Mecklenburg-Vorpommern : Zahl der Drogentoten fast verdoppelt

In Wolgast stirbt eine Vierzehnjährige an einem Cocktail aus Drogen und Medikamenten, in Rostock sind drei Erwachsene nach dem Konsum eines Narkosemittels tot. Die Zahlen sind im Bundesvergleich gering, doch jeder Einzelfall schreckt auf.

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08. Mai 2017, 21:00 Uhr

Die Zahl der Drogentoten hat sich im vergangenen Jahr in Mecklenburg-Vorpommern fast verdoppelt. Neun Menschen starben an Rauschgift, wie aus dem Jahresbericht 2016 der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Marlene Mortler (CSU), hervorgeht, den sie gemeinsam mit dem Bundeskriminalamt (BKA) am Montag in Berlin vorlegte. 2015 hatte es im Nordosten fünf Drogentote gegeben. 2014 waren zwei Menschen nach dem Konsum illegaler Drogen gestorben, im Jahr davor ein Mensch. 2011 und 2012 waren wiederum jeweils fünf Drogentote registriert worden.

Mortler forderte umfassende Hilfen für Abhängige und deren Angehörige. Prävention und Frühintervention seien die Schlagwörter, sagte sie. „Jeder, der erstmalig mit einer verbotenen Substanz aufgegriffen wird, muss mit seinem Drogenkonsum konfrontiert werden und umgehend Beratung erhalten.“ In Mecklenburg-Vorpommern gibt es ein Netz von rund 30 Beratungs- und Hilfsangeboten, wie Gesundheitsminister Harry Glawe (CDU) sagte. Nach Angaben von Rainer Siedelberg von der Landeskoordinierungsstelle für Suchtvorbeugung dauert es maximal eine Woche bis zu einem Beratungstermin.

Im bundesweiten Vergleich sterben in Mecklenburg-Vorpommern wenige Menschen an Drogenmissbrauch - und auch im Vergleich zu den legalen Drogen Alkohol und Tabak sind es wenige Opfer. Dennoch verstört jeder einzelne Fall. In Wolgast starb im Juni 2016 ein 14-jähriges Mädchen an einem Cocktail von Drogen und Medikamenten. In Rostock fand die Polizei im Dezember in einer Wohnung drei leblose Menschen im Alter zwischen 32 und 41 Jahren. Sie waren nach dem Konsum eines Fentanyl-haltigen Betäubungsmittels gestorben. Fentanyl wird bei Narkosen verwendet und laut Staatsanwaltschaft auch von Drogenabhängigen konsumiert.

Täglich erwischt die Polizei in Mecklenburg-Vorpommern im Schnitt vier Fahrer mit Drogen am Steuer - und zehn mit Alkohol. Dem Drogen- und Suchtbericht der Bundesregierung zufolge sind 2013 bundesweit allein 15 000 Menschen an den Folgen von Alkoholmissbrauch gestorben.

Im vergangenen Jahr starben 1333 Menschen - neun Prozent mehr als im Jahr davor - an illegalen Drogen, wie Haschisch, Heroin, Kokain oder Crystal Meth. „Es ist wichtig, von frühester Jugend an Aufklärung zu betreiben“, sagte Glawe. „Die Zahlen verdeutlichen, wie nötig Prävention und Aufklärung in der Gesellschaft weiter sind.“

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