Lübz : XXL-Ostereier aus Straußenfarmen

Straußenzüchter Frank Löhr
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Straußenzüchter Frank Löhr

Professionelle Züchter im Nordosten überstanden die Vogelgrippesaison ohne Verluste. Ein Ein Straußenei wiegt 25 Hühnereier auf

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14. April 2017, 05:00 Uhr

Die sind garantiert zu finden: Schon von weitem sieht Straußenzüchter Frank Löhr das große Ei auf der Koppel weiß leuchten. Etwas später als die Jahre zuvor, doch gerade noch rechtzeitig vor Ostern, hätten seine Hennen angefangen zu legen, sagt der Exotenhalter in Lübz. Vorsichtig, den wild balzenden Hahn und die Flügel schlagenden Hennen im Auge behaltend, wagt sich der Landwirt ins Gehege und holt rasch das kiloschwere Osterei heraus. „Das Eiersammeln ist nicht ungefährlich, ein Abenteuer.“ Manchmal bleibe nur die Flucht vor den angriffslustigen Großvögeln über den mannshohen Zaun, erzählt er.

Die „Straußen-Savanne“ im Lübzer Ortsteil Riederfelde erstreckt sich über 18 Hektar trockenes Grasland. In der ehemaligen Kieskuhle ziehen Löhr und Ehefrau Monika Helfrich seit 13 Jahren die afrikanischen Laufvögel eigentlich wegen ihrer muskulösen Keulen im Nebenerwerb groß. Das tief rote, wildartige Straußenfleisch gilt als fett- und cholesterinarme Delikatesse. Löhr arbeitet noch als Melker in einem Milchviehbetrieb. Doch seine gefiederten Sprinter, die es auf sportliche 50 bis 70 Stundenkilometer bringen können, seien ihm lieber als träge Kühe.

Obendrein lege jede Straußenhenne alle zwei Tage ein prächtiges Ei, das rund eineinhalb Kilo auf die Waage bringe und damit an die 25 Hühnereier aufwiege. „Das reicht für ein üppiges Frühstück einer Großfamilie“, meint der Züchter. Zum Öffnen der harten Schale eigne sich eine Bohrmaschine. Am begehrtesten seien die frischen unbefruchteten Frühlingseier, die vor Ostern in den Wiesen und Sandkuhlen der Farm zu finden sind.

Dass ihre Strauße Frühlingsgefühle haben, ist für Züchterin Helfrich unverkennbar. „Beine und Schnabel vom Hahn färben sich rot, er betört seine Damen mit wildem Balztanz und stößt durchdringende Rufe aus.“ Oft steht das Männchen an der Mulde im Gelände und scharrt kräftig Sand heraus, um ein neues Nest für die vielen Rieseneier auszuheben. Die Hennen reagieren prompt: Sie lassen demütig die Flügel hängen und klappern mit dem Schnabel – so signalisieren sie Bereitschaft, Eier zu legen und zu brüten.

Hunderte Eiriesen erwarten die Riederfelder Farmer dieses Jahr von 20 Hennen, die mit fünf Hähnen gruppenweise gehalten werden. Jede ausgewachsene Henne schafft pro Jahr 40 bis 50 Eier, wenn die sofort weggesammelt und ein natürliches Ausbrüten verhindert wird. Verkauft wird im Hofladen und via Onlineshop. Fleisch und Leder, das seit 2015 im eigenen Schlachthaus von etwa 50 ein- bis zweijährigen Tieren pro Jahr selbst erzeugt wird, geht ebenso direkt an die Abnehmer.

Über den Winter sind die Straußenfarmer im Land gut gekommen. Trotz der Geflügelpest und hoher Ansteckungsgefahr bekamen die wenigen großen Betriebe Ausnahmegenehmigungen für die Freilandhaltung. „Die Großvögel sind Fluchttiere, die lassen sich nicht einsperren“, erklärt Helfrich. „Im Stall würden sie sich gegenseitig verletzen oder tottreten.“ Die professionellen Züchter im Nordosten überstanden die Vogelgrippesaison aber ohne Verluste.

Seit dem Ausbruch der Pest in Südafrika und dem 2011 verhängten EU-Importstopp für Straußenfleisch vom Kap der Guten Hoffnung befänden sich die europäischen Exotenfarmen im Aufwind, teilte der Bundesverband deutscher Straußenzüchter mit. Die Preise für Fleisch, Leder und Eier hätten ein hohes Niveau. Der Verband geht von rund 200 Straußenhaltern in Deutschland aus, wenngleich das bis zu 2,80 Meter große Freilandgeflügel mit bundesweit rund 2000 Schlachtungen Nischenprodukt bleibe.

Klotzen statt kleckern heißt es beim landesweit größten Straußenhalter Gut Owstin bei Gützkow (Vorpommern-Greifswald). Nur die ersten Eier der Saison, noch unbefruchtet, gehen als „Ostereier“ an die Käufer – rund 100 Stück in den letzten Tagen, wie Farmer Jan Büschgens sagt. Nach den Feiertagen würden keine Eier mehr abgegeben, sondern allesamt maschinell ausgebrütet. Pro Jahr mindestens 600 Küken werden in Vorpommern aufgezogen und die jungen Strauße zu Fleisch und Wurst verarbeitet.

Kunst am Riesenei

Die Schwerinerin Ines Höfs, freischaffende Eierbemalerin, braucht mehrere Tage, um ein Osterei zu gestalten. Auf harter Kalkschale erzählt sie Geschichten vom Frühling in Norddeutschland. Um genug Platz für ihre filigranen Bilder zu haben, bemalt sie riesige Straußeneier.

Die bezieht sie aus heimischer Zucht. Ein Werk zeigt blühende Heckenrosen vor einem Fachwerkhaus, zu dem ein Schäfer mit Hund und Herde heimkehrt. Schiffe, Kirchen, Schlösser, Porträts werden umrankt von Kalligrafien, die die Historie erläutern. Mit Tusche lässt die Künstlerin auch Gedichte in winziger Schönschrift ums Gemälde fließen.


 
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