zur Navigation springen

Gesundheitspreis MV : Wo Wassertreten auf dem Stundenplan steht

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Zum zweiten Mal wurde gestern in Rostock der Gesundheitspreis Mecklenburg-Vorpommern verliehen. „Gesundheit lernen – gesund leben“ lautete das Motto. Wir stellen zwei der Preisträger vor.

svz.de von
erstellt am 12.Apr.2016 | 08:00 Uhr

Roller, Bälle, Hula-Hop-Reifen: Der Weg auf den Pausenhof führt in der Grundschule Wöbbelin vorbei an einem riesigen Arsenal von Sport- und Spielgeräten. Und von den 90 Mädchen und Jungen aus den Klassen 1 bis 4 greift auf dem Weg nach draußen auch so gut wie jeder zu.

„Bewegung und Gesundheit werden bei uns ganz groß geschrieben“, sagt Jana Podlipnik, die Leiterin der kleinen Schule unweit von Ludwigslust. Der rührige Schulverein sorgt zum Beispiel dafür, dass die Sportgeräte regelmäßig erneuert werden. Und die Kinder selbst tun auch etwas dafür: Beim Sponsorenlauf im September haben sie 3000 Euro erlaufen. „Der Schülerrat hat dann in allen Klassen besprochen, was dafür angeschafft werden soll: Die Entscheidung fiel für eine große Schaukel“, erzählt die Schulleiterin.

Und die darf außerhalb des Unterrichts auch uneingeschränkt benutzt werden – genauso wie die Kleinsportanlage, die in jeder Hofpause offen steht. „Denn Bewegung hält gesund. Und gesunde Kinder sind leistungsfähiger und glücklicher“, ist Jana Podlipnik überzeugt. Ganz bewusst hat sich das Kollegium deshalb auch um den Gesundheitspreis beworben. Denn die sechs Lehrerinnen glauben: „Gesundheit ist erlernbar, zumindest bis zu einem gewissen Grad.“

Schon 2009 wurden die Wöbbeliner „Anschub“-Schule. Im entsprechenden Programm der Bertelsmann-Stiftung qualifizierte sich das Kollegium geschlossen zu Gesundheitslehrerinnen – und beschäftigte sich dabei auch intensiver mit den kneippschen Gesundheitsidealen. Mittlerweile sind die fest im schulinternen Lehrplan verankert. „Denn am 1. Juni 2012 wurden wir die erste Kneipp-Schule in Mecklenburg-Vorpommern“, erzählt Jana Podlipnik nicht ohne Stolz. Seither stehe für jede Klasse pro Woche eine Kneipp-Stunde im Plan, in der sich die Kinder in Theorie und Praxis mit den fünf Säulen der Lehre Kneipps – Wasser, Ernährung, Heilpflanzen, Bewegung und Lebensführung – beschäftigen. „Als selbstständige Schule dürfen wir das selbst entscheiden“, betont die Leiterin.

Überhaupt zieht sich Kneipp durch den gesamten Schulalltag. So geht es täglich zwischen der ersten und zweiten Stunde für alle Kinder ohne Schuhe und Strümpfe hinaus zum Tautreten – oder im Winter auch barfuß in den Schnee. Wassertreten und Armbäder sind schon den Jüngsten vertraut – und setzen Reize, die anschließend für erhöhte Aufmerksamkeit und ganz nebenbei auch noch für ein starkes Immunsystem sorgen. Unterrichtsstunden werden immer wieder durch Bewegung unterbrochen – das fördert Aufmerksamkeit und Konzentration. „In meiner zweiten Klasse habe ich zum Beispiel gerade die Malfolge mit der Vier eingeführt. Dabei gehen die Kinder und zählen die Schritte – und bei jeder durch vier teilbaren Zahl klatschen sie in die Hände“, nennt Jana Podlipnik ein Beispiel.

Auch die anderen Säulen der Kneippschen Lehre finden sich im Schulalltag wieder: „Kräuter wachsen in unserem Garten und dienen zur Herstellung von Tees, Salben, Duftsäckchen oder Dips“, zählt die Schulleiterin auf. Ein monatliches gesundes Frühstück, zu dem alle Klassen beitragen, macht die Kinder mit der Vielfalt zur Verfügung stehender Nahrungsmittel bekannt. In der dritten Jahrgangsstufe legen alle Kinder den Ernährungsführerschein ab. „Und auch das Element Lebensordnung ist in vielen Projekten vertreten, zum Beispiel beim Yoga, der Rückenschule, im Schulorchester oder auch im Schülerrat.“

In der Bewerbung um den Gesundheitspreis ist auch von der Barfuß-Taststrecke die Rede, die zusammen mit den Eltern gebaut wurde. Die Streuobstwiese ist aufgeführt, der schuleigene Bienenwagen, die Apfelkisten-Apfelpause… Das alles schlage sich in einem sehr niedrigen Krankenstand nieder – und darin, dass die Kinder sichtlich gern zur Schule gehen, betont die Leiterin. Dabei werde, wie an anderen Schulen, auch in Wöbbelin nur mit Wasser gekocht. „Die Kinder können wir uns nicht aussuchen, aber wir können sie dort abholen, wo sie stehen“, ist Jana Podlipnik überzeugt – und dass das nur einem Kollegium gelingt, das selbst auf seine physische wie auch die psychische Gesundheit achtet.

Dass die Jury sie in der Kategorie Schulen für den Gesundheitspreis des Landes ausgewählt hat – die Wöbbeliner Lehrerinnen hat das dennoch überrascht. Sie selbst lassen sich jetzt davon überraschen, wofür ihre Schüler das Preisgeld ausgeben wollen – vermutlich für etwas, das mit Bewegung zu tun hat.

Der  Preis  und  die  Gewinner

Den Gesundheitspreis   Mecklenburg-Vorpommern  haben  AOK  Nordost  und  Ärztekammer  Mecklenburg-Vorpommern 2014  erstmals gemeinsam  ausgeschrieben. Er  wird  alle   zwei  Jahre  verliehen  und ist  2016 mit   insgesamt 30 000  Euro  dotiert. In diesem Jahr  lautete  das  Motto „Gesundheit  lernen – gesund  leben. Maßnahmen  zur  Gesundheitsförderung bei Übergewicht  und  anderen  gesundheitlichen  Einschränkungen im  Kindes-  und Jugendalter“. 46  Bewerbungen  von  Schulen, Kindertagesstätten, Sportvereinen und  anderen Einrichtungen  für  Kinder  und Jugendliche  unter   14  Jahren gingen  bei  der   Jury  ein.

 

Hauptpreise  im Wert  von je   5000  Euro  gehen  an:

Kita  Spatzenhaus  Rolstorf

Grundschule Theodor Körner Wöbbelin

Hochschulsportgemeinschaft  Uni  Greifswald

Malteser  Rostock Projekt  Balu und  Du

 

Jeweils   1500  Euro  gehen  an:

Kita  Siebenbuche  Sanitz

Grundschule  am Mühlenteich  Rostock

Rostocker  Sportverein  e.V.

Kinder-Jugend-Familienhilfe  Rügen

 

Jeweils  1000  Euro  erhalten:

Kita  Stadtmitte  Ueckermünde

Kita  Buchenkopf  Groß  Lüsewitz

Kita  Weltentdecker  Grevesmühlen

Kita  Petermännchen  Pinnow

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen