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Mecklenburg-Vorpommern

23. November 2017 | 06:50 Uhr

Zahl der Theater ist richtig

vom

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erstellt am 11.Jul.2013 | 08:55 Uhr

Schwerin | Die Landesregierung will zur Umsetzung der Theaterreform die Verteilung der Theater-Millionen neu regeln. Seit 1995 wurden die Zuweisungen an die einzelnen Häuser über den kommunalen Finanzausgleich geregelt. Dafür zuständig: Innenminister, Lorenz Caffier (CDU). Jetzt soll Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) den Landesanteil von rund 25 Millionen der insgesamt 35,8 Millionen Euro verwalten und verteilen. Ziel: Nur reformwillige Theater können auch künftig auf ungekürzte Landeszuschüsse zählen. Zahlreiche Kritiker fürchten "Willkür". Mit Steffi Lamers, die als Kultusministerin unter dem Namen Steffi Schnoor (CDU) das alte Finanzierungssystem mit aus der Taufe hob, unterhielt sich Max-Stefan Koslik über Absicht und Umsetzung der alten Regelung.


Frau Lamers, was hat die Regierung damals bewegt, das Geld aus dem Kultusministerium in das Innenministerium zur Verteilung zu geben? Das macht doch ein Kultusminister nicht freiwillig?
Lamers: Vorrangiges Ziel war damals, alle Spielstätten im Land zu erhalten. Überall sollte Theater gespielt werden, auch dort, wo ein eigenes Ensemble perspektivisch nicht mehr erhalten werden kann, wie etwa in Güstrow oder in Wismar. Und wir wollten zugleich erreichen, dass sich die Kommunen für ihre Einrichtungen verantwortlich fühlen. Deshalb haben wir als Land das Geld in den kommunalen Finanzausgleich gegeben. Damit bekamen die Kommunen die finanzielle Basis und die finanzielle Sicherheit. Hinzu kam die Idee, dass Theaterträger mit einem Bespielhaus wie in Güs trow Geld vom Land bekommen, wenn sie ein Ensemble aus dem Land für eine Vorstellung engagieren - und wenn nicht, dann nicht. Die Idee hat sich aber dann verloren. Der zweite wichtige Aspekt war, dass die Theater eine Perspektive erhalten. Das Thema Theaterfinanzen sollte nicht jedes Jahr und von jedem Minister neu aufgerufen werden. Theater müssen planen können. Die können nicht von einem Haushalt zum nächsten ihre Strukturen umwerfen.

Aber hätte dazu nicht auch gehört, die finanzielle Ausstattung der Bühnen in den vergangenen 20 Jahren immer wieder den Gegebenheiten anzupassen statt sie über 20 Jahre einzufrieren?
Man hätte zumindest die Tarifsteigerungen und die Kostensteigerungen ausgleichen müssen. Wenn nicht mehr Geld kommt, aber die Kosten steigen, dann geht das zu Lasten der kulturellen Substanz. Das heißt Rückschritt. Schlecht war auch, dass das ursprüngliche Konzept, Kooperationen zu fördern, nicht weiter verfolgt wurde. Ziel war in den 90-ern Theaterproduktionen auszutauschen, Spielpläne zu koordinieren, die Vielfalt im Angebot finan ziell zu fördern.

Was sagen Sie zur Idee der jetzigen Landesregierung aus SPD und Ihrer Partei, der CDU, den Landesanteil an den Theater-Millionen wieder dem Kultusminister anheim zu stellen und ihm so mehr Einfluss zu geben?
Ich würde das Geld nicht dem Kultusminister geben. Ich würde ein Kontrollgremium einrichten. Einer unserer Ansätze war schon damals, die Theater zu verpflichten miteinander zu arbeiten. Dazu gehört auch, dass die Gruppe der Intendanten Mitspracherecht hat. Aber der Kultusminister muss letztlich den Hut aufhaben, denn er trägt die politische Verantwortung.

Wie sehen Sie die Theaterdebatte der letzten Jahre in Mecklenburg-Vorpommern?
Ich bin immer noch Mitglied im Förderverein bei den Theaterfreunden in Schwerin. Da verfolgt man die Debatte. Schlimm fand ich die Art und Weise der Diskussion, bei der jeder jedem den Schwarzen Peter zuzuschieben versuchte. Die Stadt streitet sich mit dem Ministerium, dazwischen das Theater, und die Theater waren wieder untereinander zerstritten. Das ist mein Eindruck von außen.

Können Sie Ihrem Nachfolger einen Tipp geben, wie man eine so komplizierte Reform organisiert?
In meiner Zeit haben wir eng mit dem Deutschen Bühnenverein zusammengearbeitet. Ein Gutachten aus der Richtung findet in der Regel Beachtung. Diese Erfahrung habe ich gemacht. Ich würde mir den Sachverstand von außen holen.

Hat MV zu viele Theater?
Es hatte zu meiner Zeit zu viele Mehrspartenhäuser. Damals war die Grundidee, über finanzielle Anreize die großen Häuser zu verpflichten, auch andernorts im Land zu spielen. Aber die Zahl der Theater an sich ist richtig. Gerade in so einem Flächenland. Wenn wir den Tourismus noch weiter entwickeln wollen, dann gehört dazu auch ein entsprechendes kulturelles Angebot.

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