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Krankenkassen fordern Prüfung von Rechnungen : Zahnärzte sollen stärker kontrolliert werden

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Die Krankenkassen wollen Rechnungen von Zahnärzten künftig stärker kontrollieren. Viele Versicherte würden darüber klagen, dass die Kosten zu hoch seien, sagte gestern ein Sprecher des Spitzenverbands der GKV.

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erstellt am 10.Apr.2012 | 08:13 Uhr

Schwerin/Berlin | Die Krankenkassen wollen Rechnungen von Zahnärzten künftig stärker kontrollieren. Viele Versicherte würden darüber klagen, dass die Kosten zu hoch seien, sagte gestern ein Sprecher des Spitzenverbands der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Der Verband fordert deshalb, auch den Teil der Rechnung prüfen zu dürfen, den die Versicherten aus eigener Tasche bezahlen müssen, wie beispielsweise bei Kronen, Brücken oder Prothesen. Während die Krankenkassen in MV den Vorstoß befürworten, wehren sich Zahnärzte aus dem Land gegen den Vorwurf der Intransparenz.

"Grundsätzlich ist es zu begrüßen, wenn es mehr Transparenz bei den Rechnungen gibt", hieß es gestern unisono bei der AOK Nordost, beim Verband der Ersatzkassen in MV und bei der Techniker Krankenkasse (TK) im Land. So könnten die Versicherten besser beraten und unterstützt werden. Einige Kassen wie die TK bieten demnach schon seit Längerem die Möglichkeit an, Heil- und Kostenpläne überprüfen zu lassen.

Nach Angaben der GKV ist der Honoraranteil, der über den vertraglichen Leistungskatalog abgerechnet wird, in den vergangenen Jahren immer weiter zurückgegangen. Bei Zahnersatzleistungen liege er nur noch bei knapp einem Viertel. Die übrigen drei Viertel würden nach der privaten Gebührenordnung für Zahnärzte abgerechnet. Die Eigenanteile der Versicherten seien durch diese Verlagerung von 2005 bis 2009 um mehr als zehn Prozent gestiegen.

Das sorgt für Unmut, wie auch eine Studie der Unabhängigen Patientenberatung von 2010 zeigt. Demnach galt jede dritte Patientenbeschwerde einem Dentisten. Hauptstreitigkeiten waren nicht Behandlungen, sondern Rechnungen.

Der Präsident der Zahnärztekammer MV, Dietmar Oesterreich, hält dagegen, dass Abrechnungen nicht willkürlich, sondern nach der festgelegten Gebührenordnung für Zahnärzte erfolgten. "Die Patienten erhalten in jedem Fall eine nachvollziehbare Rechnung." Auch Manfred Krohn, Vize-Vorsitzender der Kassenzahnärztlichen Vereinigung MV, sieht deshalb keinen Anlass für eine Prüfung durch die Kassen. Falls es dennoch einmal Unklarheiten gebe, habe sich die zahnärztliche Patientenberatung im Land bewährt. Jürgen Fedderwitz, Chef der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung, warf den Kassen vor, dass sie ihre Ausgaben für die zahnmedizinische Betreuung der Versicherten immer weiter zurückgefahren hätten. Diese "Leistungsschwäche" wollten sie nun mit der Forderung nach Rechnungskontrollen kompensieren.

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