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Gewerkschaft kritisiert : Wohlfahrtsverbände zahlen in Kitas Niedriglöhne

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Kein Einzelfall: Eine Kita-Erzieherin, Mitte 50 und mit langjähriger Berufserfahrung, bekommt für 30 Stunden in ihrem anspruchsvollen Beruf gerade einmal 1540 Euro brutto, netto bleiben ihr nur wenig mehr als 1000 Euro.

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erstellt am 18.Jun.2013 | 08:57 Uhr

Schwerin | Eine Kita-Erzieherin, Mitte 50 und mit langjähriger Berufserfahrung, bekommt für 30 Stunden in ihrem anspruchsvollen Beruf gerade einmal 1540 Euro brutto, netto bleiben ihr nur wenig mehr als 1000 Euro. Ein Beispiel, auf das Daniel Taprogge, Tarifreferent bei der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), bei einem Wohlfahrtsträger in Mecklenburg-Vorpommern gestoßen ist. Und kein Einzelfall, wie der Gewerkschafter betont. Viele freie Wohlfahrtsverbände bezahlten ihre qualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Kindertagesstätten so schlecht, dass diese nur knapp über dem Niedriglohnbereich liegen. Die Erzieherin im geschilderten Fall zum Beispiel liegt gerade einmal 1,50 Euro über dem statistisch ermittelten Niedriglohn von 10,36 Euro pro Stunde. Problematisch, so Taprogge, werde das vor allem dann, wenn Erzieherinnen nicht Vollzeit arbeiteten. Sie müssten zum Teil ergänzende Sozialleistungen beantragen, um über die Runden zu kommen. "Die Qualität der Arbeitsbedingungen zeigt die Wertschätzung der Arbeit von Erzieherinnen und Erziehern. Für viele Träger scheint deren Arbeit jedoch nur noch ein Wirtschaftsfaktor zu sein", rügt Tap rogges Kollegin Heike Schweda, die Leiterin des Vorstandsbereichs Jugendhilfe und Sozialarbeit der GEW.

Lediglich die von den Kirchen getragenen Wohlfahrtsverbände Caritas und Diakonie würden Erzieher und Erzieherinnen im Land flächendeckend annähernd so entlohnen, wie es im öffentlichen Dienst tariflich geregelt sei, so die GEW-Experten. Als besonders negatives Beispiel nennt Tap rogge den AWO-Kreisverband Güstrow, wo Erzieherinnen, die voll arbeiteten, im Monat nur 1900 Euro brutto bekämen. Aber auch bei der Volkssolidarität, dem DRK, in einigen Regionalverbänden des ASB und weiteren AWO-Kreisverbänden sei man von einer angemessenen - sprich: tariflichen - Vergütung in Kitas weit entfernt. Auch das neue Kindertagesförderungsgesetz (Kifög), das der Landtag heute voraussichtlich beschließen wird, geht dem Gewerkschafter in dieser Hinsicht nicht weit genug.

Sozialministerin Manuela Schwesig (SPD) will das nicht so stehenlassen: "Es ist ein zentraler Bestandteil des Kifög, nicht nur die frühkindliche Bildung in Mecklenburg-Vorpommern zu stärken, sondern auch die Arbeitsbedingungen für Erzieherinnen und Erzieher zu verbessern. Dazu gehört selbstverständlich auch eine angemessene Bezahlung für deren verantwortungsvolle Arbeit", so die Ministerin. "Das Kifög lässt keinen Zweifel an der Orientierung an Tariflöhnen. Ich erwarte von allen Trägern im Land, dass sie Tarifverträge mit ihren Beschäftigten abschließen." Landesmittel würden nur an solche Träger von Einrichtungen weitergeleitet, die sich an den jeweiligen tariflichen Bedingungen orientieren und sich verpflichten, ihren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern mindestens ein Stundenentgelt von 8,50 Euro brutto zu zahlen, so Schwesig.

Genau diese Orientierung am von der Landesregierung geforderten Mindestlohn sei im Falle von Kita-Erzieherinnen aber zu wenig, meint GEW-Tarifreferent Taprogge. Auch der Geschäftsführer des von ihm gescholtenen AWO-Kreisverbandes Güstrow, Peter Schmidt, betont, deutlich mehr als den Mindestlohn zu zahlen. "1900 Euro sind das Einstiegsgehalt, im Schnitt verdienen unsere Mitarbeiterinnen über 2000 Euro, wenn sie voll arbeiten." Da der Betreuungsschlüssel verändert wurde, sei die Mehrheit der Verträge jetzt auf 35 Stunden heraufgesetzt worden. "Für uns macht es das allerdings nicht einfacher, denn wenn Teilzeitkräfte krank werden oder Urlaub haben, sind sie leichter zu ersetzen."

Völlig undenkbar ist es aus Sicht des AWO-Mannes, die Bezahlung an der im öffentlichen Dienst zu orientieren. "Die Kommunen haben die Kitas schließlich an uns abgegeben, um Kosten zu sparen" - da fast alle anderen Kosten fest wären, ginge das nur beim Personal.

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