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Versuchter Totschlag : Zahnarzt fast zu Tode gewürgt

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Mann aus Bützow wegen Überfalls vor Gericht

Er saß mit einem Loch im Backenzahn auf dem Zahnarztstuhl – und als die Behandlung nicht nach seinen Wünschen verlief, eskalierte die Situation. Seit gestern muss sich der Bützower Christian B. (33) vor dem Landgericht Rostock verantworten. Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft wiegt schwer: versuchter Totschlag. Christian B. soll seinen Zahnarzt Dr. Mathias Ulf W. (52) in seiner Praxis in Bützow zu Boden gebracht und anschließend etwa eineinhalb Minuten lang gewürgt haben.

Die Anklage schildert den Vorfall so: Am Morgen des 23. Oktober 2013 erschien Christian B. in der Zahnarztpraxis wegen einer herausgefallenen Füllung. Als die junge Zahnärztin Christin H. das Loch im Zahn säubern wollte, lehnte der Patient das ab und verlangte, dass sie sofort eine neue Füllung einsetzen solle. Das lehnte sie ab. Der Angeklagte behauptete, er sei selber Zahnarzt und wisse, was man machen kann. Die Zahnärztin fuhr den Behandlungsstuhl zurück. Christian B. reagierte mit den Worten: „Was willst Du von mir, Du kleine Nutte? Ich mache Euch fertig.“ Die Zahnärztin informierte den Chef.

Der hatte die Worte „Sie haben meine Kollegin eben beleidigt“ noch nicht zu Ende gesprochen, da lag er schon auf dem Boden und Christian B. auf ihm. „Zu dritt versuchten wir, den Patienten von unserem Chef herunterzuziehen, aber das gelang uns nicht“, berichtete Christin H. gestern als Zeugin. „Wir zerrten, aber wir schafften es nicht.“

Dann bemerkte die junge Frau, dass ihr Chef mit den Beinen zu strampeln begann. Er bekam keine Luft mehr. Jetzt sah sie erst, dass er von dem Patienten gewürgt wurde. Als der Angeklagte den Kopf hob, legte ihm die zierliche junge Frau ohne groß nachzudenken ihren Arm um den Hals und drückte zu. Erst dann ließ Christian B. von dem Zahnarzt ab. „Dr. W. war ganz gelb im Gesicht und sein Hals wies starke Würgemale auf“, berichtete Christin H. Sie behielt den Angeklagten im Auge, bis die Polizei kam. Diesen Hergang bestätigte auch Dr. Mathias W. „Ich hatte Todesangst. Aus eigener Kraft hätte ich mich nicht mehr befreien können“, sagte er.

Christian B. widerrief gestern seine Angaben vor der Polizei, in denen er die Tat rundheraus bestritten hatte und sich als Notwehropfer hinstellte. Gestern bestätigte er aber den Streit um die Zahnfüllung.

Er gab auch zu, die junge Frau beschimpft und den Zahnarzt gewürgt zu haben. Aber er habe nicht auf ihm gelegen. Er habe sich bedroht gefühlt, weil ihn die Mitarbeiter der Zahnarztpraxis umzingelt hätten. Er hat sich inzwischen bei seinem Opfer schriftlich entschuldigt.

Christian B. befindet sich seit seiner Verhaftung in der forensischen Klinik in Stralsund und stand zur Tatzeit unter gerichtlicher Betreuung. Der Prozess wird am kommenden Dienstag fortgesetzt.

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erstellt am 23.Apr.2014 | 07:45 Uhr

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