Tierparkauflösung : Wohin mit den Affen?

Die Berber-Affen  aus dem Tierpark Burg Stargard suchen – genau wie drei Japan-Makaken-Affen – neue Besitzer.
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Die Berber-Affen aus dem Tierpark Burg Stargard suchen – genau wie drei Japan-Makaken-Affen – neue Besitzer.

Tierparkauflösung in Burg Stargard: Von einst 250 Tieren haben bis auf 30 alle ein neues Zuhause gefunden

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30. März 2016, 08:00 Uhr

Wie löst man einen Tierpark auf? – Mit dieser Frage befasst sich seit viereinhalb Monaten die Kleinstadt Burg Stargard bei Neubrandenburg. „Da gibt es viele Fragen, mit denen man zum Teil vorher gar nicht rechnet“, sagt Bürgermeister Tilo Lorenz (CDU).

Doch seit November 2015 sei man bereits ein gutes Stück vorangekommen. „Von einst 250 Tieren sind noch 30 Zootiere bei uns“, erklärt Martin Richter, der im Amt Burg Stargard für den Tierpark zuständig ist.

Das Ende des Tiergartens auf dem Klüschenberg war die erste Zooschließung seit 20 Jahren im Nordosten. Die Kosten von 150 000 Euro im Jahr hatte die Kleinstadt mit 6000 Einwohnern nicht mehr tragen können. Das größere Neubrandenburg, einst Bezirksstadt, hatte sich schon lange aus der Finanzierung zurückgezogen.

Viele Tiergärten, Wildgatter und auch private Tierfreunde kümmern sich inzwischen um die Tiere vom Klüschenberg.

Als Erste waren die Nasenbären weg. „Sie fühlen sich inzwischen in Perleberg (Brandenburg) wohl“, weiß Richter. Die aus Wolgast stammenden Kapuzineräffchen sind dorthin wieder zurückgekehrt. Eichhörnchen und etliche Vögel gingen nach Güstrow und Marlow südlich von Rostock.

„Unser größtes Problem sind die Berberaffen“, sagt Bürgermeister Lorenz. Elf der Tiere leben in Burg Stargard, zudem drei ältere Japan-Makaken in anderen Gehegen. Viele Zoos hätten aber eigene Affengruppen.

 „Dazu kommt, dass man Einzeltiere sehr schlecht in andere Affengruppen integrieren kann“, erläutert Constanze Köbing, die im Tiergarten Neustrelitz arbeitet. „Mit Affen ist es generell schwierig, dass sie sich in eine andere Sozialstruktur einfügen“, fügt sie hinzu.   Denn dabei kann es schnell zu Rangkämpfen kommen, die durchaus mit schweren Verletzungen enden. In Neustrelitz war ein Affenmännchen nach Auseinandersetzungen schon aus dem Zoo geflüchtet und musste wieder eingefangen werden.

Auch mit Raubtieren wie Luchs und Wildkatze haben die Burg Stargarder noch Probleme. Dazu kam, dass man von den beiden Uhus nicht das genaue Alter und Geschlecht wusste, da die Raubvögel mal im Tierpark abgegeben wurden.

„Das mussten wir erst bestimmen lassen“, erklärt Lorenz. Für Luchse, Wildkatze, einen Laufvogel, einen Waschbär, der mit einem Marderhund zusammenlebt, und die Uhus hofft man derzeit auf eine Auffangstation in Bayern. „Wenn die Veterinärbehörden zustimmen, könnte es Mitte April mit der Lieferung von zehn Tieren etwas werden“, betont Richter.

Mit dem eigentlichen Tierpark-Rückbau wurde noch nicht begonnen. Der Klüschenberg mit dem alten Baumbestand soll zu einem natürlichen Erholungspark umgebaut werden. „Wir konnten bisher die Futterküche nicht  schließen, weil ja noch Tiere da sind“, sagt Martin Richter. Den Krach beim Abbau von Gehegen oder alten Einrichtungen wolle man den verbliebenen Tieren nicht zumuten.

 „Das Gute ist aber, dass manche Tierhalter auch Gehege von uns haben wollen.“ Ganz allein müssen die Kleinstädter den Umbau auch nicht bewältigen: „Das Land hat uns schon finanzielle Hilfe zugesagt“, erklärt der Bürgermeister.

Die Tiere, die dem Ort einst die meisten Schlagzeilen brachten –  Kängurus und die kleinen Muntjak-Zwerghirsche –  sind auch schon an einen privaten Tierhalter in der Region abgegeben worden. Und die Kängurus und Muntjaks, die vorher aus dem Tiergarten ausgebüxt waren, sind bisher nicht wiedergekommen.

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