zur Navigation springen

Spediteure und Kammern drängen auf Einsatz : XXL-Laster bestehen Praxistest

vom

Gute Noten für Super-Laster: Nach dem erfolgreichen Einsatz von bis zu 25 Meter langen Lastwagen in einem bundesweiten Feldversuch drängen Spediteure und Kammern auch in MV auf freie Fahrt für Gigaliner.

svz.de von
erstellt am 18.Jul.2013 | 11:52 Uhr

Schwerin | Gute Noten für Super-Laster im Praxistest: Nach dem erfolgreichen Einsatz von bis zu 25 Meter langen Lastwagen in einem bundesweiten Feldversuch drängen Spediteure und Kammern auch in MV auf freie Fahrt für Gigaliner. "Erste Erfahrungen der Unternehmen sind durchweg positiv", heißt es in einer jetzt vorgelegten ersten Zwischenbilanz des Feldversuches, die die "Initiative innovative Nutzfahrzeuge" erstellt hat. "Die Lang-Lkw sind unfallfrei, sicher und vollkommen unauffällig im Straßenverkehr unterwegs." Vor allem aber kostengünstig: In der Analyse berichten Spediteure von Einsparungen beim Kraftstoffverbrauch von bis zu 30 Prozent, vereinzelt sogar von 50 Prozent.

Lang-Lkw seien "echte Öko-Laster", urteilt bereits der Verband der Auto mobilindustrie (VDA). "Somit konnten schon jetzt die CO 2 -Emissionen um mehrere Hundert Tonnen reduziert werden", heißt es in dem Bericht. Seit dem Start des Feldversuches am 1. Januar 2012 haben sich 23 Speditionen aus mehreren Bundesländern mit 43 Fahrzeugen angemeldet. Mecklenburg-Vorpommern hält sich aus dem Versuch allerdings heraus und hat lediglich zwei Ausnahmegenehmigungen erteilt.

Mit dabei: die Spedition Kühne + Nagel, die seit Februar 2013 mit einem Lang-Lkw für den Handelsriesen Tchibo Waren vom Großgewerbegebiet Valluhn/Gallin in MV nach Bremen transportiert. "Trotz langjähriger Bemühungen ist es leider nicht möglich, eine geeignete Bahnverbindung zwischen Gallin und Bremen zu etablieren", begründet Tchibo-Sprecher Arnd Liedtke in dem Bericht den Einsatz des Gigaliners. Nun solle die Alltagstauglichkeit der Lang-Lkw getestet werden. Die ersten Ergebnisse sind vielversprechend: Kühne + Nagel erwartet pro Jahr Einsparungen von 30 000 Litern Kraftstoff und eine Reduzierung der CO 2 -Emmissionen um 30 Prozent. Täglich fahre der Gigaliner 1000 Kilometer, beladen mit 52 Europaletten, statt 34 auf herkömmlichen Lastern. Damit ließen sich täglich eineinhalb Fahrten sparen, rechnet Kühne + Nagel vor.

Für Spediteure und Kammern in MV Grund genug bei Verkehrsminister Volker Schlotmann (SPD) auf die Teilnahme am Feldversuch zu drängen. Bislang fahren zwei Spediteure in MV mit Ausnahmegenehmigungen die XXL-Laster - von Lüdersdorf nach Schleswig-Holstein, von Gallin nach Bremen. Inzwischen gebe es weitere Speditionen, die am Einsatz der Lang-Lkw interessiert seien, hieß es bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Schwerin. Die Bahn sei nicht in der Lage, entsprechende Transportlösungen anzubieten, erklärte Peter Lobenstein, Chef der Fachvereinigung Güterfernverkehr des Landesverbandes Güterverkehr in MV gestern. Daher müsse auch MV an dem Gigaliner-Test teilnehmen, forderte der Verbandsvize. Befürchtungen, durch die Riesen-Laster würden die Straßen noch mehr belastet und die Bahn immer weniger transportieren, wies er zurück. Die Lang-Lkw seien eine vernünftige Alternative für den Transport großvolumiger Güter, erklärte IHK-Bereichsleiterin Dorothee Crayen. Die Bahn könne im Einzelverkehr keine praktikablen Lösungen zu vernünftigen Preisen anbieten: "Es fehlt die Flexibilität in der Fläche." Unternehmer und Investoren glaubten nicht mehr an den Ausbau eines sehr teuren Güterbahnnetzes in MV, da derzeit viele Bahnstrecken wegen fehlender Auslastung aufgegeben werden, meinte FDP-Landesgeneralsekretär Thomas Heldberg. Verkehrsminister Schlotmann müsse daher "seine mit fragwürdigen Argumenten begründete Blockade des bundesweiten Feldversuchs umgehend aufgeben".

Doch Schlotmann wiegelt ab: "Lang-LKW können unsere Verkehrsprobleme nicht lösen", erklärte er gegenüber unserer Redaktion. "Im Gegenteil: sie erfordern langfristig zusätzliche Investitionen in die Infrastruktur. Darüber hi naus kommt es zur Wettbewerbsverzerrung, denn kleinere Speditionen können sich solche Fahrzeuge nicht leisten."

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen