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Raubtiere in Mecklenburg-Vorpommern : Wölfe auf Reviersuche

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Raubtiere siedeln zwischen Schwerin und der Elbe / Spurensuche nach Wolfspaar von Neustadt-Glewe

svz.de von
erstellt am 23.Jan.2015 | 08:00 Uhr

An die Bilder wird man sich gewöhnen müssen: Am Mittwoch wurde ein Wolfspaar auf einem Feld nahe Neustadt-Glewe entdeckt und fotografiert – der erste gesicherte Nachweis in der Region. Gestern will ein Autofahrer nahe des Rastplatzes Stolpe an der Autobahn 24 direkt an einer Schutzplanke ein Wolfspärchen gesichtet haben, berichtet die Polizei.

Wölfe in MV auf Wanderschaft – für Norman Stier Normalität. 35 Rudel hätten sich inzwischen in Deutschland angesiedelt. In MV, in Brandenburg, Sachsen, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, mit einer großen Zahl von Welpen: „Da gehen immer mehr Jungtiere auf Wanderschaft“, meint der Wolfsexperte der TU Dresden gestern nach der erneuten Sichtung der Raubtiere. Aus der Lüneburger Heide, aus Polen, aus dem benachbarten Brandenburg – von überall kämen die Tiere aus der Familie der Hunde auch nach MV.

Wie die beiden nahe Neustadt-Glewe: Ein neues Wolfspaar oder Geschwistertiere auf Exkursion – noch sei nichts sicher, meint Stier, der die Wolfsbeobachtung in MV koordiniert. Falls sich ein neues Paar gefunden habe, sei es wahrscheinlich, dass die Jungtiere aus anderen Regionen abgewandert seien. Ein neues Paar aus dem Rudel in Lübtheen schließt Stier indes nahezu aus: Wölfe bildeten kein Paar von Geschwistern und vermieden Inzest, erklärt der Experte. Auch sei es für die Welpen aus der Lübtheener Heide noch ziemlich früh, auf Wanderschaft zu gehen. Stier jedenfalls werde die Tiere im Auge behalten. Spurensuche: Vielleicht gelinge es anhand genetischer Proben, die Tiere zu identifizieren.

Reviersuche der Raubtiere – europaweit. Bis zu 1000 Kilometer wanderten die Tiere, berichtet Stier. So sei nachweisbar, dass sich ein Wolf aus Deutschland bis nach Weißrussland aufgemacht habe. Oder nach MV: Zwei Rudel sind im Nordosten nachgewiesen – in der Lübtheener Heide, in der Ueckermünder Heide. Erstmals nach 150 Jahren zogen sie in diesem Jahr in MV wieder Nachwuchs auf – fünf Welpen in Lübtheen, vier in der Ueckermünder Heide. Mehr als sieben Monate sind die Kleinen jetzt alt, alle sind wohlauf, belegen Fotos. Ausgewachsen sei der Wolfsnachwuchs inzwischen, von den Eltern kaum noch zu unterscheiden. Die Wolfsgemeinde in MV ist indes längst größer: das halbe Land gilt mittlerweile als Wolfsgebiet. In der Region Sternberg wird er vermutet, ein Tier zwischen der Prignitz und Parchim, ein Rüde zwischen der Kyritz-Ruppiner Heide und dem Altkreis Mecklenburg-Strelitz. Es werden mehr: Vor allem in Südwestmecklenburg. Im Großraum südlich von Schwerin, entlang der Autobahn 24 bis zur Elbe – Nachweise ließen darauf schließen, dass sich in der Region mehr Wölfe ansiedeln würden, erwartet Stier.

Für Schäfer und Jäger ein Graus, Freude bei Naturschützern: Mehr als 100 Jahre war der Wolf in Deutschland ausgerottet, inzwischen gewinnt die Debatte um seine Zukunft an Schärfe. Nahe Loosen im Landkreis Ludwigslust-Parchim warnen bereits an Zugangswegen zum Wald Wolfsschilder vor den Raubtieren, berichtet unser Leser Karl-Heinz Woelk. Offenbar wollten Jäger Angst schüren, vermuten Anwohner. Dabei gebe es dafür gar keinen Anlass, sagt Wolfsexperte Stier: Jungtiere seien zwar neugierig, Wölfe aber scheu. Die Tiere mieden Menschen und würden sich bei Kontakt mit Spaziergängern im Normalfall zurückziehen. Wer dennoch Bedenken habe, in Wolfsgebieten spazieren zu gehen, sollte sich lautstark bemerkbar machen. Allen anderen rät Stier: Wer keine Angst habe, der sollte den Moment genießen, einen Wolf in freier Wildbahn mit eigenen Augen sehen zu können: „Das ist nicht häufig der Fall.“ 

 

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