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2000 Fälle im Land : Zahl der Schulschwänzer in vier Jahren verdoppelt

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Knapp vier Prozent der Schüler haben schon mal einen Tag unentschuldigt gefehlt

von
erstellt am 16.Jan.2017 | 21:00 Uhr

Die Zahl der Schulschwänzer im Land wächst rasant: Waren es im Schuljahr 2012/13 noch 2500 Mädchen und Jungen die ab einem Tag unentschuldigt dem Unterricht fernblieben, so stieg diese Zahl 2014/15 auf 3566 und im letzten Schuljahr auf 4909. Knapp vier Prozent aller Schüler schwänzten also schon mal einen Tag. Diese Zahlen legte Bildungsministerin Birgit Hesse (SPD) gestern vor. Problematisch sind die Zahlen ab fünf Tagen und mehr unentschuldigtem Fernbleiben: 1972 Schüler. Im Schuljahr zuvor waren es 1361 Schüler.

Die Opposition schlägt Alarm: „Der dramatische Anstieg der Zahl der Schulschwänzer vom Schuljahr 2014/2015 auf das Schuljahr 2015/2016 um fast die Hälfte dokumentiert eindrücklich, dass das Bildungsministerium das Problem nicht in den Griff bekommt. Es ist offenbar nicht in der Lage, die immer wieder angekündigten Maßnahmen endlich umzusetzen“, so die Vorsitzende der Linksfraktion im Landtag, Simone Oldenburg.

Schon 2015 hatte Frau Oldenburg ein Landesprogramm für Drückeberger gefordert. Damals war das vom Bund finanzierte Programm „Zweite Chance“ ausgelaufen. Im vergangenen Sommer hatte Ex-Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) ein Sieben-Punkte-Programm gegen Schulaversion angekündigt, das neben Prävention auch auf Restriktion setzte. In dem Programm heißt es: „Spätestens ab dem elften unentschuldigten Fehltag bezogen auf das Schuljahr wird von einem beständigen Schwänzen ausgegangen. Die polizeiliche Zuführung ... ist durch die Schulbehörde ... ebenso vorzusehen wie die Einleitung eines Bußgeldverfahrens.“ Ab 21. Fehltag werde die Zuführung der Schwänzer ohne „pädagogischen Entscheidungsspielraum“ zwingend. Ab 40. Fehltag könne der Klassenabschluss nicht mehr erreicht werden. Dem voraus gehen eine Reihe von Elterninformationen. Brodkorb erhielt im Sommer für sein Programm viel Gegenwind und erntete harte Kritik von Simone Oldenburg.

Diese sagte gestern: „Noch immer fehlen u.a. ein landeseinheitlicher Handlungsleitfaden und gezielte Lehrerfortbildungen. Ungeachtet dessen handelt es sich bei dem Sieben-Punkte-Programm ohnehin um völlig unverbindliche Hinweise, eine Rechtsvorschrift als Grundlage des Handelns gibt es nicht.“

Ganz im Gegenteil, hieß es gestern aus dem Bildungsministerium. Ministerin Hesse: „Es gibt momentan keinen Grund zur Beunruhigung. Der Anstieg kann möglicherweise auf statistische Effekte zurückzuführen sein, weil unsere Lehrerinnen und Lehrer sensibler mit unentschuldigtem Fehlen umgehen und dies in den Klassenbüchern auch vermerken. Genau darum geht es uns im Umgang mit Schulaversion.“

Aber auch bei den Intensivschwänzern ab elf Tagen unentschuldigtem Fernbleiben stiegen die Zahlen von 839 Drückebergern 2014/15 auf 1267 im vergangenen Schuljahr. Also läuft das Programm doch noch nicht? Das Ministerium widerspricht: „Die Lehrkräfte erhalten Fortbildungen. Darüber hinaus ist die Dokumentation von unentschuldigten Fehltagen verbessert worden. Die Zusammenarbeit von Schulen und Jugendämtern, spätestens vom sechsten Tag des unentschuldigten Fehlens an, ist im Bedarfsfall intensiviert worden.“

 




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