zur Navigation springen

Forderung nach Novellierung der Approbationsordnung : Zahnarztstudium wie anno 1955?

vom

Unglaublich, aber wahr: Angehende Zahnmediziner werden in Deutschland - also auch an den Universitäten Rostock und Greifswald - nach einer Approbationsordnung ausgebildet, die aus dem Jahre 1955 stammt.

svz.de von
erstellt am 06.Sep.2013 | 07:22 Uhr

Rostock | Unglaublich, aber wahr: Angehende Zahnmediziner werden in Deutschland - also auch an den Universitäten Rostock und Greifswald - nach einer Approbationsordnung ausgebildet, die aus dem Jahre 1955 stammt. "Seit ich standespolitisch tätig bin, also seit gut 20 Jahren, versuche ich, die Politik endlich zu einer Novellierung zu bewegen", betonte der Präsident der Zahnärztekammer MV und Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer, Prof. Dr. Dietmar Oesterreich, gestern am Rande des diesjährigen Zahnärztetages in Rostock.

Erforderlich sei eine grundlegende, interdisziplinäre Neuausrichtung der Lehre. "Wir halten es für zwingend erforderlich, mehr Aspekte aus der Humanmedizin in das Zahnmedizin-Studium einfließen zu lassen. Denn es ist längst erwiesen, dass andere Krankheiten wie Diabetes die Mund - und Zahngesundheit beeinflussen - und umgekehrt", so der in Stavenhagen praktizierende Zahnarzt. Eine Änderung der Approbationsordnung, die unter anderem Mindestdauer, Pflichtinhalte des Studiums und Prüfungsbestandteile regelt, sei zwingend erforderlich, um auch die personellen Voraussetzungen für eine neu ausgerichtete Lehre zu schaffen. Da es sich um bundeseinheitliche Vorgaben handele, müsse die Bundespolitik letztlich über eine Neuregelung entscheiden, so Oesterreich. Jedes einzelne Land könne aber im Bundesrat darauf hinwirken, dass Absichtserklärungen endlich Taten folgen, betonte er mit Blick auf die hiesige Landesregierung.

Gegenwärtig würden pro Jahr in Greifswald 40 und in Rostock 25 bis 30 junge Menschen ein fünfjähriges Zahnmedizinstudium aufnehmen, so der Kammerpräsident. Das Gros, fast 80 Prozent, sind Frauen. Ein Drittel der Zahnmedizinstudierenden hier im Land kommt aus Mecklenburg-Vorpommern, ein weiteres Drittel aus den anderen neuen Bundesländern, weiß PD Dr. Torsten Mundt, wissenschaftlicher Leiter des Zahnärztetages und Oberarzt an der Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik, Alterszahnheilkunde und medizinische Werkstoffkunde der Greifswalder Universitätsmedizin. "Dass wir gerade in Greifswald auch bei Studierenden aus anderen Bundesländern so gefragt sind, liegt sicher mit an den guten Ergebnissen in den letzten Hochschulrankings", vermutet Mundt.

Nicht erfasst wird, wie viele der Absolventen anschließend im Land bleiben. Das sei auch dem Umstand geschuldet, dass es gegenwärtig - anders als bei Humanmedizinern - noch keine Not bei der Nachbesetzung von Zahnarztpraxen gebe, so Oesterreich. Es sei aber absehbar, dass es zeitversetzt zumindest im ländlichen Raum auch bei Zahnärzten schwieriger wird, Praxisnachfolger zu finden. "Bundesweit ist davon auszugehen, dass Patienten weitere Wege in Kauf nehmen müssen, um einen Zahnarzt zu finden", prognostiziert Oesterreich. "Wir müssen also Konzepte dafür entwickeln, wie der Patient künftig zu uns kommt - oder eventuell auch wir Zahnärzte zum Patienten."

In den Kommunen im Land gebe es ein großes Interesse daran, Zahnärzten die Niederlassung zu erleichtern, hat die Kammer beobachtet. Dennoch wird es absehbar vor allem in Städten eine Konzentration von Praxen geben - denn Niederlassungsbeschränkungen gibt es für Zahnärzte - anders als bei Humanmedizinern - nicht. Ein weiterer Grund: 60 Prozent der Zahnärzte hier im Land sind Frauen. Ihnen fällt es in Städten leichter, Beruf und Familie unter einen Hut zu bekommen, so Oesterreich.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen