Kriminalität MV : Zahl der Straftaten auf Tiefststand

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Die Zahl der Straftaten geht weiter zurück - und die Polizei ist bei der Verbrecherjagd erfolgreicher denn je. Dennoch ist Innenminister Caffier noch längst nicht mit allem zufrieden. Vor allem die unverändert vielen Wohnungseinbrüche bereiten ihm Kopfzerbrechen.

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31. März 2015, 21:00 Uhr

Die Zahl der Straftaten in Mecklenburg-Vorpommern ist erneut gesunken und hat 2014 mit insgesamt 116 609 Fällen einen neuen Tiefststand erreicht. Im Vergleich zum Vorjahr seien 3900 Straftaten weniger registriert worden, erklärte Innenminister Lorenz Caffier (CDU) am Dienstag in Schwerin bei der Vorstellung der Kriminalstatistik.

Besonders deutlich waren die Rückgänge bei Diebstählen sowie Vermögens- und Fälschungsdelikten. Allerdings rührt das größte Minus aus einer Änderung bei der Erfassung der Internet-Kriminalität her.

Danach werden Fälle ohne Tatort in Deutschland statistisch nicht mehr erfasst. „Die Regelung gilt bundesweit. Wir sind aber nicht glücklich damit, weil sie Diskussionen hervorrufen wird“, bekannte Caffier. Mit 4530 registrierten Cybercrime-Delikten lag die erfasste Fallzahl 2014 um etwa 2500 niedriger als 2013. Insgesamt zeigte sich der Minister zufrieden mit der Entwicklung.

AUFKLÄRUNGSQUOTE: Die Erfolgsquote der Polizei stieg. Gut 70 400 und damit 60,4 Prozent aller Straftaten wurden aufgeklärt. In den Jahren zuvor hatte die Quote jeweils leicht über 58 Prozent gelegen. Bundesweit werden etwa 55 Prozent der Straftaten aufgeklärt. Mecklenburg-Vorpommern sei sicherer geworden, sagte Caffier. Mit durchschnittlich 7304 Straftaten pro 100 000 Einwohner liege die Kriminalitätsbelastung erstmals unter dem Bundesdurchschnitt.

DIEBSTAHL: Diebstähle machen mit gut 36 Prozent noch immer den größten Teil der Straftaten aus. Doch ging die Zahl der Fälle um 3151 auf 42 435 zurück. Besonders stark war der Rückgang beim schweren Diebstahl mit 7,7 Prozent. Fahrzeugdiebstähle reduzierten sich binnen Jahresfrist um fast ein Drittel auf 812. Eine Ausnahme bildete der Grenzkreis Vorpommern-Greifswald, in dem die Zahl der Kraftwagendiebstähle um 35 auf 157 wuchs.

WOHNUNGSEINBRÜCHE: Entgegen dem allgemeinen Trend stieg die Zahl der Wohnungseinbrüche erneut, wenn auch nur um 9 auf 1530. Diese seit 2010 anhaltende Entwicklung bereite ihm Sorge, sagte Caffier. Trotz „umfassender polizeilicher Maßnahmen“ konnte nur jeder vierte Bruch aufgeklärt werden. Ein Jahr zuvor war es noch fast jeder dritte. „Die Täter gehen immer professioneller vor und agieren häufig vom Ausland aus. Das erschwert die Ermittlungen“, konstatierte der Minister. Weil Wohnungseinbrüche bei den Betroffenen aber „eine Tiefenwirkung“ erzielten, widme die Polizei diesem Deliktfeld auch künftig größte Aufmerksamkeit. Schwerpunkt bleibe die Grenzregion zu Polen. Der Kreis Vorpommern-Greifswald weise trotz eines Rückgangs zum Vorjahr mit 354 mehr als doppelt so viele Fälle auf wie andere Landkreise.

TÖTUNGSDELIKTE: Mit 59 blieb die Zahl der Straftaten gegen das Leben im Vergleich zu 2013 unverändert. Darunter waren 5 Morde und 9 versuchte Morde, 24 Mal lautete der Vorwurf auf Totschlag, 21 Mal ging es um fahrlässige Tötung. 57 dieser Verbrechen wurden aufgeklärt.

SEXUALSTRAFTATEN: Einen deutlichen Anstieg verzeichnete die Polizei bei Sexualstraftaten. So wurden 2014 insgesamt 1079 Fälle erfasst und damit 197 mehr als 2013. Den Anstieg führte Caffier vor allem auf die verbotene Verbreitung pornografischer Schriften zurück, die allein um 141 zunahm. In einem Fall hätten zahlreiche Kinder und Jugendliche verbotener Weise im Internet Aufnahmen an minderjährige Freunde oder Bekannte weitergeleitet und sich damit strafbar gemacht.

AUSLÄNDERKRIMINALITÄT: Die Zahl nichtdeutscher Tatverdächtiger stieg um gut 1000 auf 4931. Ihr Anteil erhöhte sich damit auf 10,6 Prozent.„International agierende Banden und reisende Tätergruppen“ würden Freiheit und Freizügigkeit in Europa für ihr kriminelles Werk nutzen, sagte Caffier. Wegen der Grenzlage zu Polen gebe es in Mecklenburg- Vorpommern vergleichsweise viele polnische Tatverdächtige, deren Zahl um 148 auf 1029 stieg. Die Bekämpfung grenzüberschreitender Kriminalität bleibe Schwerpunkt der Landespolizei, kündigte Caffier an. In die Statistik fielen aber auch Vergehen gegen das Asylrecht.

TÄTERGRUPPEN: Der Rückgang der Kriminalität hat eine Ursache auch im demografischen Wandel. In der Folge geringer Geburtenzahlen nach 1990 sank die Zahl jugendlicher Straftäter in den zurückliegenden 15 Jahren auf ein Drittel. Stellte die Polizei im Jahr 2000 noch 23 500 Verdächtige unter 21 Jahren, so waren es 2014 nur 8515. Knapp 10 000 der im Vorjahr insgesamt ermittelten 46 345 Straftäter waren zwischen 30 und 40 Jahre alt. In allen Altersgruppen über 30 stellte die Polizei eine steigende Anzahl von Tätern fest - auch jenseits der 60.mv z2 ehl

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