Keine Reform des Bestattungsgesetzes : Würde des Menschen über den Tod hinaus

 Sepulkralkultur Oliver Ottitschs Umsetzung eines Cartoons über einen Friedhof.
Sepulkralkultur Oliver Ottitschs Umsetzung eines Cartoons über einen Friedhof.

Scheidungsdramen um die Asche und politisches Kapital mit den Toten – Antrag der Linken zur Reform des Bestattungsgesetzes abgelehnt

von
29. Januar 2016, 08:00 Uhr

Was passiert nach dem Tod mit meinem Köper? Diese Frage bewegt derzeit die Menschen in Mecklenburg-Vorpommern. Fast täglich erreichen uns Leserbriefe. Oftmals wird der Wunsch nach einer Reform des Bestattungsgesetzes laut. Ein entsprechender Antrag von den Linken wurde nun jedoch vom Landtag begraben. Die anderen Fraktionen warfen der Linken unter anderem einen Alleingang und wahltaktisches Kalkül vor.

„Ich hätte mir gewünscht, dass Sie mit uns in den Ausschüssen darüber diskutieren, statt mit diesem Thema politisches Kapital herauszuschlagen“, meinte CDU-Generalsekretät Vincent Kokert. Mit ihrem Antrag wollte die Linksfraktion unter anderem den Friedhofszwang abschaffen. Die Asche von Toten könnte so beispielsweise auch im eigenen Garten verstreut werden. Bis Juni 2016 sollte die Grundlage für eine Gesetzesnovelle erarbeitet werden, drei Monate vor den Landtagswahlen.

Peter Ritter, innenpolitischer Sprecher der Linken, benannte die Argumente, mit denen sich die Fraktionen CDU und SPD gegen die Reform stellten, als fadenscheinig. „Die Blockadehaltung der Koalition ist angesichts der Bedeutung des Themas nicht angemessen.“ Er hätte sich einen ergebnisoffenen Dialog gewünscht.

Neben der politischen Debatte wurde die Diskussion sehr schnell emotional. Die Würde des Menschen ende nicht mit dem Tod, war die allgemeine Haltung. Doch stand auch die Frage, wie diese geschützt werden könnte im Raum: Johann-Georg Jaeger, energiepolitischer Sprecher der Grünen, befürchtet beispielsweise, dass es im Scheidungsfall schon bald nicht mehr nur um die Kinder, sondern auch um die Urne eines geliebten Menschen ginge. Und was wäre, wenn eine Frau ihren Mann im Garten bestatte, dann aber E-Mails seiner Geliebten auf dem Rechner fände. „Dann landet die Urne auf dem Kompost“, so Jaeger.

Zuspruch für ihren Vorschlag bekam die Linke von der SPD. „Was hier erst in der Diskussion ist, ist in anderen Ländern bereits erlaubt und wird praktiziert“, meint der kommunalpolitischen Sprecher der SPD, Heinz Müller. „Meinen wir mit Menschenwürde nicht auch, dass der Mensch selbst entscheiden kann, was mit seiner Asche passiert?“

Vorbild für eine Diskussion könnte der Umgang des Deutschen Bundestags mit dem Thema Sterbehilfe sein, so Müller. Dort wäre ohne Zeitdruck und parteipolitische Vorfestlegung ein parlamentarisches Verfahren entwickelt, an dessen Ende die Abgeordneten über vier fraktionsübergreifende Gesetzesentwürfe entscheiden konnte.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen