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Mecklenburg-Vorpommern

22. September 2017 | 04:30 Uhr

Urteil : Zahnarzt-Würger kommt in Psychiatrie

vom
Aus der Redaktion der Bützower Zeitung

Angeklagter schuldunfähig für den Überfall auf einen Bützower / Psychiatrisches Krankenhaus soll Lösung des Problems sein

von
erstellt am 08.Mai.2014 | 21:20 Uhr

Die 3. Große Strafkammer des Landgerichtes Rostock ordnete gestern für den 33-jährigen Maler Christian B. aus Bützow die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus an. Er hatte am 23. Oktober 2013 den Bützower Zahnarzt Dr. Matthias Ulf W.(52) in seiner Praxis eineinhalb Minuten gewürgt.

Nach einer Auseinandersetzung wegen einer Backenzahnbehandlung beleidigte er die Kollegin des Zahnarztes Christin H.(29)mit den Worten: „Was willst du kleine Nutte“. Als ihn Dr. W. zur Rede stellen wollte, riss ihn der über 1.90 Meter große und 115 Kilogramm schwere Angeklagte zu Boden und warf sich auf ihn. Sofort begann er, den Zahnarzt zu würgen, der sich nicht mehr selber von der Last des Angeklagten befreien konnte. Der Vorsitzende Richter sprach in seiner Urteilsbegründung gestern von einer das Leben gefährdenden Tat des 33-Jährigen. Nur durch das beherzte Eingreifen dreier Frauen, vor allem seiner Kollegin, der Zahnärztin Christin H. gelang es, den Angeklagten von seinem Opfer herunterzuziehen und zu befreien.


Täter nicht schuldfähig eingeschätzt


Christian B. hat die Tat gestanden, gibt aber an, zur Tatzeit stark unter Stress gestanden zu haben. Er habe sich bedroht gefühlt. Auch das Gericht ging gestern davon aus, dass er die Tat im Zustand der Schuldunfähigkeit beging und das Unrecht auf Grund seiner Erkrankung, eine paranoide Schizophrenie, nicht einsehen konnte. In den vergangenen Jahren musste er schon mehrfach in psychiatrische Kliniken eingewiesen werden. Bisher hat der Angeklagte jedoch jede Therapie abgelehnt und seine Medikamente nur unregelmäßig eingenommen, oft sogar eigenständig abgesetzt.

Der psychiatrische Gutachter hatte bei ihm eine Zunahme lebensbedrohender Taten prognostiziert. Der Angriff auf den Zahnarzt sei in einer ganzen Reihe von Überfällen der bisherige Höhepunkt. So würgte er am 6. Juli 2013 nach einem Streit seine ehemalige Freundin Claudia K.(35) in ihrer Wohnung. Auch am 9. Oktober 2013 ging er ohne Vorwarnung auf seinen Bruder Michael los, den er in einer Bützow Bushaltestelle überfiel und ebenfalls würgte. Fahrgäste kamen dem jungen Mann zur Hilfe. Nach einer hochaggressiven Auseinandersetzung in den Büroräumen der Bützower Wohnungsgesellschaft wurde Christian B. ein Hausverbot ausgesprochen.

Der Angeklagte ist eine Gefahr für die Allgemeinheit, deshalb lehnte das Gericht auch eine ambulante therapeutische Behandlung, wie von der Verteidigung angeregt, ab. „Der Angeklagte muss sich zunächst seiner Erkrankung stellen. Es kommt darauf an, ob sie sich darauf einlassen“, sagte der Richter, und machte ihm doch noch Hoffnung: „Jedes Jahr wird neu geprüft, wie lange sie bleiben müssen“. Zu einem möglichen Revisionsantrag auf dieses Urteil wurde noch keine Erklärung abgegeben.

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