Direktbeihilfen für Bauernhöfe : Zahltag auf dem Bauernhof

Dr. Till  Backhaus
Dr. Till Backhaus

Land zahlt Bauern in MV 354 Mio. Euro Direktbeihilfen: 17 710 Euro je Arbeitsplatz

svz.de von
30. Dezember 2016, 20:55 Uhr

Zuwachs auf den Geschäftskonten der Landwirte in MV: 354,2 Millionen Euro an Direktbeihilfen haben die Steuerzahler 4728 Agrarbetrieben bis gestern überwiesen. Damit sei trotz eines aufwändigen Antragsverfahren fast alle Subventionen pünktlich ausgezahlt worden, teilte das Landwirtschaftsministerium gestern mit.

Das Geld bringt nach der Milchpreiskrise und den deutlich um bis zu ein Drittel gesunkenen Preisen für Getreide und Raps Liquidität in die Betriebe. „Die finanzielle Situation in den landwirtschaftlichen Betrieben ist nach wie vor angespannt, jeder eingehende Cent schon jetzt verplant“, meinte Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD).

Die Direktbeihilfen werden den Landwirten unter anderem als Ausgleich für preiswerte Lebensmittel in Europa gezahlt. Vielen Betrieben sichert der Beihilfe-Scheck aus Brüssel das Überleben. In einigen Betrieben kommt jeder zweite Euro in der Unternehmenskasse aus Brüssel. So hat in diesem Jahr jeder der 4728 Agrarbetriebe im Schnitt 74 873 Euro an Direktbeihilfen erhalten. Das Geld der Steuerzahler reicht den Bauern, einen großen Teil der Personalkosten der nur noch etwa 20 000 Beschäftigten in MV zu decken – 17 710 Euro steuern die öffentlichen Kassen im Schnitt für jeden Arbeitnehmer in der Landwirtschaft bei. Das ist so viel, wie mancher Betrieb einem Angestellten im Jahr als Gehalt zahlt.

Zu den Direktzahlungen zählen die Ausschüttungen der Basisprämie in Höhe von 173,57 Euro je Hektar, der Umverteilungsprämie, die vom 1. bis zum 30. Hektar 50,14 Euro je Hektar und ab dem 30. bis zum 46. Hektar 30,08 Euro je Hektar beträgt, sowie der Greeningprämie von 87,31 Euro je Hektar, die für den Klima- und Umweltschutz förderliche Landbewirtschaftungsmethoden gezahlt wird.

In den kommenden Jahren müssen sich die Landwirte mit der Neuordnung der EU-Agrarpolitik auf neue Beihilferegeln einstellen. „Die Direktzahlungen haben ihre fachliche und sachliche Berechtigung verloren“, meinte Backhaus: Immer neue Begründungen für die Beihilfen zu finden, mache keinen Sinn. Derzeit würden die Subventionen pauschal ohne Qualitätsanspruch gezahlt: „Das wird die Gesellschaft langfristig nicht mehr akzeptieren“, forderte Backhaus die Landwirte auf, sich in die Beihilfedebatte einzubringen. Künftig müssten Aufwendungen für Umwelt- und Sozialstandards ausgeglichen werden.

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