Urlaubsland MV : Wohnungen für Urlauber verboten

Streit um Ferienquartiere in Wohngebieten

svz.de von
10. März 2014, 21:30 Uhr

In den Urlaubsorten Mecklenburg-Vorpommerns macht sich kurz vor dem Start in die neue Saison Unsicherheit breit. Eigentümer von kleineren privaten Ferienwohnungen bekommen in diesen Tagen Post von ihren Landkreisverwaltungen. In den Schreiben wird ihnen das Vermieten an Feriengäste unter Androhung von Strafe untersagt. Grund: Ihre Ferienwohnungen befinden sich in einer als Wohngebiet deklarierten Anlage.

„Eine Katastrophe“, sagte Hans Volkmann aus Kühlungsborn, der selbst einen Brief bekam. Manche der angeschriebenen Eigentümer würden schon seit mehr als 15 Jahre ihre Objekte vermieten. Allein in Kühlungsborn seien 700 Ferienwohnungen betroffen, schätzte Volkmann ein. Viele Vermieter seien auf das Geld angewiesen. In Kühlungsborn, im benachbarten Wittenbeck und in Rerik haben sich bereits Bürgerinitiativen gegen die Verbote gebildet. Doch nicht nur die Küste ist betroffen. Aus Warin in Nordwestmecklenburg meldete sich unsere Leserin Kathrin Preidel. Auch sie bekam vom Landkreis die Aufforderung, das Vermieten an Feriengäste im Wohngebiet zu unterlassen. Rechtliche Grundlage ist unter anderem ein Urteil des Greifswalder Oberverwaltungsgerichts von 2007. Ferienwohnungen in einem allgemeinen Wohngebiet seien rücksichtslos, entschied in diesen Tagen auch ein Berliner Verwaltungsgericht in einem Eilbeschluss.

Eine Studie des Wirtschaftsministeriums macht die Dimension deutlich. Danach gibt es 8600 kleinere nichtgewerbliche Ferienwohnungen mit 38 550 Betten und 5,11 Millionen Übernachtungen im Land. Etwa 60 Prozent der Unterkünfte sollen nach 1990 in Wohngebieten errichtet worden sein.

„Die kleinen Ferienwohnungen sind eine der Säulen des Tourismus im Land“, sagte Tobias Woitendorf, Vize-Geschäftsführer beim Tourismusverband MV. Auch dort sei die Unsicherheit zu spüren. Um das Problem zu lösen, wollen Kommunen wie Rerik bestehende Bebauungspläne unter Berücksichtigung der Ferienwohnungen ändern. Das Verfahren dauert mehr als ein Jahr und ist vor der neuen Saison nicht mehr realisierbar.

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