Kinderschutzbund Rostock : „Wo wir sind, bist Du sicher“

Guido Eicher kümmert sich darum, dass Kinder in Rostock in Notsituationen Zufluchtsorte vorfinden.
Guido Eicher kümmert sich darum, dass Kinder in Rostock in Notsituationen Zufluchtsorte vorfinden.

Mit Spenden Schutzräume für Kinder schaffen: Kinderschutzbund Rostock ist Träger des Projektes Notinsel in der Hansestadt

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04. Dezember 2014, 07:59 Uhr

Gewalt und Übergriffe gegen und auf Kinder gibt es in der heutigen Zeit immer wieder, sei es, dass ein Kind in der Schule schikaniert wird oder sich auf dem Heimweg durch Fremde bedroht fühlt. Diesem Problem entgegenwirken möchte das deutschlandweite Projekt Notinsel, das von der Stiftung Hänsel+Gretel ins Leben gerufen wurde. Ziel ist es, Kindern in Angst- oder Gefahrensituationen Schutz zu bieten, ihnen einen Zufluchtsort zu geben.

Auch in Rostock gibt es mittlerweile zahlreiche dieser Notinseln. „Seit 2010 konnten wir in der Stadt und Umgebung rund 110 Zufluchtsorte für Kinder schaffen“, erklärt Guido Eicher. Er ist ehrenamtliches Mitglied im Kinderschutzbund Rostock. Der Ortsverband ist Träger des Notinsel-Projekts in der Hansestadt – bisher dem einzigen Standort in Mecklenburg-Vorpommern und der Prignitz.

„Mit den Notinseln wollen wir Schutzräume für Kinder schaffen, ihnen das Gefühl von Sicherheit vermitteln“, erklärt der 37-Jährige. „In Rostock ist uns zum Glück noch kein Fall begegnet, in dem ein Kind direkt vor körperlicher Gewalt in eine Notinsel fliehen musste. Obwohl das leider in anderen Städten schon vorgekommen ist“, so Eicher. „Aber – und das ist das Schöne an diesem Projekt – Kinder finden hier auch bei vermeintlich kleinen Problemen des Alltags Hilfe.“ Der Rostocker erinnert sich an einen Fall: „Einmal kam ein Kind ganz aufgelöst zu uns ins Café. Es hatte Angst, seinen Schlüssel verloren zu haben und hat sich deshalb nicht nach Hause getraut. Wir haben es dann beruhigt und gefragt, woher es kommt und ob es die Telefonnummer von Zuhause weiß. In diesem Fall konnten wir seine Mutter erreichen.“ Während des Telefonats stellte sich heraus, dass das Kind seinen Schlüssel in der Wohnung liegengelassen hat. „Daraufhin hat es sich dann sichtlich erleichtert auf den Heimweg gemacht“, erzählt der Rostocker. Aber auch wenn sich Kinder zum Beispiel verlaufen haben und ihre Eltern nicht wiederfinden können, sind die Notinseln für sie da. „Wichtig ist, dass sie wissen: Da gibt es einen Ort, zu dem ich hin kann. Deshalb ist es auch ganz wichtig, dieses Projekt an den Schulen und Kindergärten bekannt zu machen“, betont der 37-Jährige.

Bei den Notinseln handelt es sich übrigens nicht um spezielle Einrichtungen mit Fachpersonal, sondern um ganz normale Geschäfte, Bankfilialen oder Cafés, Bäckereien oder Apotheken. Orte, die leicht und schnell zu erreichen sowie frei zugänglich sind und in denen Kinder immer einen Ansprechpartner finden. Ein Aufkleber mit dem Logo, außen gut sichtbar am Geschäft angebracht, zeigt den Kindern: „Wo wir sind, bist Du sicher“.

„Und man muss auch keine Fachkraft sein, um ein Notinsel-Partnergeschäft zu werden. Schließlich geht es nicht vorrangig darum, alle Probleme sofort zu lösen, sondern wichtig ist, dem Kind das Gefühl von Sicherheit zu vermitteln“, unterstreicht Eicher. Wer Partnergeschäft wird, unterschreibt eine Vereinbarung und erhält den Notinsel-Aufkleber mit dem Logo sowie eine Handlungsanweisung. Auf dieser wird den Mitarbeitern kurz erläutert, was zu tun ist, wenn ein Kind Hilfe braucht. Außerdem findet man hier für dringende Fälle die Notrufnummern der Polizei, des Notarztes sowie des örtlichen Kinder- und Jugendnotdienstes.

Kosten entstehen dem Partnergeschäft nicht. Die Materialien, die sie erhalten, werden durch Spenden aus Aktionen wie die unserer Zeitung finanziert. „Ganz unkompliziert und ohne großen Aufwand kann man sich auf diese Weise sozial engagieren und Kindern helfen“, hebt der Rostocker hervor.

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