Bauen & Wohnen : Wohneigentümer ziehen sich in MV zurück

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Niedrigste Eigentumsquote seit fast 20 Jahren. Weniger junge Leute wohnen in den eigenen vier Wänden

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09. August 2019, 20:00 Uhr

Miete zahlen statt Kredite tilgen: Trotz billigem Baugeld bleibt für immer mehr Einwohner in MV der Traum vom Eigenheim oder der Eigentumswohnung unerfüllt. Die Anzahl der Wohneigentümer ist im Nordosten auf den niedrigsten Stand seit fast 20 Jahren gesunken, geht aus einer gestern vorgelegten Analyse des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) hervor. Danach verfügten 2017 nur noch etwa 30 Prozent der Haushalte über selbstgenutztes Wohneigentum. 2010 waren es noch etwa 45 Prozent gewesen, im Jahr 2000 wenigstens noch 35 Prozent, ergab die Studie im Auftrag der Bausparkasse Schwäbisch Hall. Damit zählt Mecklenburg-Vorpommern im bundesweiten Vergleich die wenigsten Wohneigentümer aller Flächenländer in Deutschland.

Verzicht auf Wohneigentum Trend im Osten

Ein ostdeutscher Trend: In den neuen Ländern blieb die Wohneigentumsquote in allen Regionen unter dem bundesweiten Durchschnitt von etwa 45 Prozent. Seit 2010 stagniert der Anteil. Die höchste Quote aller Bundesländer verzeichnete 2017 Baden-Württemberg. Dort wohnen 54,4 Prozent aller Haushalte in der eigenen Immobilie, dicht gefolgt von Niedersachsen mit 54 Prozent.

Die Entwicklung in MV schlägt sich indes in den Auftragsbüchern der Bauwirtschaft in MV nieder. Während Investoren ihr Kapital weiter in Immobilien anlegten, gehe der Trend zum Eigenheim zurück, beobachtete Jörn-Christoph Jansen, Geschäftsführer des Bauverbandes MV. Die Branche spürt es: Im Mai sind die Auftragseingänge im Wohnungsbau in MV um knapp 18 Prozent zurückgegangen, ermittelte der Verband. Häufig fehle es an Baugenehmigungen, kritisierte Jansen. Es müssten endlich Ausschreibungen auf den Markt kommen, fordert der Verband.

Bundesweit war die Zahl der Ersterwerber rückläufig, ergab die Studie. Zwischen 1998 und 2002 zählten noch 700 000 Haushalte jährlich zu den Ersterwerbern, in den Jahren 2016 und 2017 waren es jeweils weniger als 400 000 Haushalte, was etwa einem Prozent aller Haushalte entspricht.

Junge Leute zahlen lieber Miete

Vor allem jüngere Leute halten sich zurück: Tendenziell steige die Wohneigentumsquote bei älteren Haushalten sowie Freiberuflern und Selbstständigen – bei jüngeren Haushalten sinkt diese dagegen. So sei bei den 35- bis 44-Jährigen die Quote zwischen 2010 und 2017 um fünf Prozentpunkte gefallen, bei den über 65-Jährigen dagegen um fünf Prozentpunkte gestiegen. Dabei können viele von den niedrigen Bauzinsen nicht profitieren. „Faktisch finden junge Haushalte, die dann auch entsprechend mehr Zeit für die Rückzahlung ihrer Kredite hätten, kaum noch Zugang zum Wohneigentumsmarkt“, so die Autoren der Studie. Außerdem ist zum Beispiel bei Selbstständigen die Wohneigentumsquote gestiegen, bei Beamten ist sie dagegen rückläufig.

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