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Mecklenburg-Vorpommern

17. Dezember 2017 | 07:30 Uhr

Familienstudie : Wunsch und Wirklichkeit

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Die Aufgabenteilung in der Familie macht viele Mütter unzufrieden

Der Mann geht zur Arbeit, die Frau betreut die Kinder zu Hause – lange Zeit sah so das vorherrschende Familienmodell aus. Doch die Rollenbilder ändern sich. Die Zahl der erwerbstätigen Frauen steigt und viele Väter wünschen sich mehr Zeit mit ihren Kindern. Doch was gibt bei der Entscheidung den Ausschlag, wer das Geld verdienen soll und wer sich um den Nachwuchs kümmert? Erstmals ist diese Frage umfassend untersucht worden. Die wesentlichen Entscheidungen treffen Paare meist noch vor der Geburt des ersten Kindes – in knapp 90 Prozent der Fälle ohne größere Meinungsverschiedenheiten. Vor der Geburt des Kindes arbeiten 71 Prozent der Männer und Frauen Vollzeit. Nach der Elternzeit entscheiden sich die meisten Paare für ein Modell, bei dem der Mann voll arbeitet und die Frau zumindest stundenweise oder in Teilzeit. Das geht aus einer Elternbefragung des Allensbacher Instituts für Demoskopie hervor, die Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig gestern in Berlin vorstellte. Die Schere zwischen „Wunsch und Wirklichkeit“ gehe auseinander, so die SPD-Politikerin. Eltern von heute würden sich Zeit für den Job wünschen, wollten dennoch berufstätig sein, erwarteten dabei aber zu Recht Unterstützung von Politik und Wirtschaft.

Wo liegen die Probleme? Besonders Frauen, die sich zunächst um die Kinder kümmern und im Beruf kürzer treten oder ihn ganz aufgeben, sind mit der Aufgabenverteilung oft nicht glücklich. 57 Prozent der Mütter mit Kindern unter sechs Jahren, die nicht wieder in den Job zurückgekehrt sind, halten Berufstätigkeit „für ziemlich wichtig“. Die Geburt eines Kindes bedeutet häufig einen tiefen Einschnitt in der Erwerbsbiografie von Frauen. Mit zunehmendem Alter sinkt der Anteil der Frauen mit Vollzeit-Job. Ab dem 30.
Lebensjahr sind es nur noch weniger als die Hälfte. Laut Allensbach-Studie wünscht fast die Hälfte der Eltern, dass Vater und Mutter die Kinder annähernd gleich viele Stunden betreuen – nur jedes dritte Paar praktiziert das auch so. Eine andere Aufteilung der Verantwortung in Beruf und Familie scheitert oft am Geld und am Arbeitgeber. 47 Prozent der Eltern geben an, sich die Familienarbeit deshalb nicht so teilen zu können wie gewünscht, weil sie es sich finanziell nicht leisten könnten. 45 Prozent sagten, der Arbeitgeber habe ihnen Steine in den Weg gelegt, so die Allensbach-Studie.

Wie sollten sich Eltern die Aufgaben teilen? „Wir können diese Entscheidung den Familien nicht abnehmen. Was wir aber tun können, ist, ihnen Unterstützung zu geben bei der Umsetzung ihrer Wünsche“, so Bundesfamilienministerin Schwesig. Änderungsbedarf sieht Schwesig unter anderem beim Ehegattensplitting, das unter dem Verdacht steht, Frauen oftmals von der Rückkehr in Berufstätigkeit abzuhalten. Defizite bei der Vereinbarkeit für Beruf und Familie seien eine Erklärung für die geringe Geburtenrate in Deutschland, so Schwesig.

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