zur Navigation springen

Mordfall bei Kröpelin : Wo ist der Mörder von Christine M.?

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Auch zehn Jahre nach der brutalen Tat legt die Polizei den Fall bei Kröpelin nicht zu den Akten.

svz.de von
erstellt am 13.Jul.2017 | 05:00 Uhr

Die grausame Tat in einem Waldstück bei Kröpelin erschütterte die Menschen weit über Mecklenburg-Vorpommern hinaus: Am 18. Juli vor zehn Jahren wurden die 36-jährige Krankenschwester Christin M. und ihr damals fünfjähriger Sohn von einem Unbekannten überfallen. Die beiden waren mit den Rädern unterwegs vom Kindergarten in Biendorf nach Hause in Sandhagen, als sie von dem Täter überrascht wurden. Die Frau wurde durch Schläge mit einem Ast so schwer verletzt, dass sie am folgenden Tag starb. Ihr Sohn überlebte schwer verletzt, der Fahrradhelm rettete ihm das Leben. Ein Polizist sagte damals: „Das ist wegen seiner unglaublichen Brutalität ein außergewöhnlicher Fall.“ Zehn Jahre danach ist der Täter noch nicht überführt, trotz einer der umfangreichsten Fahndungen in der Geschichte des Landes. Hunderte Hinweise kamen aus der Bevölkerung, aus diesen Hinweisen wurde ein vages Phantombild erstellt, mit dem in ganz Europa nach dem Verbrecher gesucht wurde. „Selbst letztes Jahr gingen noch sieben Hinweise ein, im Jahr zuvor waren es zwölf“, sagt Polizeisprecherin Isabel Wenzel. Die Sonderkommission „Christin“ veröffentlichte nach der Tat Fahndungsaufrufe im Fernsehen, unter anderem in der Sendung „Aktenzeichen XY - ungelöst“.

>y>dArPHbn7c8w

Aufgrund einer am Opfer gefundenen Spur wurde ein DNA-Test bei mehr als 6500 Männern zwischen 18 und 45 Jahren, die in der Umgebung des Tatorts leben, eingeleitet. „Der Verdacht, dass der Täter einen Bezug zur Region hat, besteht nach wie vor“, betont Wenzel. Die Polizei ging damals wegen der guten Fluchtmöglichkeiten von einem bewusst ausgewählten Ort des Verbrechens aus. Doch auch diese Aktion brachte keinen Hinweis. „Gegenwärtig haben wir 25 “Verweigerer„, das heißt Männer, die nicht bereit sind, ihre DNA freiwillig abzugeben.“ Ist einer der 25 Verweigerer der Täter? „Nein“, sagt Staatsanwältin Tanja Bittins, die die Ermittlungen leitete. Sie geht davon aus, dass die meisten dieser Männer Angst vor der Speicherung ihrer DNA-Daten haben oder dass sie zur Recherche in anderen Fällen verwendet werden.„Aber das passiert grundsätzlich nicht. Die Proben dienen nur dem Vergleich in diesem Verfahren und werden danach vernichtet.“ Wenn jemand nicht zum Test komme, sei er nicht gleich verdächtig.

„Selbstverständlich wird ein solcher Fall nicht ad acta gelegt“, sagt Wenzel. Gegenwärtig seien ein bis zwei Kriminalbeamte mit den Ermittlungen beschäftigt. „Deren Arbeit wird gelegentlich durch tagesaktuelle Sachverhalte unterbrochen.“ Eine der üblichen Vorgehensweise bei ungeklärten Fällen sei, einen Beamten, der noch nie mit diesem Fall zu tun hatte, alle Unterlagen erneut genauestens studieren zu lassen. Vielleicht komme er auf eine neue und zum Erfolg führende Idee. Zudem würden wegen der ständigen technischen Entwicklung die vorhandenen Spuren immer wieder neu ausgewertet.

Dies gelte auch für die wenigen ungeklärten Kapitalverbrechen in Mecklenburg-Vorpommern. Eines der bekannteren Verbrechen ist der Mord an der 20-jährigen Anja Lutter aus Dummerstorf. Sie wollte im November 1992 abends von Rostock aus nach Hause trampen. Dann verlor sich ihre Spur. Ihr Leichnam wurde vier Monate später bei Börgerende entdeckt. Sie wurde erstochen. Dieser Mord kam im Januar 2015 noch einmal in die Sendung „Aktenzeichen XY“. Doch auch das brachte keinen Erfolg. „Leider sind auch all diejenigen, die als Tatverdächtige in Frage kamen, inzwischen verstorben“, erklärt Wenzel.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen