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Fachtagung zu Seeschlachten : Wrack-Barrieren vor der Ostseeküste entdeckt

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Die Ostseeküste war vor über 300 Jahren offenbar weitaus besser gegen Angriffe feindlicher Flotten geschützt als bislang angenommen. Das belegen neue Funde und Forschungsergebnisse von deutschen Unterwasserarchäologen.

svz.de von
erstellt am 26.Mär.2012 | 10:31 Uhr

Stralsund | Die Ostseeküste war vor über 300 Jahren offenbar weitaus besser gegen Angriffe feindlicher Flotten geschützt als bislang angenommen. Das belegen neue Funde und Forschungsergebnisse, die deutsche Unterwasserarchäologen am kommenden Wochenende erstmals auf einer internationalen Konferenz über Denkmale historischer Seeschlachten in Stralsund präsentieren wollen.

In den Zugängen zur strategisch wichtigen Hansestadt Stralsund habe es während der schwedischen Besatzungszeit mindestens drei Wracksperren gegeben, sagte der Stralsunder Forschungstaucher Thomas Förster. Demnach sei neben der schon 1996 entdeckten und aus 20 Wracks bestehenden Schiffssperre südlich von Rügens Halbinsel Mönchgut eine weitere künstliche Barriere auf dem Meeresgrund vor Thiessow gefunden worden, sagte Förster.

Ein Hobbypilot hatte schon vor zehn Jahren bei gutem Wetter während eines Überfluges ein dunkles Objekt in der Zickerschen See vor Rügen ausgemacht. "Als wir später an der Stelle tauchten, fanden wir die Reste einer von vermutlich fünf dort versenkten Stralsunder Fregatten", sagte Förster. Inzwischen hätten Untersuchungen ergeben, dass das Schiff 1687 gebaut und im Jahre 1715 von den Schweden bei einem Gefecht mit dänischen Eroberern versenkt worden sei.

Auswertungen alter Seekarten belegten, dass die künstlichen Untiefen seinerzeit genau an jenen Stellen geschaffen wurden, die von den Kanonenbastionen auf Rügen und am Festland nicht mehr durch Beschuss erreichbar gewesen seien, sagte Förster. Reste solcher Befestigungsanlagen, mit denen die Seewege ziemlich effektiv geschützt worden seien, gebe es noch heute zum Beispiel bei Drigge, Stresow, Klein Zicker und an der Prosnitzer Schanze, der engsten Stelle zwischen Rügen und Festland.

"Wir vermuten ähnliche Wrackketten südlich der Insel Ruden und vor Hiddensee", sagte Förster. Bestärkung in ihrer Annahme finden die Wissenschaftler auch durch einen Überraschungsfund von Anglern, die im sogenannten Schwedenstrom bei Barhöft immer wieder ihre Blinker an einem Hindernis verloren hatten.

Die von ihnen informierten Experten stießen dann bei einem Tauchgang auf mindestens vier, jeweils bis 16 Meter lange Wracks. Die mit großen Kanonenkugeln beladenen Fahrzeuge seien offenbar in Eile während der Napoleonischen Kriege versenkt worden.

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