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Wölfe in MV : Wölfe im Revier: Streit um Abschuss

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Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Die Zahl der Schafe, die bei Wolfsangriffen getötet werden, steigt: Jäger fordern den Abschuss, Naturschützer mahnen zur Besonnenheit

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erstellt am 02.Jan.2017 | 20:45 Uhr

Viermal hat es Schäfer Torsten Kruse schon erwischt. Viermal hat ein Wolf im vergangenen Jahr seine Tiere angegriffen. „Der Wolf springt einfach über den Zaun“, sagt Kruse. Dabei hat der Schäfer schon aufgerüstet, einen höheren Elektrozaun angebracht, Wachhunde angeschafft.

Ein Wildtierhalter in Vorpommern hat es erst vor einer Woche noch schlimmer erwischt: Zehn Tier in einem Damwildgatter haben den nächtlichen Raubtierangriff nicht überlebt. In der nahen Region musste zudem noch ein Schaf daran glauben. Ende Oktober wurde im Landkreis Ludwigslust-Parchim ein Jungrind gerissen – Wölfe in Deutschland auf Beutezug.

Sachsen-Anhalts Wolfsbeauftragter Andreas Berbig hat sich die Situation vor Ort angeschaut. „Wir müssen überlegen, was wir da noch tun können, um wieder Ruhe zu bekommen“, sagt er.

Nur was? Mehr als 70 Schafe sind dem Wolf allein im vergangenen Jahr in Sachsen-Anhalt zum Opfer gefallen, in Mecklenburg-Vorpommern mindestens 27. Auch in Brandenburg sieht es nicht anders aus – 74 Schafe wurden in der Mark gerissen.

Der Wolf – lange Zeit in Deutschland ausgerottet – kehrt zurück, die Zahlen steigen. Bundesweit wird den Angaben zufolge die Zahl der Wölfe auf 470 geschätzt. 46 Wolfsrudel soll es geben – 16 in Brandenburg, 15 in Sachsen, 7 in Sachsen-Anhalt, zwei wurden in MV nachgewiesen.

Vor allem aus den Reihen der Jäger kommen Forderungen, die Ausbreitung des Wolfes stärker zu regulieren. „Aktuell beobachten wir, dass der Wolf das Muffelwild zurückgedrängt“, sagt der Geschäftsführer von Sachsen-Anhalts Jagdverband, Wilko Florstedt. Im Sinne des Artenschutzes dürfe aber nicht eine Tierart gegen eine andere aufgewogen werden. Florstedt sagt, es fehle schlicht ein bundesweites Konzept, eine Zielgröße, wie sich der Wolfsbestand entwickeln soll. „Zunehmend regt sich Missmut, die Akzeptanz für den Wolf schwindet.“ Besonders bei Bauern, die durch Wolfsangriffe Tiere verloren haben.

Berbig beruhigt: Zwar führe die steigende Zahl der Wölfe auch zu mehr Angriffen der Raubtiere, das halte sich jedoch im Rahmen. Auch Naturschützer mahnen zu Besonnenheit. „Die Rückkehr des Wolfes ist eine Erfolgsgeschichte“, sagt Christiane Schröder vom Naturschutzbund (Nabu). Der Wolf erobere sich Lebensräume zurück, weil er nicht mehr gejagt werden darf.

Trotzdem wird von Jägerseite immer wieder ein Abschuss ins Spiel gebracht. Bislang ist das in Deutschland wegen des strengen Schutzes des Wolfes verboten. Florstedt empfiehlt, sich an anderen Ländern zu orientieren. „Länder wie Frankreich, Schweden oder Finnland greifen aktiv in die Population ein, um den rasanten Anstieg des Wolfsbestandes etwas abzubremsen.“ Das könne auch Konflikte mit Tierhaltern minimieren.

Schröder vom Nabu hält dagegen. Bestände durch Abschuss zu regulieren mache keinen Sinn. „Wenn da aus einem Rudel ein Tier rausgeschossen wird, muss sich das ganz Rudel neu finden.“ Das bedeute: Ein älteres Tier habe gelernt, das Rudel vom Elektrozaun um eine Schafherde fernzuhalten. Werde dieses Tier geschossen, probiere das Rudel vielleicht wieder mehr aus. Berbig sagt dazu: „Ein Wolf, der abgeschossen wird, kann seine Erfahrung nicht mehr weitergeben.“ Macht ein bestimmter Wolf allerdings regelmäßig Probleme, kann er trotz strenger Schutzvorgaben laut Bundesumweltministerium bereits heute abgeschossen werden.

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