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Mehrgenerationen-Wohnen : Wohnmodelle für die Zukunft

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Mehrgenerationen-Wohnen als Alternative zum Eigenheim

Die statistische Kurve zeigt nach oben: Immer mehr Menschen leben allein in ihrem Haushalt. Viele von ihnen sind schon älter, der Partner ist gestorben, sie selbst laufen Gefahr zu vereinsamen oder im Alltag nicht mehr allein zurechtzukommen. Prof. Henning Bombeck, Professor für Siedlungsgestaltung an der Universität Rostock, erklärt Folgen und Alternativen.

Warum steigt der Anteil der älteren Stadtbewohner?
Bombeck: Ein wesentlicher Grund ist der Zuzug aus dem Umland. Auf dem Land können sich viele nicht mehr versorgen, es gibt nicht ausreichend Ärzte oder Einkaufsmöglichkeiten. Also weichen sie in die Städte aus, obwohl viele lieber in ihrem Dorf geblieben wären. In Dobbertin gibt es jetzt einen Ausweg: eine Senioren-Siedlung, die wir „Dorf im Dorf“ nennen. Das ist ein barrierefreies, altengerechtes Wohnmodell im ländlichen Raum, aber im gewohnten sozialen Umfeld. Das wird extrem nachgefragt.

Was ist aus Ihrer Sicht von Mehrgenerationen-Wohnmodellen in den Städten zu halten?
Ich finde das sehr attraktiv, weil hier intakte soziale Netzwerke mit einem gesunden Altersgemisch neu entstehen können. Allerdings bin ich der Überzeugung, dass man in diesen Gemeinschaften relativ gut miteinander können muss, damit es funktioniert. Es werden Regeln des vernünftigen Umgangs gebraucht, auch was das Finanzielle betrifft. Nicht jeder Konflikt kann vorausgedacht werden. Zumal durch Fluktuation neue Ansichten dazukommen können, die bis dato keine Rolle gespielt haben. Man darf nicht vergessen: Die Menschen investieren ihre finanzielle Lebensleistung in so ein Haus, sie richten ihre Planung danach aus. Da möchten sie natürlich ihre eigenen Ansprüche nicht endlos zurückstellen.

Sind solche Wohngemeinschaften die Lösung mancher sozialer oder alltäglicher Probleme?
Ob sie das Allheilmittel sind, kann ich nicht sagen. Wir erwarten von diesem Miteinander der Generationen einiges, strapazieren vielleicht auch das Klischee vom Zusammenleben in einem Haushalt, wie es früher üblich war. Wichtig sind – neben den Gemeinschaftsflächen – eben auch Rückzugsmöglichkeiten. Beides kann baulich verzahnt werden.

Was ist dort anders als in normalen Häusern, in denen die Leute sich auch kennen?
Dass man sich schon vorher darauf verständigt hat, einander zu unterstützen. Das ist einerseits eine Verpflichtung, andererseits schafft es die Möglichkeit für Wohneigentum ohne die Vereinzelung, die das normalerweise bedeutet. Insofern sind diese Modelle eine echte Alternative. Und oft sind sie auch finanziell durchaus attraktiv, weil man dieses Eigentum gut wiederverkaufen kann.


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