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Mecklenburg-Vorpommern

22. November 2017 | 06:54 Uhr

Naturerbe : Wo sich der Seeadler wohlfühlt

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Adler, Kraniche, Orchideen – Stiftung sichert Natur-Paradiese an der Mecklenburgischen Seenplatte

Ein Seeadler kreist in großer Höhe, und mit lauten, trompetenartigen Rufen fliegen Kraniche aus einem Sumpfgebiet in die Höhe. „Das ist das Teufelsbruch, eines unserer wichtigsten Brutgebiete“, flüstert Christian Vorreyer, Forstleiter bei der Deutschen Wildtierstiftung, Besuchern zu. Der Wildexperte betreut für die Stiftung bei Schönbeck (Kreis Mecklenburgische Seenplatte) das knapp 300 Hektar große Waldgebiet Eichhorst, das vom Mecklenburger Seen-Radweg durchzogen und von Naturfreunden besonders geschätzt wird.

Das Waldgebiet mit Erlenbrüchen, Söllen, alten Bäumen und einer besonders großen Dachskommune ist eines von acht „Nationalen Naturerbe-Flächen“, die die Stiftung in Mecklenburg-Vorpommern betreut und weiterentwickelt. Das „Nationale Naturerbe“ Deutschlands sind Gebiete mit hohem Naturschutzwert, die zu „Biotopverbünden“ entwickelt werden sollen. Die Bundesregierungen legten seit dem Jahr 2000 fest, dass insgesamt 125 000 Hektar dazu an Stiftungen und Umweltverbände übertragen werden, darunter viele ehemaligen Militärflächen – ein Zehntel davon in Mecklenburg-Vorpommern.

Von 10 000 Hektar solcher Naturerbe-Flächen zwischen der Mecklenburgischen Seenplatte und der Ostsee betreut die Deutsche Wildtierstiftung 1200 Hek-tar, darunter Woldeforst bei Demmin, Leopoldshagen in Vorpommern, Zarnekow-Steinhagen (Kreis Nordwestmecklenburg) und Eichhorst. „Dabei wollen wir vor allem den Waldumbau voranbringen“, erklärt Fritz Vahrenholt, Vorstandsvorsitzender der Wildtierstiftung. So sollen standortuntypische Fichten weichen, wo sie Eichen einengen.

Manche dunklen Nadelholzgebiete sind schon durchforstet worden und lassen mehr Licht hinein. „Je großflächiger Urwald, desto besser“, sagt Förster Vorreyer.

Auch ohne diese Hilfen brüten bereits drei Kranichpaare, Seeadler, Schreiadler, Wespenbussard und viele andere seltene Vögel in dem Gebiet, das auch bei Pflanzen Seltenheiten wie Wasserfeder und Bleiches Waldvöglein (Cephalanthera damasonium) als Orchideenart aufweisen kann.

Die Wildtierstiftung, die der im Februar gestorbene Hamburger Unternehmer Haymo G. Rethwisch gegründet hat,  engagiert sich seit 20 Jahren für heimische Wildtiere. Da die Zinsen aber immer weiter fielen, sanken die Erträge aus dem Stiftungsvermögen. Bei solchen Projekten sei man auf Hilfe angewiesen, sagt Vahrenholt.

Im Fall Eichhorst kam die Hilfe aus Hessen: Der Unternehmer Klaus Murjahn, der in Darmstadt eine weltweit operierende Farben- und Lackfirma steuert, besuchte Rethwisch 2004 auf dessen Gut Klepelshagen und ließ sich für die Natur begeistern. „Das ist ein Paradies hier, wir wollen die Tierwelt für kommende Generationen erhalten“, sagt Murjahn. Mit jährlich 50 000 Euro unterstützt er speziell das Gebiet Eichhorst.

Unterdessen ist Vorreyer an einem Graben angekommen. Auf dem Weg dahin springen immer wieder Laubfrösche zur Seite, junge Ahornbäume sprießen durch grünen Bewuchs. In einem Brunnenschacht wurde eine große Platte installiert, mit der das Wasser im Bruch nun angestaut werden kann. „Kraniche müssen Schilfdeckung gegen die Raben von oben haben und Wasser gegen den Fuchs“, erläutert Vorreyer.

Trotz der Schutzmaßnahmen überleben nicht alle Jungkraniche. Auf dem Waldweg liegen Überreste eines Jungvogels. Wer es geschlagen hat, ist nicht mehr erkennbar.

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