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Mecklenburg-Vorpommern

22. November 2017 | 04:23 Uhr

Prozess : Zahnarztwürger wegschließen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Nach Überfall auf einen Bützower für immer Sicherungsverwahrung

Im Strafverfahren gegen den Bützower Christian B. (33) wegen versuchten Totschlags in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung beantragten Staatsanwaltschaft und Nebenklage, den Angeklagten in einer psychiatrischen Anstalt unterzubringen. Der Verteidiger schloss die Möglichkeit nicht aus, dass sein Mandanten nach therapeutischer Behandlung irgendwann entlassen werden könnte. Die Anklagevertreterin sah den Tatvorwurf als bestätigt. Die Beweisaufnahme habe deutlich gemacht, dass Christian B. den Zahnarzt Dr. Mathias Ulf W. in seiner Praxis in Bützow bedroht und etwa eineinhalb Minuten gewürgt habe. Den Ablauf der Tat hätte der Angeklagte, vor allem aber das Opfer und die Augenzeugen glaubhaft geschildert. Die Staatsanwältin ging davon aus, dass der Angeklagte ohne das Eingreifen der Angestellten des Zahnarztes und einer Patientin sein Opfer weiter gewürgt hätte.

Dass es sich bei der Tat um starkes Würgen und Strangulieren handelte, hätten die Einblutungen in die Augäpfel deutlich gezeigt, wie die behandelnde Ärztin bestätigte. Die Anklagevertreterin folgte in ihrem Plädoyer den Darlegungen des psychiatrischen Sachverständigen, der von einer Schuldunfähigkeit des Angeklagten auf Grund einer krankhaften seelischen Störung in Form einer Schizophrenie ausgegangen war.

Die Unterbringung in einer psychiatrischen Anstalt begründete sie mit der Schwere der Krankheit, die an sich schon nicht einfach zu behandeln sei, aber durch die fehlende Einsicht des Angeklagten unbedingt erforderlich sei.

Die tätlichen Übergriffe auf seinen Bruder und seine ehemalige Freundin ohne erkennbaren Grund, würden beweisen, dass Christian B. eine Gefährdung für die Allgemeinheit sei. Die Nebenklägervertreterin, die die Interessen des Zahnarztes wahrnahm, sah für den Angeklagten auch keine andere Alternative als die Sicherungsverwahrung. Sie verdeutlichte, dass ihr Mandant die Ereignisse des 23. Oktober 2013 bis heute nicht verarbeitet habe.

Verteidiger Klaus Kunkel aus Güstrow führte die schweren Entwicklungsjahre des Christian B. ins Feld. „Sein Elternhaus war kein Elternhaus“, sagte er. Liebe und Fürsorge habe er nie erfahren. Zur Tatzeit sei sein Mandant sozial total am Boden gewesen: Er hatte keine Arbeit mehr, die Freundin verließ ihn, die Wohnung musste er aufgeben. Er fühlte sich ständig angegriffen. In dieser Situation habe er seine Medikamente abgesetzt. Aber eine Absicht zu töten, habe er nicht gehabt. Der Verteidiger sparte nicht mit Kritik an der Arbeit der Betreuungsverantwortlichen. „Alle haben gewusst, dass er seine Medikamente nicht mehr einnimmt, aber nichts unternommen“. Das Urteil wird am 8. Mai verkündet.

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