Wo bleiben die Wünsche der Kunden?

<strong>Den Traum von den eigenen vier Wänden</strong> träumen viele. Bausparkassen können helfen, ihn zu verwirklichen. Kunden sollten sich dabei aber nicht nur auf die Berater verlassen, sondern selbst genau wissen, was sie wollen - und was nicht. Foto: Peter Grewer/dapd
Den Traum von den eigenen vier Wänden träumen viele. Bausparkassen können helfen, ihn zu verwirklichen. Kunden sollten sich dabei aber nicht nur auf die Berater verlassen, sondern selbst genau wissen, was sie wollen - und was nicht. Foto: Peter Grewer/dapd

svz.de von
18. Juli 2012, 09:49 Uhr

Was früher der Sparfuchs mit den roten Backsteinen war, ist heute der junge Großstädter auf der Dachterrasse. Deutschlands Bausparkassen setzen in Zeiten der Krise verstärkt auf junge Kunden und wollen so ihr Geschäft weiter ankurbeln. Private wie öffentlich-rechtliche Anbieter locken Jugendliche mit eigenen Werbekampagnen und Angeboten. "Es trifft den Bedarf der Zielgruppe und hilft uns, unseren Wachstumskurs zu sichern", sagt Vorstandsmitglied Bernd Hertweck von der Bausparkasse Wüstenrot, der Nummer zwei in der Branche. Ähnlich wie die größte deutsche Bausparkasse Schwäbisch Hall bietet Wüstenrot nun einen Jugendtarif mit Boni von bis zu 300 Euro an. Nach Angaben des Verbandes privater Bausparkassen ist jeder vierte neue Bausparer hierzulande jünger als 30 Jahre.

Die Schuldenkrise verstärke das Bedürfnis nach sicheren Spar- und Finanzierungsformen und werde so auch bei jüngeren Kunden attraktiver, sagt Verbandssprecher Alexander Nothaft. Im Bausparneugeschäft habe die Branche zuletzt das zweitbeste Jahr in der Geschichte verbucht. Neben den Landesbausparkassen gibt es in Deutschland 13 private Anbieter.

Sparen für ein Eigenheim gelte bei jungen Leuten zwar oft als spießig, sei bei ihnen aber besonders sinnvoll, sagt Bankenexperte Hans-Peter Schwintowski von der Berliner Humboldt-Universität. "So gesehen sind die Bausparkassen fast gezwungen, sich mit den jungen Leuten auseinanderzusetzen."

Bei der Suche nach einem passenden Bausparvertrag können die sich allerdings nicht immer auf ihren Bankberater verlassen: Nach einer Untersuchung der Stiftung Warentest beraten die ihre Kunden oft schlecht. Von Januar bis April dieses Jahres waren den Angaben zufolge Tester in jeweils sieben Filialen von 22 Bausparkassen unterwegs. Sie hatten sich Angebote für eine geplante Modernisierung vorlegen lassen. Die Prüfer hatten angegeben, 50 000 Euro finanzieren zu wollen. 10 000 Euro waren als Eigenkapital angegeben, die monatliche Belastung sollte 400 Euro nicht übersteigen.

Am Ende hatten sich 18 mindestens eine Fehlberatung geleistet. Problematisch sei dabei vor allem gewesen, dass häufig das Angebot nicht zu den Zielen des Kunden gepasst habe, sagt "Finanztest"-Chefredakteur Hermann-Josef Tenhagen. So wurden unter anderem die Vorgaben der Tester in Bezug auf Laufzeit und monatliche Sparrate in vielen Fällen ignoriert. Eine Beraterin wollte den Kunden sogar 750 Euro im Monat sparen lassen, wie Tenhagen sagte. Zudem verschwiegen einige Bausparkassen die Abschlussgebühr. Oft waren die Angebotsunterlagen außerdem unübersichtlich.

Nur vier Bausparkassen wurden am Ende insgesamt mit "gut" bewertet. Das sind Wüstenrot und die Landesbausparkassen (LBS) Baden-Württemberg, Bremen und Nord. Acht schnitten wegen einer Häufung von Beratungsfehlern mit "ausreichend" ab. Unterm Strich mit "mangelhaft" bewertet wurden HUK-Coburg, die LBS Rheinland-Pfalz, die Deutschen Bank Bauspar AG und die LBS Ost.

Der Verband der privaten Bausparkassen kündigte an, mögliche Mängel bei der Kundenberatung schnell anzugehen. Für ihn sei es allerdings nicht nachvollziehbar, dass "schon eine einzige von zehn Einzelnoten einer ansonsten guten bis befriedigenden Beratung zu einer schlechten Gesamtbewertung führen konnte". Bankenexperte Hans-Peter Schwintowski stellt das Konzept des Bausparens trotz des Ergebnisses aber nicht infrage. Gerade für Menschen mit wenig Eigenkapital könne es sich lohnen, sagte er.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen