Greifswalder Doktorandin warnt vor Ausbreitung von MIH : Zähne bröckeln: Jedes zehnte Kind betroffen

Immer weniger Kinder haben, wenn sie in die Schule kommen, Karies. Dafür werden immer mehr Kinderzähne von einer bislang weitgehend unbeachteten Erkrankung zerstört: MIH - eine Mineralisationsstörung.

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27. Juli 2012, 08:00 Uhr

Greifswald | Immer weniger Kinder haben, wenn sie in die Schule kommen, Karies. Dafür werden immer mehr Kinderzähne von einer bislang weitgehend unbeachteten Erkrankung zerstört: MIH (Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation) ist eine Mineralisationsstörung, die die ersten bleibenden Backenzähne und die Schneidezähne betrifft. Die Symptome reichen von gelblich-braunen Flecken auf den Zähnen bis hin zu Einbrüchen der Zahnsubstanz. "Weich und bröckelig" seien die Zähne der betroffenen Kinder, schildert Marina Petrou. "Und sie sind extrem schmerzempfindlich."

Die Doktorandin der Greifswalder Universitätsmedizin hat in einer auch international viel beachteten Arbeit erstmals Vergleichszahlen zu MIH aus ganz Deutschland zusammengetragen. Danach ist bereits jedes zehnte Kind im Grundschulalter betroffen - allerdings mit starken regionalen Unterschieden. "Während die Mineralisationsstörung in Greifswald nur bei 4,4 Prozent der Sieben- bis Neunjährigen in unterschiedlicher Ausprägung festgestellt wurde, trat sie in Heidelberg bei rund 6 Prozent und in Düsseldorf und Hamburg sogar bei 14 Prozent der Kinder in dieser Altersgruppe auf."

Noch sei nicht abschließend geklärt, warum es zu dieser Erkrankung - und zu den regionalen Unterschieden - kommt. Häufige Antibiotikagaben und schwere, mit Fieber einhergehende Erkrankungen in den ersten drei Lebensjahren spielten aber definitiv eine Rolle, so Marina Petrou. In einer Veränderung des Verschreibungsverhaltens von Kinderärzten sieht sie daher auch Ansätze zur Prävention von MIH. Dringend erforderlich sei, die kinder- und jugendzahnmedizinische Prophylaxe verstärkt auf MIH auszurichten. "Momentan konzentriert sich da alles auf Karies - aber es gibt eben auch andere Erkrankungen, die die Zähne schädigen", so die Doktorandin. Wichtig sei, Eltern zu sensibilisieren, ihre Kinder bereits beim Verdacht auf eine Mineralisationsstörung dem Zahnarzt vorzustellen. "In frühen Stadien reicht möglicherweise noch das Auftragen eines Schutzlacks. Ist bereits Zahnsubstanz zerstört, bleibt häufig nur eine Überkronung des erkrankten Zahns - die wird dann aber nicht einmal von den Krankenkassen nicht bezahlt", so Petrou.

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