsberger Studios aufwändig gedreht und dennoch nur einmal verschämt im 2. DDR-Fernsehprogramm gezeigt wurde.

Zuvor machte der Künstlerische Leiter des Filmkunstfestes MV, Volker Kufahl, im Gespräch mit dem stellvertretenden Chefredakteur der SVZ, Stefan Koslik, Lust auf das in genau einer Woche beginnende Festival. Vom 1. bis 6. Mai werden im Schweriner Capitol 140 Spiel-, Kurz- und Dokumentarfilme in den Wettbewerben und Spezialreihen gezeigt. Erstmals, so Kufahl, sei es gelungen, für die Reihe „Focus Baltic Sea“ Filme aus allen Ostsee-Anrainerstaaten einzuladen. Gastland ist in diesem Jahr Georgien mit 25 Produktionen, einem Stummfilmkonzert mit der Starpianistin Dudana Mazmanishvili sowie einer Fotoausstellung.

Der Ehrenpreis „Goldener Ochse“ wird dem beliebten Schauspieler Henry Hübchen („Alles auf Zucker!“) verliehen.

In der Defa-Reihe läuft als Vorfilm zu Roland Gräfs „P.S.“ der Dokumentarfilm „Heim“ (1978) über das DDR-Kinderheim Mentin bei Lübz. Die Regisseure würden sich freuen, wenn ehemalige Heimkinder in die Vorstellung kommen und mitdiskutieren würden.

Einblick in ein spannendes Kapitel DDR- und Filmgeschichte gab dann auch Christel Bodenstein, die als stolze Prinzessin Tausendschön in dem Märchenklassiker „Das singende klingende Bäumchen“ bis heute ungemein populär ist. Dabei, so die Berliner Schauspielerin, war „Der kleine Prinz“ die Rolle ihres Lebens. Ihr damaliger Mann, der Regisseur Konrad Wolf, hatte ihr die Rolle zum Geburtstag geschenkt. „Eigentlich hatten wir uns vor der Hochzeit versprochen, niemals zusammenzuarbeiten“, so die Bodenstein, die nach ihrer Schauspielkarriere als Chansonsängerin tourte und später am Friedrichstadtpalast in Berlin inszenierte. Als studierte Balletttänzerin war ihr dieses Metier schließlich nicht fremd. 1966 spielte in diesem Film nach dem Weltbestseller von Antoine de Saint-Exupéry die Crème de la Crème der DDR-Schauspieler – von Eberhard Esche (Pilot) bis Inge Keller (Schlange). Doch als der Film schließlich fertig war und als Pilotfilm zur Einführung der Farbe im 2. TV-Programm laufen sollte, stellte sich heraus, dass die Verantwortlichen versäumt hatten, bei den Erben von Saint-Exupéry die Rechte zu erwerben. Auch wenn die DDR in vergleichbaren Fällen eher lax vorging, traute man sich nur, den Film im Mai 1972 ein einziges Mal auszustrahlen, um ihn dann im Archiv zu verstecken. Nun sind die Rechte frei geworden, und der Film liegt in neuer Bearbeitung als DVD (Studio Hamburg) vor.

Wer Christel Bodenstein erlebte, konnte fühlen, warum sie ihrem Prinzen so sehr ein langes Filmleben wünscht.

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