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Wirtschaft in MV : Zahl der Teilzeitjobber steigt

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Der Anteil der atypischen Beschäftigung ist im Landkreis Rostock am höchsten. Die Arbeitgeber wollen noch mehr Flexibilität.

Viele arbeiten bei Dienstleistern, im Handel, in Gaststätten, Hotels, aber auch in der Industrie und Landwirtschaft: In MV halten sich immer mehr Arbeitnehmer mit Teilzeitjobs, Leiharbeit oder geringfügiger Beschäftigung über Wasser. Die so genannte atypische Beschäftigung ist 2016 im Nordosten auf einen neuen Spitzenwert gestiegen, ergab eine gestern vorgestellte Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI). Inzwischen verdienen 38,2 Prozent aller abhängig Beschäftigten in MV so ihr Geld. Vor zehn Jahren waren es 30,5 Prozent gewesen.

Häufiger als in MV würden in den alten Ländern Teilzeit-, Mini- und Leiharbeitsjobs eingerichtet. Danach ist die atypische Beschäftigung am stärksten in den westdeutschen Flächenländern verbreitet – mit Schleswig-Holstein und einem Anteil von 43,3 Prozent an der Spitze. Innerhalb Mecklenburg-Vorpommerns sind die Jobs am häufigsten im Landkreis Rostock verbreitet: 40,3 Prozent aller abhängig Beschäftigten arbeiten dort Teilzeit, als Leiharbeiter oder als geringfügig Beschäftigter. Im Landkreis Ludwigslust-Parchim verfügen 36,1 Prozent der Beschäftigten über derartige Verträge.

Bundesweit hätte vor allem die Zahl der Teilzeit- und Leiharbeiter zugenommen, ermittelte WSI-Arbeitsmarktexperte Toralf Pusch. Die Zahl der oft besonders schlecht bezahlten und abgesicherten Minijobber im Haupterwerb habe hingegen bundesweit um etwa 46 000 Beschäftigte abgenommen – auf 5,14 Millionen.

Arbeitgebern sichert besonders die Leiharbeiter ein hohes Maß an Flexibilität, die Beschäftigten müssen im Vergleich zur Stammbelegschaft häufig mit weniger Lohn auskommen. Laut Bundesagentur für Arbeit verdienten Leih- und Zeitarbeiter Ende 2015 im Schnitt monatlich 1285 Euro Brutto weniger als ihre vollzeit beschäftigten Kollegen.

Arbeitgebern reicht es dennoch nicht: Die Wirtschaft in MV kennt kein Maß. So forderten die Unternehmer noch mehr Flexibilität beim Einsatz ihrer Beschäftigten und lehnten eine Regulierung der Zeitarbeit ab. Vielmehr werde der Bedarf an flexiblen Beschäftigungsformen wie Werkverträgen, Zeitarbeit, Befristungen und Minijobs weiter steigen, kündigte Mecklenburg-Vorpommerns Arbeitgeberpräsident Thomas Lambusch einen weiteren Ausbau der atypischen Beschäftigung zu Lasten der Mitarbeiter an. Den Chefs ist vor allem das Arbeitszeitgesetz ein Dorn im Auge. Angesichts gesellschaftlicher, technologischer und wirtschaftlicher Veränderungen dürfe nicht an starren Tageshöchstarbeitzeiten festgehalten, sondern auf eine zeitgemäße Wochenarbeitszeit umgestellt werden, stellte Jens Matschenz, Geschäftsführer der Vereinigung der Unternehmensverbände in MV (VUMV) mal wieder bisherige Regelungen in Frage. „Wir brauchen eine moderne Arbeitszeitpolitik, die Betrieben und Beschäftigten gleichermaßen Freiheiten und Möglichkeiten bietet“, forderte erst gestern Nico Fickinger, Chef des Arbeitgeberverbandes Nordmetall.
 

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erstellt am 19.Mai.2017 | 05:00 Uhr

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