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Millionenschweres Projekt gescheitert : WWF: Umweltausgleich für Gas-Pipeline

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Die Ostsee-Pipeline Nord Stream ist seit einer Woche in Betrieb - trotzdem müssen sich die Behörden nochmals mit dem Genehmigungsverfahren für das Vorhaben beschäftigen.

svz.de von
erstellt am 14.Nov.2011 | 08:16 Uhr

Stralsund/Peenemünde | Die Ostsee-Pipeline Nord Stream ist seit einer Woche in Betrieb - trotzdem müssen sich die Behörden nochmals mit dem Genehmigungsverfahren für das Vorhaben beschäftigen.

Hintergrund ist das gescheiterte Umweltausgleichsprojekt im Norden der Insel Usedom, wo die Nationalsozialisten bis 1945 für die Entwicklung ihrer V2-Waffen eine Raketenschmiede betrieben. "Es muss dringend für den Bau der Ostsee-Pipeline ein adäquater Umweltausgleich gefunden werden", sagt der Leiter des WWF-Ostseebüros, Jochen Lamp. Es sei skandalös, dass das einstige Militärgebiet überhaupt als Ausgleich angeboten wurde, obwohl es zu 90 Prozent munitionsbelastet sei.

Wegen der hohen Munitionsbelastung hatte das Bergamt Stralsund das Nord-Stream-Umweltprojekt in Peenemünde im vergangenen Sommer kurzfristig gestoppt. Auf dem 125 Hektar großen Areal sollte der Betreiber der 1200 Kilometer langen Pipeline für mehr als fünf Millionen Euro eine Lagunen-Landschaft schaffen, die dem Naturzustand von 1850 entspricht. Die Nationalsozialisten hatten beim Bau der Raketenschmiede rund 450 000 Kubikmeter Sand und Erde für einen Flugplatz aufgeschüttet. Diese Aufschüttung sollte wieder abgetragen werden.

Obwohl bekannt war, dass das Gebiet bei Luftangriffen der Alliierten bombardiert wurde und nach Kriegsende als Luftbodenschießplatz von NVA und russischen Truppen genutzt wurde, galt es bei den Landesbehörden bis zum Frühjahr als kampfmittelfrei. Der Leiter des Munitionsbergungsdienstes, Robert Mollitor, beruft sich auf Unterlagen aus den Jahren 1993 und 1994 der damaligen Bundeswehr-Standortverwaltung, in denen das Areal als "beräumt" eingestuft wurde. Wie sich herausstellte, war diese Einschätzung falsch. Bei einer Testsondierung vor Beginn des Nord-Stream-Projektes stießen die Munitionsberger auf scharfe und hochgradig explosive Geschosse. Das Gelände wurde in die Kategorie 4 "Kampfmittelbelastung - Beseitigung erforderlich" eingestuft. Das Bergamt und Nord Stream brüten nun über alternative Vorhaben, doch die dürften schwer zu finden sein. Denn in MV gibt es einen Mangel an Kompensationsflächen im Küstengebiet. Der Umweltverband WWF befürchtet, dass Nord Stream nun mit Ausgleichszahlungen das Problem loswerden könnte. "Man kann sich nicht mit Geld freiwaschen", sagt Lamp.

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