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Schweriner in Abschiebehaft : Wut über türkische Haft

vom
Aus der Onlineredaktion

Schweriner Pilger David Britsch noch in Abschiebehaft. Familie hofft auf Freiheit bis Weihnachten

svz.de von
erstellt am 06.Dez.2017 | 05:00 Uhr

Die Hoffnung bleibt: Dreieinhalb Wochen vor Weihnachten blickt die Familie des seit acht Monaten in türkischer Abschiebehaft sitzenden Schweriner Pilgers David Britsch auf die Freilassung des Mecklenburgers noch in diesem Jahr. „Wir hoffen alle sehr, Weihnachten wieder zusammen sein zu können“, sagte seine Ehefrau Heike Britsch jetzt gegenüber unserer Redaktion. Seit Monaten teile er das Schicksal anderer Inhaftierter aus Deutschland. Er sitze weiter im Abschiebegefängnis in der türkischen Provinz Erzurum im Ungewissen in Haft – mit weiteren sieben Inhaftierten in einer Zelle. Er wisse nicht, wie lange er noch festgehalten werde, erklärte seine Ehefrau. Auch Monate nach der Inhaftierung kenne weder er noch seine Familie den Haftgrund. Britsch, Erzieher und Buchbindemeister, war vor etwa einem Jahr zu einer Pilgertour nach Jerusalem aufgebrochen und wollte ursprünglich Ostern die Klagemauer erreichen – zu Fuß, allein und ohne Geld. Für den Mecklenburger war die Reise ein großes Gebet mit den Füßen für Frieden und Völkerverständigung und auch eine Suche nach sich selbst. Stattdessen komme bei ihm jetzt häufiger Unmut hoch, dass er noch immer festgehalten werde, erzählt seine Frau nach Telefonaten mit ihrem Mann: „Da ist Wut, Traurigkeit, Ohnmacht, ausgeliefert zu sein.“ Gerade erst habe ihr Mann im November seinen 55. Geburtstag erstmals ohne seine Familie begehen müssen.

Indes erfährt Britsch immer mehr Beistand: Nach der Freilassung des Menschrechtsaktivisten Peter Steudtner finde in der Berliner Gethsemanekirche weiter jeden Tag eine Andacht für zu Unrecht in der Türkei Inhaftierter statt, teilte der Evangelische Kirchenkreis Berlin Stadtmitte mit. Das tue ihm gut, wenn Menschen an ihn denken, meinte Britsch.

Zudem habe der Menschenrechtler Steudtner Hilfe zugesagt, zur Betreuung des Schweriners einen Kontakt zu einer evangelischen Pastorin in der Türkei zu vermitteln, sagte Britschs Ehefrau und wies Berichte zurück, die deutsche Botschaft würde sich aus Zeitnot nicht um ihren Mann kümmern.

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