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Rettungsaktion in Schwerin : Yanas Lächeln – ein Wunder

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Ukrainerin wurde vor zehn Jahren in Schwerin mit einer OP das Leben gerettet. So geht es ihr heute

Yana Kychak hat eine große Leidenschaft: das Singen. Vor allem ukrainische Volkslieder liegen ihr am Herzen. Sie singt im Chor. Jeden Tag übt sie dafür. Dass sie das kann, grenzt an ein kleines Wunder.

Das Leben schreibt noch immer die schönsten Geschichten. Yanas fing traurig an. Geboren wurde sie in Bila Zerkwa. Die Stadt in der Ukraine liegt nur 200 Kilometer von Tschernobyl entfernt – dem Ort, wo vor 30 Jahren ein Test außer Kontrolle geriet und der Reaktor Vier des Kernkraftwerks explodierte. Damals zog eine hochgiftige radioaktive Wolke über das Land. Yana kam erst zehn Jahre nach dem Unglück zur Welt. Trotzdem hat sie der Gau für immer gezeichnet. Sie wurde mit einem großen Tumor in der linken Wange geboren – eine Folgeerkrankung von Tschernobyl.

„Ich freue mich sehr, wieder in Schwerin zu sein. Es ist wie eine zweite Heimat für mich“, sagt sie heute. Sie sitzt zusammen mit Volkbert Keßler in dessen Gartenlaube. Zehn Jahre ist es her, dass sich die Wege der beiden das erste Mal kreuzten. Damals kam Yana mit der niedersächsischen Hilfsorganisation „Hof Schlüter“ nach Deutschland. Der Tumor in ihrem Gesicht war immer weiter gewachsen. Behandlungsmöglichkeiten gab es in der Ukraine für das Mädchen nicht. Doch Yana hatte Glück. In Deutschland erkannte ein junger Zahnarzt den dramatischen Zustand ihrer Erkrankung. Ohne Operation hätte sich die Geschwulst immer weiter ausgebreitet. Er bat Prof. Dr. Reinhard Bschorer um Hilfe. Der Chefarzt der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie am Schweriner Helios-Klinikum sagte zu. Durch Spenden – auch von unseren Lesern – konnte die Operation finanziert werden. Bschorer gab Yana ein neues Gesicht und ihr mehr Lebensqualität zurück.

„Ich bin Herrn Bschorer sehr dankbar“, sagt Yana. Für seine weitere Arbeit wünscht sie ihm viel Kraft. Alle zwei Jahre muss die junge Frau zur Kontrolle nach Deutschland. Der Tumor, er könnte zurück kommen. Doch dieses Mal gibt es gute Neuigkeiten. Der Tumor habe nicht gestreut, sagt Bschorer. Dass Yana heute lachen und singen kann, dass ihre Mimik intakt ist, auch das hat sie dem Arzt zu verdanken.

Doch nicht alle Kinder haben so viel Glück wie Yana. Die Explosion im ukrainischen Atomkraftwerk Tschernobyl gilt neben Fukushima als bisher schwerster Unfall bei der friedlichen Nutzung der Kernenergie. Die Rate der Krebserkrankungen und Missbildungen ist in dem Land nach wie vor extrem hoch. Seit 1990 wurden mehr als 6000 Fälle von Schilddrüsenkrebs in Weißrussland, Russland und der Ukraine gemeldet – eine weit höhere Zahl, als rein statistisch gesehen zu erwarten war.

Wie viele Menschen an den Folgen gestorben sind, ist umstritten. Experten gehen von rund 10 000 Todesfällen aus. Auch heute noch ist die medizinische Versorgung ein großes Problem. Teure Behandlungen können sich die wenigsten leisten.

Bila Zerkwa – den Ort hat es besonders schlimm getroffen. 200    000 Menschen leben hier. Die Armut ist groß. Seit dem Krieg habe die Inflation gewaltig zugenommen, erklärt Keßler. „Der Alltag ist nicht normal, wie bei uns. Es werden Denkmäler für die Verstorbenen aufgestellt. Ständig leben die Menschen in Angst, wer als nächstes eingezogen wird oder freiwillig geht.“ Keßler selbst unterstützt seit vielen Jahren unter anderen den „Hof Schlüter“.

In der Ukraine lebt Yana mit ihren Eltern und ihrer eineinhalbjährigen Schwester in einer Einraumwohnung – auf 36 Quadratmetern. „Ich schlafe in der Küche auf einer Couch. Die muss ich einklappen, wenn alle aufstehen“, sagt die 19-Jährige. Das Haus sei renovierungsbedürftig. Manchmal gebe es kein Wasser.

Doch Yana ist dankbar. Sie studiert Jura und Ökonomie. Später will sie mal Managerin werden. „Singen möchte ich auch weiterhin. Mein Ziel ist es, ein guter Mensch zu sein“, sagt Yana und lächelt – ein kleines Wunder.

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erstellt am 02.Jul.2016 | 07:00 Uhr

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